Michael Proksch „Klaviergeschichten in Noten“ Teil 1 (mit Hörbeispielen)

Michael Proksch Klaviergeschichten in N0ten Teil 1Gestern habe ich „Klaviergeschichten in Noten“ Teil 1 von Michael Proksch zur Hand genommen. Mit diesen Kompositionen hatte ich mich bisher noch nicht beschäftigt. Das 49 Seiten starke Heft im Querformat enthält 35 Stücke, wobei die letzten sieben für Klavier zu vier Händen komponiert sind. Der Schwierigkeitsgrad wird als einfach eingestuft.

Erschienen ist das Notenheft 2004 bei Adera, mittlerweile ist es bei Breitkopf & Härtel gelistet. Der Preis beträgt 16,90 Euro. Einen zweiten Band der Klaviergeschichten gibt es ebenso und eine CD, auf der alle 66 Stücke eingespielt sind.

Wunderbar finde ich das Querformat der Hefte von Michael Proksch und die sehr angenehm zu lesenden relativ großen Noten, sowie den übersichtlichen Notensatz. Fingersätze sind vorhanden, genaue Pedaleintragungen allerdings nicht. Ein con. Ped. verweist darauf, dass man das Pedal verwenden soll.

Ich habe 19 der 35 Klaviergeschichten aufgenommen und mir einen ersten Eindruck verschafft. Der zweite folgte beim Hochladen und Anhören der Stücke.

In der Regel spiele ich Stücke in diesem Schwierigkeitsgrad vom Blatt und nehme sie direkt auf. So bekomme ich einen guten Eindruck, ob die Stücke im Unterricht funktionieren und wo es Stellen gibt, die meinen Schülern schwerfallen könnten.

Ein Auszug aus dem Vorwort:

Um ein schnelles Einprägen der Noten zu ermöglichen, finden sich bei vielen Stücken ähnliche Basslinien, Harmoniefolgen, oder rhythmische Motive. So kommt es schneller zum Erfolgserlebnis, wenn bereits erlernte musikalische Elemente in einem anderen Stück wieder vorkommen. Spielt die linke Hand beispielsweise nur einfache Zwei- und Dreiklangsfolgen, kann sich der Musizierende auf die Melodie konzentrieren und vielleicht sogar mit der rechten Hand eigene Varianten finden.“ (© Michael Proksch)

Stücke, die sich ähnelnde Motive und Bausteine enthalten, versprechen schnelle Erfolgserlebnisse und sind im Unterricht sehr willkommen. In diesem Heft finden sich vertraute Zwei- und Dreiklänge, die als Begleitung verwendet werden. Eine direkt hörbare melodisch und harmonische Ähnlichkeit habe ich nur bei den ersten drei Stücken der Klaviergeschichten wahrgenommen.

Die Kompositionen vom Blatt zu spielen hat viel Konzentration gefordert. In den Wiederholungen wechselt die Melodie oft von der einen in die andere Hand. Viele kleine Varianten innerhalb der Stücke fordern einiges an Aufmerksamkeit und lassen einen manchmal stolpern. Kleine Erholungspausen, wie zum Beispiel lange Töne in beiden Händen, hätten gut getan. Der Klavierspieler ist gefordert – vom Anfang bis zum Ende.

Für wen sind die Stücke? Im Vorwort steht, dass sich alle Kompositionen als Ergänzung und Weiterführung der Klavierschule „Für kleine Klavierkünstler“ von Michael Proksch eignen. Diese Schule ist für Kinder ab vier Jahren geeignet.

Ich denke, dass sowohl Kinder als auch Jugendlichen und Erwachsene Freude an diesen Stücken haben. Sie klingen sehr schön und interessant, sind gut komponiert und teilweise richtig witzig. Der Wunsch des Autors, „möglichst bei vielen Musizierenden die Freude am Klavierspiel zu wecken“ ist erfüllt.

Eine rasche Auffassungsgabe, Lust auf Herausforderungen und eine gute Konzantrationsfähigkeit sollte der Klavierspieler mitbringen, der sich an die Stücke wagt.

Auf meiner Skala von sehr leicht – leicht – mittelleicht – mittelschwer – schwer – sehr schwer würde ich die Stücke bei mittelleicht einstufen.

