Piano Moments #1 – Zimmermann Musikverlag mit Hörbeispielen

Heute möchte ich euch die beiden ersten, 2004 erschienenen Hefte aus der Serie „Piano Moments“ vorstellen. Verlegt wird die Reihe seit 10 Jahren von Zimmermann Frankfurt. Sechs Notenhefte aus dieser Serie besitze ich bereits. Einige habe ich vom Verlag freundlicherweise zugeschickt bekommen und ein paar habe ich mir selbst gekauft. Die Piano Moments-Reihe „beinhaltet Originalkompositionen unterschiedlichen Schwierigkeitsgrades und vielfältiger Stilrichtungen  jenseits der „klassischen“ Einteilung in U- und E-Musik“.

Da die meisten Piano Moments-Hefte eine CD enthalten war es nicht schwer, sich einen Eindruck von den Stücken zu verschaffen. Bei leichten Noten höre ich manchmal gar nicht in eine vorhandene CD hinein, aber hier waren mir die Aufnahmen eine große Hilfe. Im Laufe des letzten Jahres habe ich Tonträger in Notenheften wirklich immer mehr zu schätzen gelernt und meine Meinung geändert. Die Hörbeispiele habe ich von den CDs ausgewählt. Die Komponisten haben ihre Stücke selbst eingespielt.

Auf der Rückseite der meisten Hefte ist ein Notenpass aufgedruckt. Die Idee finde ich gut. Wahrscheinlich können aber wenige mit dieses Einteilung etwas anfangen. In Deutschland gibt es einfach kein einheitliches System und Beschreibungen wie „leicht“ und „mittelschwer“ sind für meinen Geschmack viel zu ungenau.

Ich muss euch unbedingt ganz bald das Schwierigkeitssystem (Level-Guidelines) von sheetmusicplus.com vorstellen. Das ist ein amerikanischer Notenshop und ich bestelle dort seit Jahren. Hier findet ihr die Einteilung. Es gibt 10  Schwierigkeitsstufen (+ Vorstufe): Early Elementary – Elementary (1) – Late Elementary (2) – Early Intermediate (3) – Intermediate (4) usw. Und es wird ganz genau beschrieben, welche Elemente in einem Stück welchem Schwierigkeitsgrad entsprechen und wie das Stück/Heft insgesamt zu bewerten ist. Ich werde in Zukunft versuchen, mit diesem System zu arbeiten.

Und nun zu den beiden Heften, die ich mir heute herausgesucht habe! 🙂

Bilder einer Landschaft“ von Wolf Belbl ist 2004 erschienen und 2009 wurde eine CD beigefügt. 12,95 Euro kosten die ’12 stimmungsvollen Stücke für Klavier‘.

Das schreibt der Verlag: (Das Heft ist eine) „Sammlung einer Art „Lieder ohne Worte“ für Spieler und Spielerinnen ab der Mittelstufe: spätromantisch-impressionistische Klänge mit Elementen der Jazzharmonik lassen die Grenzen zwischen E- und U-Musik verschwimmen. Zu empfehlen für alle, die Literatur suchen abseits der üblichen Klassik-Alben oder der bekannten Evergreens. Sehr gut auch für Wiedereinsteiger!“

Diese drei Stücke haben mir besonders gut gefallen und vermitteln einen guten Eindruck vom Stil des Komponisten:

Das Tal mit den blauen Bergen     

Die Burg auf dem Weinberg     

Das sanfte Licht der Berge     

(Pianist: Wolfgang Belbl)

Mein Eindruck: Die Stücke von Wolf Belbl sind sehr akkordisch und er scheint große Hände zu haben. Akkorde mit Dezimen als Rahmen kommen häufig vor (sogar von einer weißen auf eine schwarze Taste wie e-gis). Für Leute mit normal-großen Händen ist das nicht machbar. Arpeggiert man diese Griffe und Akkorde bekommen die Stücke einen anderen Charakter, was aber kein Problem sein dürfte. Auch die Aufnahmen zeigen, dass auch leicht variiert sehr interessant klingt. Aber solche Stücke muss man mögen. Leuten mit kleinen Händen werden wahrscheinlich keinen Spaß an dieses Kompositionen haben.

Bis auf ein dreiseitiges Stück sind nur ein- und zweiseitige Stücke in diesem Heft enthalten. Fingersätze sind keine zu finden. Ich habe fast alle Stücke an- oder durchgespielt und habe mich recht leicht getan, da ich sehr große Hände habe. Diesem Heft fehlt der Notenpass, er wurde erst später eingeführt. Meine Ansprechpartnerin vom Zimmermann-Verlag Frau Picard schätzt die Schwierigkeit auf 3-4 (von 6), wobei ich es bei einer 3 ansiedeln würde. Aber eben nur mit überdurchschnittlich großen Händen. Zum Vergleich habe ich die „Miniaturen2 von Leonid Gilman herangezogen, die ebenfalls mit 3-4 bewertet wurden. Dieses Heft werde ich in einem anderen Artikel vorstellen. Die „Miniaturen2 sind wesentlich schwerer zu lesen und aufgrund ihrer oft teils sehr schnellen Tempi bedürfen sie eines deutlich größeren Übeaufwandes.

