Gedanken #17 – Selbst publizieren oder verlegen lassen? – Tipps für Autoren & Komponisten

© kichigin19 - Fotolia.comVor etwa einem halben Jahr habe ich meine ersten beiden Hefte im eigenen Verlag publiziert. Das war ein Sprung ins kalte Wasser. Warum ich diesen nicht bereue, möchte ich euch heute erzählen. Vorab eine kleine Geschichte, wie es dazu kam:

Seit zehn Jahren komponiere ich Klavierstücke und vor ziemlich genau zwei Jahren (Ende April 2013) kam zum ersten Mal der Wunsch auf, meine Arbeit zu veröffentlichen. Auf meiner Zauberklavier-Seite hatte ich mir damals dazu Gedanken gemacht:

PianoMoods wird wahrscheinlich mein erstes Heft heißen. 18 Stücke möchte ich dafür zusammenstellen, die englische Titel tragen. Einen “richtigen” Verlag habe ich noch nicht, aber es gibt andere Möglichkeiten. In den letzten Jahren habe ich einige Dutzend Stücke komponiert, aber erst jetzt bin ich zufrieden mit meiner Arbeit und denke über Heft-Konzepte nach. Da noch einiges in den nächsten Monaten fertig werden soll, hoffe ich, bis Jahresende mehrere Hefte in verschiedenen Schwierigkeitsgraden anbieten zu können…“

Ich hatte nicht vor, meine Stücke an die bekannten Musikverlage zu senden. Eigentlich wollte ich „entdeckt“ werden. Dem widersprach der Gedanke, dass sich wahrscheinlich kein Verlag ein schwarzes Schaf an Board holt. Zu diesem Zeitpunkt schrieb ich seit über einem halben Jahr an meinem Klavierunterricht-Blog und kritisierte – noch nicht so wohlwollend wie heute – Notenhefte.

Trotzdem meldete sich kurz darauf ein kleiner Frankfurter Verlag und zeigte Interesse an meinen Kompositionen. Gut dachte ich, dann soll es so sein. Einen Vertrag unterschrieb ich nicht. Hauptsächlich weil er nicht meinen optischen Kriterien entsprach. Eigentlich sah er  aus wie ein Entwurf. 😉

Anfang 2014 schickte ich mein erstes Heft nach Frankfurt (die „12 zauberhafte(n) Monate“) und im April lernte ich den Verleger auf der Musikmesse kennen. Ich hätte gern mit ihm zusammengearbeitet. Vielleicht hätte der erst vor Kurzem gegründete Verlag so eine Chance gehabt, sich schneller am Markt zu etablieren. Aber leider kam es nicht dazu, dass mein Heft gedruckt wurde.

Anfang der Sommerferien drängelte meine liebe Kollegin Carina – es müsse endlich etwas passieren! Auch mein Mann hatte schon einige Male den Gedanken verlauten lassen, dass wir doch selbst verlegen könnten. Im Sommer 2014 hatte ich wenige Schüler und somit eine Menge Zeit zum Nachdenken. Auf der Rückfahrt vom Urlaub an der Ostsee hielten wir in Thüringen, nahmen meine Mutter an Bord und machten uns auf den Heimweg nach Mannheim. Über 400 Kilometer besprachen wir, wie es weitergehen soll. So nahmen die Pläne langsam Form an und zweieinhalb Monate später war es soweit. Der ZauberKlavier-Shop ging online.
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Aufgaben der Verlage

Wenn man mit dem Gedanken spielt, ein Buch oder ein Notenheft selbst zu verlegen, muss man zuallererst wissen, woraus die Arbeit eines Verlages besteht und ob man diese Aufgaben selbst übernehmen möchte. Zu den Aufgaben eines Verlages gehört, aus einem Manuskript ein Buch zu machen und dafür zu sorgen, dass es in den üblichen Großhandelsverzeichnissen (knv, Libri) verfügbar und damit über den Buchhandel beziehbar ist. Er kümmert sich um die Gestaltung, den Vertrieb und natürlich – die Werbung.

Der Autor gibt die Rechte an seinem Werk an den Verlag ab. Nicht bei jedem Verlag wird der Autor  die Möglichkeit haben, Einfluss auf die Gestaltung zu nehmen.  Und nicht zuletzt – der Autor erhält durchschnittlich nur 8 Prozent der Einnahmen als Honorar.

