Antiquariarisches in Berlin…

© Merydolla - Dreamstime.comWann war ihr eigentlich zum letzten Mal in einem Antiquariat? Als wir letzte Woche durch Weimar spazierten, erinnerte ich mich an das Musikhaus 19 und stattete dessen antiquarischer Abteilung einen Besuch ab. Mit 19 neuen alten Heften verließ ich den Laden.

Viele wären glücklich und zufrieden mit ihren neuen Schätze und ich? Ich setzte mich an den Rechner auf der Suche nach weiteren Antiquariaten auf dem Weg. Da ist Berlin keine schlechte Adresse.

Das Antiquariat Hartwig in Berlin Charlottenburg schien genau das richtige für mich zu sein. Ich schickte Mitte der Woche eine Mail, ob am Samstag geöffnet wäre und bekam Freitag abend eine Antwort. Allein das war schon ein schöner Zufall, den Herr Hartwig liest keine Mails, wie er später berichtete. Der, der dies (ab und an) tut, hat offenbar genau den richtigen Zeitpunkt erwischt. Oder ich. Denn ohne eine Antwort hätte ich den Laden nicht besucht.

Robert Hartwig ist wirklich ein Original. Schade, dass ich recht schnell mit dem Sichten der Klaviernoten fertig war. Im Laden ging es zu wie in einem Taubenschlag und interessante Gespräche und Menschen gaben sich die Klinke in die Hand. Immerhin, weitere 19 Notenhefte habe ich erbeutet. Neben einem Heft von Manfred Schmitz habe ich hier hauptsächlich klassische Literatur in allen Farben mitgenommen. Kabalewski, Chatschaturjan, Gretchaninoff, Ibert, Kodaly, Heller, Rameau, Purcell und Couperin.

Herr Hartwig empfahl mir, mich an Gabriele Kaiser-Schumann (Musik-Antiquariat Kaiser-Schumann) zu wenden. Dort könne ich noch eine viel größere Notensammlung bewundern. Einen Anruf und einen Tag später klingelten wir an der passenden Villa. Die riesige Notensammlung blieb mir leider (oder glücklicherweise) verborgen, denn Frau Kaiser-Schumann führte mich nicht in den Keller, sondern in den Wintergarten der Villa. Bei unserem Telefonat hatte ich erzählt, dass ich mich hauptsächlich für pädagogische Literatur interessiere. Und diese hatte Gabriele Kaiser-Schumann zusammengetragen. Im Wintergarten lagen zwei große Stapel Noten und einige Bücher. Was ich dort entdeckt habe möchte ich euch heute zeigen.

© Sandra Labsch Sehr gefreut habe ich mich über 123 Klavier Band 1, denn dieses Heft habe ich in meinem Leben bereits zweimal gekauft und zweimal ist es mir abhanden gekommen. Irgendwann gab es den ersten Teil der Klavierschule von Claudia Ehrenpreis und Ulrike Wohlwender nur noch mit CD. Diese hatte ich mir aber bereits zugelegt und dafür wollte ich nicht noch einmal Geld ausgeben. Also habe ich von dem erneuten Kauf des ersten Teils der Schule Abstand genommen, meine Schüler bringen ja ihr Exemplar zum Unterricht mit.

Nun hat mich das Heft wieder gefunden und genau wie die anderen Breitkopf-Ausgaben auf dem Bild (70 Abenteuer mit dem kleinen Ungeheuer Band 1 & 2 und die beiden Lehrerkommentare zu 123 Klavier) ist es unbenutzt und neuwertig.
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© Sandra LabschVon Elfen und Feen“ op. 38 von Alec Rowley (auch unter dem Pseudonym Georges Frank Humbert bekannt) stand schon länger auf meiner Wunschliste. Auch diese Stücke sind im Fünftonraum komponiert. Über ein anderes Heft mit solchen Stücken hatte ich bereits in diesem Artikel berichtet.

Auf die inzwischen vergriffenen Noten „Aus meinem Skizzenbuch“ – 10 Klavierstücke op.39 bin ich ebenfalls sehr gespannt.