01 Zwei Freunde     

02 Mitgefuehl     

03 Unser Kaetzchen ist krank     

04 Dreiklaenge unter sich     

05 Elefanten Baby     

06 Im wilden Westen     

07 Pinoccios erster Walzer     

08 Wenn die Baesse schlafen gehen     

09 Zufriedenheit     

10 Wellen     

11 Es weihnachtet     

12 Wenn ich etwas will     

13 Wechselndes Glueck C Dur     

14 Wechselndes Glueck C Moll     

15 Kaenguru     

16 Schluckauf     

17 Adventszeit     

18 Die Amsel singt nicht mehr     

19 Ausgelassen     

Eure Sandra

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9 Gedanken zu „Michael Proksch „Klaviergeschichten in Noten“ Teil 1 (mit Hörbeispielen)

  1. Susanne aus Karlsruhe

    Da hast du dir wieder viel Arbeit gemacht, liebe Sandra. Vielen Dank für die Vorstellung dieses Notenheftes. Die „Klaviergeschichten“ überzeugen mich jedoch nicht. Die meisten Stücke klingen banal, häufig wird das gleiche Motiv permanent wiederholt, sequenziert oder leicht variiert. Das wirkt langweilig. Es gibt nur wenige Stücke mit einer einprägsamen Melodie. Die meisten Stücke wirken auf mich eher kindlich, für Erwachsene weniger geeignet.

    Einige Stücke wirken auch konstruiert, wie z.B. „Dreiklänge unter sich“ und „Es weihnachtet“. Vor allem letzteres dürfte eine Enttäuschung für die Schüler sein, da man unter diesem Titel eine romantische Melodie erwartete, eine vorweihnachtliche Stimmung.

    Du schreibst, dass die Stücke „mittelleicht“ sind, das entspräche deinen „12 zauberhaften Monaten“. Musikalisch liegen zwischen den „Klaviergeschichten“ und den „Zauberhaften Monaten“ Welten. Während die „Zauberhaften Monate“ echte Klavierstücke sind, klingen die „Klaviergeschichten“ so, als ob sie aus einer Klavierschule stammen würden und als ob Michael Proksch ein bestimmter pädagogischer Zweck verfolgt hätte und speziell dafür ein Stück geschrieben hätte. Zudem wirken die Stücke auf den Hörer nicht „mittelleicht“, sondern klingen eher so, als ob sie leicht wären, wie echte Anfängerstücke halt. Im Gegensatz dazu deine „Zauberhaften Monate“ – die klingen schwerer, als sie sind. 😉 Jeder Klavierschüler will zeigen, was er schon alles kann und freut sich, wenn ein Stück schwerer klingt, als es ist. Denn damit kann er Eindruck schinden, wenn er es vorspielt.;-)

    Einige der Stücke haben mir aber doch gut gefallen:
    „Wellen“ – obwohl es einfach strukturiert ist, klingt es wunderschön. An diesem Stück hätten sicher sowohl Kinder, als auch Erwachsene viel Freude.
    „Känguru“ – witzig, der Titel passt zur Musik. Vor allem Kinder dürften daran viel Spaß haben
    „Die Amsel singt nicht mehr“ – eine wunderschöne, eingängige Melodie, sicher bei Kindern und Erwachsenen beliebt.
    Schade, dass das Heft nicht mehr Stücke dieser Art enthält.

    Liebe Grüße
    Susanne

    Antworten
    1. Sandra Beitragsautor

      Vielen Dank für Deine Einschätzung, Susanne!

      „Die Amsel singt nicht mehr“ und „Ausgelassen“ haben mir von den eingespielten Stücken am Besten gefallen. Ich hatte den Eindruck, dass die Stücke von Michael Proksch schwerer zu spielen sind, als sie klingen.
      Interessant, dass Du bei meinen „12 zauberhaften Monaten“ das Gegenteil empfindest.

      Dennoch fand ich die Klaviergeschichten im Nachhinein sehr schön anzuhören. Michael Proksch komponiert auch für Film und Fernsehen und da könnte ich mir auch einige der Stücke gut vorstellen. Mit „banal“ tust zu ihm auf jeden Fall unrecht. Ich finde sogar, die Stücke sind auf subtile Weise ziemlich raffiniert.

      Liebe Grüße,
      Sandra

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      1. Susanne aus Karlsruhe

        Liebe Sandra,

        es ist immer wieder interessant, dass jeder Musik anders empfindet. 😉 Mir haben nur einige der Titel wirklich gut gefallen. Bei einigen war ich enttäuscht, vor allem, wenn man den Schwierigkeitsgrad mit in Betracht zieht.

        Mein Gedanke beim Anhören war „Weniger wäre mehr gewesen“. Hätte Michael Proksch das Heft auf die Hälfte der Stücke reduziert, hätte er nur die sehr guten Stücke ausgewählt, dann wäre mein Urteil sicher anders ausgefallen. Dazu kommt, dass ich mit einer hohen Erwartung herangegangen bin, ich kenne Prokschs „Ein Spanier für Elise“ und hatte ähnliches erwartet.

        Toll wäre es, wenn man die Stücke, die einem gefallen, als Einzeldownload vom Verlag bekommen könnte.