Wer jetzt denkt, dass der Verlag sich dumm und dämlich verdient und sich am geistigen Eigentum des Autors bereichert, irrt gewaltig. Circa 50 Prozent des Verkaufspreises erhält der Groß- und der Einzelhandel. Die anderen 50 Prozent teilen sich Posten wie Autorenhonorar, Druck, Werbung und Portogebühren – denn den Versand an den Großhandel trägt der Verlag. Die Mehrwertsteuer ist ebenfalls im Verkaufspreis enthalten. Noch keine Rede war von den Gehältern der Verlagsmitarbeiter und den Unterhaltskosten der Gebäude.

Hättet ihr nicht gedacht? Ich ehrlich gesagt auch nicht. Erst jetzt verstehe ich so langsam, wie das Verlagsgeschäft funktioniert. Lange habe ich über die relativ hohen Notenpreise in Deutschland geschimpft. Aber es geht gar nicht anders. Eigentlich sollten wir glücklich sein, dass Noten nicht teurer sind.
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Tipps zum Design der Notenhefte

Möchte der Autor sich selbst um die Gestaltung seines Notenheftes kümmern, bedarf einiges an Know How. Aber es ist zu schaffen. Unverzichtbar ist ein gutes Notenprogramm. Ich benutze Primus Publisher und bin sehr zufrieden damit. Primus Publisher, Columbus Soft, Columbus Soft, Notenprogramm, PrimusGanz besonders schätze ich den persönlichen Service. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an Christof Schardt für die geduldige Beantwortung all meiner Fragen zur Anwendung des Programms.

Worüber muss man sich noch Gedanken machen? Wie groß sollen die Noten sein? Wo kommen die Fingersätze hin? Pedaleintragungen? Vortragsbezeichnungen?

Ein Heft, welches sich gut verkaufen soll, braucht außerdem ein attraktives Cover. Diese Arbeit habe ich an eine befreundete Grafikdesignerin (Bettina Braun – straightforwardesign.de) abgegeben. Als wir uns zum ersten Mal trafen, hatte ich bereits relativ genaue Vorstellungen und eine Menge Fotos dabei. Hilfreich ist es natürlich, ein paar Notenhefte vorzuzeigen, dessen Cover einem gefallen. Ansprechende und professionelle Fotos für die Covergestaltung kann man auf diversen Plattformen erwerben. Meine Favoriten sind Fotolia.com und Dreamstime.com.

Meine Hefte bestehen aus einzelnen PDF-Dateien (Cover, Impressum, Noten, Vorschau etc.), die zusammengefügt werden müssen. Dafür benutze ich das Programm PDF24. Es ist einfach zu bedienen und sehr zu empfehlen.

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Selbst verlegen ohne eigenen Shop?

Möchte man als Autor ohne Hilfe eines Verlages publizieren, hat man hier die Möglichkeit, den Vertrieb an einen Print on Demand-Service abzugeben. So behält man seine Rechte, bekommt aber auch nicht viel mehr Honorar als bei einem renommierten Verlag. Mit dem Nachteil, nicht von dessen gutem Namen profitieren zu können.

Die Seite inter-note.com bietet diesen Service an. Hier kann man als Autor einzelne Stücke oder auch ganze Hefte anbieten, die dann von Internote gedruckt und vertrieben werden. Der Kunde kann sich sein Notenheft nach seinen eigenen Wünschen zusammenbauen. Ein schönes Konzept!

Wenn man seine Hefte und Stücke nur als PDF verkaufen möchte, gibt es einige Plattformen, auf denen man diese anbieten kann. MusicaNeo zum Beispiel. Ich biete dort meine Hefte für das internationale Publikum als PDF an. Die Firma mit Sitz in der Schweiz nimmt eine Provision von 33 Prozent. Der Komponist legt den Verkaufspreis (in Dollar) natürlich selbst fest.

Der amerikanische Notenshop sheetmusicplus.com bietet ebenfalls Digital Print Publishing an. Vom Verkaufserlös wird  eine Provision von 55 % einbehalten. Das ist interessant wenn man in den USA Kunden gewinnen möchte.
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Herstellung von Druckerzeugnissen

Ich habe mich dazu entschieden, meine Hefte nicht nur als PDF, sondern auch als Druckerzeugnis anzubieten. Man kann sich eine regionale Druckerei aussuchen oder eine Online-Druckerei wählen. Diese gibt es wie Sand am Meer und selbst Kleinstauflagen sind kein Problem. Flyeralarm, KDD Druckterminal, Viaprinto oder  Wir-machen-druck.de bieten unter anderen diesen Service an. Hier muss man selbst Erfahrungen sammeln und testen, bis man eine Druckerei gefunden hat, mit der man das gewünschte Ergebnis erzielt. Ich bin noch nicht angekommen.