Gerade habe ich noch die „Vier Sonatinen“ op. 40 bei ebay entdeckt. Auch dieses Heft ist mittlerweile nur noch antiquarisch zu bekommen. Natürlich habe ich auf „Kaufen“ geklickt…

Die beiden Hefte des slowakischen Komponisten Eugen Suchoň haben liebevoll farbige Illustrationen und ich freue mich sehr auf den musikalischen Inhalt. Es scheinen die ersten beiden aus einer Reihe von insgesamt sechs Heften mit Klavierstücken dieses Komponisten zu sein. Erschienen sind die Noten bei Slovenske vydavatelstvo krasnej literatury, Bratislava. Die Hefte sind ebenfalls vergriffen.
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© Sandra Labsch Die folgenden Hefte habe ich für Carina gekauft, denn ich besitze bereits alle sechs Bände der Reihe „Il Primo Concerto del Giovane Pianista“ mit vierhändigen Stücken des Italieners Giuseppe Galluzzi. Der Tipp dafür kam von Matthias Schwabe, Autor von „Schluckauf oder Wie die Heuschrecke Klavierspielen lernte“ und „Wenn der Wasserhahn erzählt„. Ich hatte ihn angeschrieben, da ich seine Froschspuren sehr mag (und noch darüber berichten werde). Das Besondere an den vierhändigen Stücken ist, dass der Schülerpart ausnahmslos im Fünftonraum stattfindet.
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© Sandra LabschUlrike Wohlwender, meine frühere Methodik/Didaktik – Lehrerin hatte bei unserem letzten Treffen erwähnt, dass sie mein Komponier-Stil an die Stücke von Francis Schneider erinnere. Mir fällt ihre genaue Wortwahl nicht mehr ein, aber es ging um das fließende in der Musik. Nun habe ich endlich die Möglichkeit, die Arbeit des schweizer Komponisten kennenzulernen.

Klingende Farben„, „Klingende Natur“ und „Für Dich“ sind bei Musikedition Nepomuk erschienen. Dieser Verlag gehört inzwischen zu Breitkopf & Härtel. Ganz besonders freue ich mich über das Heft „Popmusik im Klavierunterricht – selbst gemacht!“ Dieses (inzwischen vergriffene) Heft kommt wie gerufen, denn schon seit Wochen versuche ich zu formulieren, was Pop-Klaviermusik ausmacht. Bisher habe ich noch nichts Konkretes finden können, nicht einmal der Begriff „Pop-Musik“ scheint sich für das Klavier definieren zu lassen oder es hat sich noch keiner getraut. Ich kann es kaum erwarten, in diese Publikation zu schauen.
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© Sandra LabschVier Hefte von Edition Peters habe ich gefunden. Das mit dem Clown auf dem Titel ist von Rainer Lischka, einem mir unbekannten ostdeutschen Komponisten. „Allez hopp!“ ist 1973 erschienen und enthält 16 Klavierstücke für Kinder.

Als Ergänzung zu jeder Klavierschule sind „Die leichtesten Klavierstücke“ op. 46 von Emil Breslaur (1836-1899) gedacht. Die Idee mag ich, solch ein Heft schwebt mir auch im Kopf herum. Alle Stücke sind im Umfang von fünf bis sechs Tönen. Ob die Stücke heute noch Anklang finden?