Ich habe mich mit der CD etwas schwer getan. Da sie nachträglich eingefügt wurde, gibt es im Heft keine Übersicht, welches Stück welchem Track auf der CD entspricht. Manche CDs haben eine Beschriftung und zeigen an, wie der Titel heißt, den man gerade hört. Das wäre hier sehr praktisch gewesen. Nun, da muss man sich eben selbst helfen. 😉

Die Stücke sind meist ruhig, stimmungsvoll, relativ kurz und voll großgriffiger und jazziger Harmonien. Gefällt mir! 🙂

Wüstensteine“ von Claudia Rojahn beinhaltet „12 leichte Stücke zum Entspannen am Klavier“. Seit 2004 ist dieses Heft (plus CD) für 13,95 Euro zu bekommen.

Das schreibt der Verlag: „Die Stücke sind als Ergänzung zum Klavierunterricht gedacht und sollen die Fantasie des Pianisten anregen. Die klangvollen Stimmungsbilder bilden stilistisch eine Brücke zwischen U- und E-Musik und können schon von Anfängern nach ein bis zwei Jahren Klavierunterricht gespielt werden.“


Auch hier habe ich drei Stücke ausgewählt:

Zeitlicht     

Gedankenflug     

Wasserschatten     

(Pianistin: Claudia Rojahn)

Mein Eindruck: Dieses Heft empfinde ich leider als unrund. Beim Nachdruck 2010 scheint etwas schiefgelaufen zu sein, denn oben und unten sind im Notenbild auf mehreren Seiten Töne, Balken oder Bögen abgeschnitten.

Insgesamt sind die Stücke leichter. Aber „leicht“ wie der Titel verspricht, ist ein dehnbarer Begriff. Der Verlag teilt die Schwierigkeit in 1-6 auf, wobei 1 wirklich sehr leicht ist und 6 Profi-Niveau. „Wüstensteine“ hat eine 2 bekommen. Ich tendiere bei den Stücken zu einer 2-3.

„Wüstensteine“ würde ich nach den SMP Level-Guidelines bei 4-5 einordnen. Definitiv mittelschwer. Die Stücke enthalten komplexere Rhythmen, Zweistimmigkeit, Oktavenläufe und Vierklänge, wobei diese nicht den Oktavrahmen überschreiten. Jugendliche & Erwachsene kommen mit diesen Schwierigkeiten in der Regel gut klar. Sofern nicht beide Hände gleichzeitig etwas schwieriges spielen müssen, was hier schon öfter der Fall ist. Ich hätte mir die Stücke auch kürzer gewünscht. Fünf Stücke sind je drei Seiten lang und mit den genannten Anforderungen schon aus diesem Grund nicht mehr „leicht“. Anfänger tun sich mit langen Stücken eher schwer.

In diesem Heft gibt es an zwei Stellen Seiten zum herausklappen. So lassen sich theoretisch vier dreiseitige Stücke ohne Blättern spielen. Wenn denn jeweils das zweite dreiseitige Stück direkt folgen würde. Aber leider ist das hier nicht der Fall. Die Stücke sind nicht dementsprechend angeordnet und die Rückseite der herausklappbaren Seite meint „Diese Seite bleibt wegen der besseren Wendemöglichkeiten im weiteren Verlauf frei.“ Das ist so schade, denn die Idee ist einfach klasse. 🙁

Was mich sehr irritiert hat ist, dass die Aufnahmen auf der CD und der Inhalt des Heftes einige Male nicht zusammenpasst. Im ersten Stück (‚Der Traumfänger I‘) sind von Takt 7-10 decrescendi eingetragen. Auf der Aufnahme wird die Komponistin lauter.

Bei ‚Wüstensteine‘ gibt es in der linken Hand von Takt 10 bis Takt 15 eine Pause in den Noten. Auf der Aufnahme wird da aber ein Akkord gespielt. Sind hier die Noten falsch oder ist die Aufnahme eine Variante?

Oft hält Claudia Rojahn lange Töne nicht korrekt aus. Ganz markant bei ‚Brücke zum Frieden‚ Takt 19. Der Takt hat eigentlich vier Pulsschläge und kurz nach dem dritten Pulsschlag beginnt schon der nächste Takt. Ganz ehrlich? Das mag ich nicht. Bin ich zu pingelig?

Beim letzten Stück (‚Der Traumfänger II‘) verstehe ich nicht, warum die Achteltriolen ab Takt 10 mit Fähnchen und nicht mit Balken notiert sind. Da wüßte ich gern, warum die Komponistin bzw. der Verlag sich dafür entschieden haben. Das ist aber eine unerhebliche Kleinigkeit. 😉

Es sind Fingersätze notiert – über mehr hätte ich mich gefreut. Ich finde sie nicht wirklich ausreichend, und denke, dass Anfänger an einigen Stellen stolpern könnten. Noch aufgefallen ist mir, dass nach eingetragenen ritardandi die a tempo Angaben fehlen. Oder es sind auf der Aufnahme  ritardandi zu hören, die nicht notiert sind. Auch empfinde ich die Lautstärkenangaben als unzureichend (verglichen mit der Aufnahmen), wobei ich weiß, wie schwer man es sich als Komponist mit diesen Eintragungen macht.

Ich habe vor Kurzem mein erstes eigenes Heft beendet und habe die letzten Tage zuvor unheimlich viel darüber nachgedacht, welche Eintragungen jetzt in das Stück kommen sollen. Alles schien mir nur ein Kompromiss zu sein. Wenn aber Lautstärkeneintragungen in einem Stück sind mag ich es, wenn diese vollständig sind und mit der Aufnahme zusammenpassen. 😉

Sowohl von Wolf Belbl als auch von Claudia Rojahn habe ich noch ein zweites Heft. Ich bin gespannt auf diese Stücke. In einem der nächsten Artikel werde ich sie euch vorstellen.

 

Eure Sandra

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