Nun muss man sich entscheiden, ob man dem Buch eine ISBN verpasst. Nur damit ist es über den Großhandel beziehbar. Eine einzelne ISBN kostet 85 Euro.

Ich habe mich gegen den Großhandel und für den Direktvertrieb entschieden. Dafür braucht man einen eigenen Shop und eine möglichst gut frequentierte Internetpräsenz, denn irgendwie muss der Kunde ja auf einen aufmerksam werden.

Mittlerweile bestellen einige Musikhandlungen direkt bei mir. Das Musikhaus Schlaile in Karlsruhe gehört dazu und das Pianohaus Erich Hötzel in der Nähe von Karlsruhe. Ich verschicke lieber direkt an den Einzelhandel. Anstatt an den Großhandel zu verschicken, der dann wiederum an den Einzelhandel verschickt. Das finde ich ökologisch nicht vertretbar. Die finanziellen Gründe habe ich bereits geschildert.

Meine Hefte haben eine EAN. Das ist die Europäische Artikelnummer. Damit können die Artikel auch bei Amazon eingestellt werden. Diesen Vertriebsweg nutze ich ebenfalls seit einigen Monaten.

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Tipps zum eigenen Shop

Um die eigenen Hefte zu vertreiben muss man ein Gewerbe anmelden. Und wenn man sich für den Direktvertrieb entschieden hat, braucht man einen Shop. Dafür gibt es fertige Shop-Systeme wie OXID, Magento oder Joomla. Diese müssen an die eigenen Bedürfnisse angepasst und regelmäßig upgedatet werden. Ich weiß nicht, in welchem finanziellen Rahmen das liegt, wenn man diese Aufgaben an einen Dienstleister abgeben muss.

Wer sich damit nicht beschäftigen möchte, kann auf ein Shop-Baukastensystem zurückgreifen, wie es 1und1, Strato oder Hetzner anbietet.
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allgemeine Ratschläge für bessere Hefte

Last but not least noch ein paar allgemeine Tipps: Ich achte darauf, dass die Ton- und Taktarten in meinen Heften vielfältig und abwechslungsreich sind. Damit die Stücke keine zu großen Herausforderungen werden, verzichte ich auf allzu viele Vorzeichen. Bei leichteren Stücken kommt es vor, dass ich die Stücke in drei oder vier Tonarten ausdrucke und ausprobiere, in welcher sich sich am besten spielen lassen. Dann kommen meine Schüler mit Probespielen dran und im Anschluss mehrere Kolleginnen. Ohne diese Rückmeldungen hätte ich kein gutes Gefühl, ein Heft für fertig zu erklären. Außerdem – ich komponiere für den Unterricht, und da brauche ich Feedback. Die Klavierlehrer sind ein wichtiger Teil meiner Zielgruppe und ich bin dankbar über jede konstruktive Kritik.

Als Komponist fehlt einem der erste Eindruck der eigenen Stücke. Und der ist enorm wichtig. Oft werden Stücke erst richtig rund, wenn man beispielsweise einen Teil wiederholt. Das hören nur andere mit „frischen Ohren“ oder man selbst mit ganz viel Abstand zum Stück.

Und noch ein wichtiger Tipp: Lasst euch Zeit! Schreibt oder komponiert und lasst es liegen. Ein paar Monate oder auch ein paar Jahre. Entwickelt euch weiter. Nehmt Kompositionsunterricht und besucht Fortbildungen. Beschäftigt euch mit anderer Unterrichts- und Spielliteratur. Und dann schaut euch euer Werk mit ein wenig – oder ganz viel – Abstand an.

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Mir macht das Selbstverlegen wirklich Spaß! Ich bin gespannt, was die Zukunft bringt. Kommt gut ins Wochenende,

Eure Sandra

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11 Gedanken zu „Gedanken #17 – Selbst publizieren oder verlegen lassen? – Tipps für Autoren & Komponisten

  1. Susanne aus Karlsruhe

    Liebe Sandra,

    danke für den detaillierten Bericht darüber, wie Noten gedruckt und vertrieben werden. Da steckt verdammt viel Arbeit dahinter und ich bewundere dich, wie du das alles packst. Kein Wunder, dass Noten im Handel so teuer sind. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg mit deinem Zauberklavier-Verlag.