Zwei vierhändigen Heften konnte ich nicht widerstehen. „Lehrer und Schüler“ (zusammengestellt von Adolf Ruthardt) und „Leichte Spielstücke für Klavier zu vier Händen“ (Ergänzungsband zur Holzweißig-Klavierschule). Die Klavierschule von Erika Holzweißig hat mich einige Jahre meiner Kindheit begleitet. An vierhändige Stücke kann ich mich allerdings nicht erinnern. Ich weiß nicht einmal, ob meine Lehrerin überhaupt noch Klavier gespielt hat. Die Stücke beider Hefte scheinen mir für Vom-Blatt-Spiel-Einlagen sehr geeignet zu sein. Ich freue mich darauf, die Sätze mit meinen Schülern auszuprobieren.
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© Sandra LabschDrei weitere Klavierschulen haben sich zu meiner Sammlung gesellt. „Ich spiele Klavier“ von Susy Rippas-Lüthy (Edition Hug) war mir völlig unbekannt. Was mir auf dem ersten Blick sehr gefällt ist, dass die Notensysteme der rechten und linken Hand so dicht aneinandergerückt sind, dass nur die Hilfslinie des eingestrichenen C dazwischenpaßt. Genau so soll es für Anfänger sein, denke ich. Auf die Methode dahinter bin ich sehr neugirig.

Die Europäische Klavierschule von Fritz Emonts (Schott) hat es nun auch endlich zu mir geschafft. Zumindest der zweite Teil. Der erste Teil wird mir bestimmt auch noch über den Weg laufen. Was ich bisher von Fritz Emonts kenne hat mich nicht überzeugt. Bei einigen Punkten habe ich eine andere Meinung. „Die Europäische Klavierschule“ scheint die Essenz seiner pädagogischen Arbeit zu sein. Bestimmt gibt es etwas Neues zu entdecken.

Die „Klavierschule für kleine Kinder“ von Eiko Horikoshi-Atalay ist mir schon im Studium begegnet, aber ich habe mich nie näher damit beschäftigt. Ich unterrichte keine so jungen Kinder und wenn, würde ich bestimmt eine optisch kindgerechte, sprich buntere Schule wählen. Die Stücke von Eiko Horikoshi-Atalay gefallen mir hingegen gut. Nicht nur für kleine Kinder. Den ersten Teil der Schule werde ich mir bald besorgen.
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© Sandra LabschPeter Heilbutts „Erstes Vorspielbuch“ (Musik Hug) habe ich in einem der beiden antiquarischen Stapel entdeckt. Zusammen mit der Klavierschule, die ich im Antiquariat in Weimar erstanden habe, kann ich mir nun endlich ein Bild von der Arbeit des bekannten Pädagogen machen.

Ein weiteres vierhändiges Heft, nämlich Ricos Tandem (Ricordi) hat mich angesprochen. Günter Kaluza und Wera Matheis haben 17 bekannte und unbekannte Kompositionen für Klavier zu 4 Händen zusammengetragen. Besonders auf die unbekannten Stücke bin ich gespannt!

Der Acanthus Verlag hat vor einigen Jahren die Stücke des wohl bekanntesten schweizer Komponisten der Romantik wiederveröffentlicht. Hans Huber lebte von 1852-1921 und dieses Heft enthält 18 seiner leichtesten Klavierstücke. Zwei der Stücke kann man sich auf der Seite des Verlages anhören. (www.acanthus-music.ch)

Piano Rags for Beginners“ Vol. 1 von Herwig Peychär macht auf den ersten Blick einen leicht durchgeknallten Eindruck. Was lässt sich daraus über die Zielgruppe dieser Publikation sagen? Das Heft ist ebenfalls in einem schweizer Musikverlag erschienen: Edition Melodie Anton Peterer. Mehr über die Stücke weiß ich, wenn ich wieder ein Klavier habe.
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© Sandra LabschBereits 1931 ist „Sketches from Hans Anderson“  bei Oxford University Press erschienen. Die Komponistin Yvonne Adair hat den Stücken dieses Heftes ähnlich zauberhafte Titel gegeben wie Alec Rowley seinen kleinen Kompositionen aus von „Elfen und Feen“ (ebenfalls 1931 erschienen). Musikalisch scheint es sich Anfang der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts um eine märchenhafte Zeit zu handeln. Ob die Musik ebenso zauberhaft klingt weiß ich leider erst in ein paar Tagen.