        Liebe Grüße
        Susanne

        Antworten
  2. Sophia

    Hallo liebe Sandra,

    was für ein nettes Heft!
    Du schreibst, es wären auch Stücke für 2 Spieler darin zu finden, welche mich sehr interessieren, da ich so gern mit meiner Tochter gemeinsam spiele, wir aber nur wenige vierhändige Stücke zur Verfügung haben.
    Meine Frage also, sind die Primo und Secondo Teile im selben Schwierigkeitsgrad komponiert (also nicht für Lehrer und Schüler) bzw. sind dieselbigen eigenständige Melodien, also nicht einfach ein/zwei Oktaven höher/tiefer für den 2. Spieler angesetzt (hoffe du verstehst was ich meine, ich weiß den Fachbegriff dafür nicht).

    Wäre schön, wenn du das kurz für uns erläutern könntest,
    liebe Grüße aus dem verregneten Ö

    Antworten
    1. Susanne aus Karlsruhe

      Von Michael Proksch gibt es einen tollen vierhändige Band „Ein Spanier für Elise“. Die Stücke dürften im Schwierigkeitsgrad ähnlich sein.

      Wenn du auf der Suche nach vierhändigen Stücken bist, bei denen Primo und Secondo gleich schwer sind, empfehle ich dir das Vierhändige Tastenkrokodil, eine Sammlung von Stücken verschiedener Komponisten. Sehr schön sind auch die vierhändigen Stücke von Oxana Krut, die findest du auf http://www.pianodidact.de unter „PIANO DUETS“. Du kannst die Stücke dort auch alle anhören. Sowohl die Stücke im Tastenkrokodil als auch die von Oxana Krut sind so komponiert, dass jeder Partner eine eigenständige Stimme hat. Nur bei ganz wenigen Stücken gibt es Oktavparallelen.

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    2. Sandra Beitragsautor

      Liebe Sophia,

      zum Einstieg in das Vierhändigspielen empfehle ich euch die beiden Hefte „Meine allerersten vierhändigen Tastenträume“ von Anne Terzibaschitsch.
      Der Link zum Band 1: http://www.holzschuh-verlag.de/meine-allerersten-vierhaendigen-tastentraeume-band-1.html

      Beide Bände sind in etwas gleich schwer und bieten wunderschöne, abwechslungsreiche Stücke. Der Primo und der Secondo-Part sind ebenfalls ähnlich schwer bzw. leicht. Sehr praktisch finde ich, dass jeder Spieler seine eigene Seite hat. Das finde ich übersichtlicher als die Notation der vierhändigen Stücke von Oxana Krut oder Michael Proksch. Hier kommt man beim Lesen schneller durcheinander und vertut sich in der Zeile.

      Liebe Grüße,
      Sandra

      P.S. Auch die vierhändigen Stücke der Klaviergeschichten sind in einem ähnlichen Schwierigkeitsgrad und jeder hat seine eigene Stimme zu spielen.

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      1. Susanne aus Karlsruhe

        Wenn Primo und Secondo-Part übereinander stehen, hat das Vor- und Nachteile. Der Nachteil ist, dass man schnell in eine falsche Zeile rutscht. Der Vorteil ist, dass man sieht, was der Partner spielt. Ich lasse daher den Schüler seinen Part farbig anmalen, also die ganze Notenzeile wird mit einem Farbstift angemalt. Dann wird es übersichtlicher und es passiert nicht mehr, dass der Schüler versehentlich in den falschen Part rutscht. Spielen zwei Schüler zusammen, malt jeder seinen Part in einer anderen Farbe an. Funktioniert auch gut.

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        1. Sophia

          Vielen lieben Dank euch beiden für eure Notentipps, werd die genannten Vorschläge heut Abend alle in Ruhe anschauen.

          Bis jetzt kenn ich nur Stücke, wo jeder seine eigene Seite hat, aber das Zeilenübermalen scheint eine nette Alternative zu sein, weil meine Tochter sowieso mit Vorliebe die Notenzettel ihres Lehrers verschönert.

          Danke nochmal für eure Hilfe!

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          1. Sophia

            Hallo,
            hab zum Geburtstag das vorgestellte Buch von Hrn. Proksch bekommen und schon ordentlich liebkost.
            Ich mag die Melodien sehr gerne (allen voran das Wilde Westen Lied und Fifties), doch an meinem spielerischen Können muss ich noch kräftig arbeiten, fürchte ich. Obwohl die Charming Moments von Sandra schon nicht leicht für mich sind, setze ich dieses Buch für noch (viel) schwieriger an. Aber macht nix, mit den Aufgaben wächst man doch. Etwas mehr Fingersätze hätten nicht geschadet!

            Mein nächstes Objekt der Begierde ist „Fest im Königsschloss “ von Oxana Krut, der Schwierigkeitsgrad scheint besser zu meiner Tochter und mir zu passen, vorallem da man ja fehlerfrei spielen sollte, damit es zu zweit klappt und die Probeseiten sehen dementsprechend gut aus!

            Lieben Dank nochmal und schöne Ostern,
            Sophia

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