    Deine Klavierstücke sind so wunderschön. Ich freue mich immer, wenn meine Schüler im Klavierunterricht deine Stücke spielen, denn da macht schon allein das Zuhören viel Spaß. Und wenn ich dann noch sehe, wie glücklich meine Schüler sind, wenn sie deine Stücke spielen und wie motiviert sie sind, dann bin auch ich glücklich. Daher an dieser Stelle ein ganz dickes Dankeschön an dich.

    Viele liebe Grüße und eine schöne Woche
    Susanne

    Antworten
    1. Sandra Beitragsautor

      Ich danke Dir sehr für die lieben Worte, Susanne!
      Es ist so ein schönes Gefühl, andere Menschen glücklich zu machen! 🙂

      Herzliche Grüße,
      Sandra

      Antworten
    1. Sandra Beitragsautor

      Lieber Stephan,

      vielen Dank für Deine interessante Frage. Ich werde dazu noch ein wenig recherchieren und hoffe, ich kann ganz bald etwas dazu sagen. ISMNs hatte ich zum Zeitpunkt des Artikelschreiben tatschlich vergessen.

      Viele Grüße,
      Sandra

      Antworten
  2. Stephan

    Ich kommentiere hier noch einmal, weil ich den Artikel für mich quasi abarbeite.

    Zu dem Drucken ist Folgendes zu sagen, die Übergabe von Noten in PDFs ist kritischer als von Texten. Es geht darum, ob der Font im PDF mit eingebunden ist oder nicht. Aus irgendeinem Grund zicken Noten meiner Erfahrung nach mehr rum. Letztendlich würde ich immer ein Verfahren wählen, bei welchen man vorab das Ergebnis kontrollieren kann, nachdem das PDF das System der Druckerei durchlaufen hat.

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    1. Sandra Beitragsautor

      Der Buchhandel erhält 30 Prozent für meine eigenen Hefte und 25 Prozent für die der anderen Autoren, die ich verlege.

      Mein Anspruch ist, dass der Autor nicht weniger erhält als der Handel, denn das könnte ich nicht mit meinem Gerechtigkeitssinn vereinbaren. Zumal die Autoren in der heutigen Zeit größtenteils auch noch die Vermarktung selbst übernehmen, indem sie für ansprechende Internetauftritte sorgen.

      Viele Grüße aus Mannheim,
      Sandra

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      1. Stephan

        Ist Vermarktung wirklich nur Internet? Du hast momentan das Glück, dass Du unter dem Suchbegriff Klavier Blog Nummer eins bist. Deine Art des Blogs ist singulär. Wenn das Glück aufhört und das geht schnell, so Google will.

        Ich habe keine Ahnung, was
        – die Verlagsauftritte auf der Musikmesse
        – Erwähnungen und positive Rezensionen in Üben und Musizieren und anderen instrumentenspezifischen Fachzeitschriften
        – Katalogzusendungen der Verlage

        für einen selbst zusätzlich bringen würden. Aber ich wage zu behaupten, alleine ist das schwerer zu bekommen.

        Aber Handel. Ich habe deinen Artikel so verstanden, dass Du nur in einem Musikhaus zu haben bist. Aber ich als Frankfurter könnte es nicht in meinem Musikgeschäft kaufen. Wie sehr hat das damit zu tun, dass Du keinen Verlag hast?

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  3. Stephan

    Ich habe mir jetzt musicaneo angesehen. Interessiert (= neugierig) wie ich bin, habe ich mir dein Angebot angesehen. Ich war sehr verblüfft, dass Du deine kompletten Hefte anbietest, aber nicht die einzelnen Stücke daraus. Der Witz an diesen Onlinevertriebsformen ist doch, dass man die Stücke nicht mehr in einem Container vertreiben muss und der Kunde Sachen mit einkaufen muss, die ihn nicht interessieren. Warum machst Du das? Du gehörst doch zu der Generation, die durch Itunes gewohnt ist, sich Einzeltracks zu kaufen und nicht das komplette Album. Das dürfte doch für dich sogar das Normale sein?

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