Pieces for Young Pianists“ Vol.1 von Alec Wilder ist schon lange vergriffen. Ein zweiter Band wurde verlegt, allerdings finde ich dazu keine Informationen. Laut Wikipedia war nicht nur Frank Sinatra ein großer Bewunderer und Freund von Alec Wilder, welcher sowohl klassische Stücke als auch Jazz komponierte. In welchem Stil die kleinen Stücke für Klavier wohl sind? So langsam vermisse ich mein Klavier… 😉

Für seine Tochter hat der Komponist & Musikwissenschaftler Siegfried Borris das Heft „Erstes Klavierbuch für Karen-Isela“ (Collection Litolff) zusammengestellt. Erfolgreich, denn Karen Isela (Kaja) ergriff später ebenfalls den Beruf der Musikerin. Viele der 35 Stücke sind nur ein oder zwei Zeilen lang, sehr interessant für mich und meine Vorliebe zu Miniaturen.

Pianorama“ von Stanley Weiner stand tatsächlich auf meiner Wunschliste. Insgesamt 84 vergnügliche Stücke sind auf vier Bände verteilt. Die ersten 30 finden sich im ersten Band. In der Beschreibung der Stücke ist vom „immer wieder musikalisch aufblitzendem Humor“ die Rede. Noch kann ich mir nicht viel darunter vorstellen, aber ich lasse mich gern überraschen. Verdammt nochmal, wo ist mein Klavier?
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Noten 07Seit 1981 erscheint jährlich im Stacatto-Verlag eine EPTA-Dokumentationen, welche die Beiträge der EPTA-Kongresse und -Seminare zusammenfassen. Insgesamt acht Hefte aus der antiquarischen Sammlung von Gabriele Kaiser-Schumann klangen für mich so interessant, dass ich auch hier nicht widerstehen konnte. Die älteste Dokumentation ist von 1984. Ich selbst bin erst seit Anfang 2014 Mitglied im Verband der europäischen Klavierlehrer (European Piano Teachers Association). Von meinem ersten EPTA-Seminar im Mai bin ich mit einer Menge Eindrücke und Ideen zurückgekommen. Umso mehr freue ich mich, mit den neuen Dokumentationen einen kleinen Überblick über die letzten 30 Jahre zu bekommen.

Vor genau zwanzig Jahren, also 1994 ist „Klavierspiel und das rechte Gehirn“ von Herbert Wiedemann im Gutav Bosse Verlag erschienen. Das Buch verspricht „Neue Erkenntnisse der Gehirnforschung als Grundlage einer Klavierdidaktik für erwachsene Anfäger“. Da ich sehr gern mit erwachsenen Anfängern arbeite, nehme ich mir das Buch erwartungsvoll noch für die Ferien vor.

Klavier-Improvisation – methodische Übungen und Anregungen“ wurde 1964 von Breitkopf & Härtel publiziert und ist immer noch erhältlich. Über den Autor Willi Niggeling findet man so gut wie nichts im Netz. Zwischen 1952 und 1955 war er Rektor der Hochschule für Musik in Weimar, das war es eigentlich schon. Ich habe mich in den Anfang des Buches eingelesen und bin mir sicher, eine weitere hilfreiche Quelle zum Thema Komponieren am Klavier gefunden haben.

Während ich die letzten drei Tage diesen Artikel geschrieben habe, bin ich vom Hundertsten ins Tausenste gekommen… Beim Recherchieren bin ich über interessante Internetseiten gestolpert, habe neue Komponisten entdeckt und Ideen für zukünftige Artikel gesammelt. Gut, dass ich mein Stagepiano nicht mitgenommen habe, so habe ich mehr Zeit zum Nachdenken. 😉

Grüße von der Ostsee,

Eure Sandra

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2 Gedanken zu „Antiquariarisches in Berlin…

  1. Sophia

    Hallo Sandra,
    welch tolle Errungenschaften, ich freu mich unheimlich mit dir/für dich! Das muss wie Weihnachten und Geburtstag zusammen sein!
    Ich hab mich das letzte Mal so gefreut, als ich mir aus drei Kisten Tupperzeugs meiner Schwiegereltern aussuchen konnte, was ich wollte 😉

    Schöne Zeit noch!
    Lieben Gruß

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