Das ist ja der Hammer!

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Reparatur eines gebrochenen ZauberKlavier-Hämmerchens

Vor gut einer Woche erreichte mich der Hilferuf meiner Frau. Ein Hämmerchen in der viergestrichenen Oktave sei kaputt. Es klingt als würde ein Stift auf der Verlängerung der Tasten liegen, aber es ist nichts in den Flügel gefallen.

Beim Blick in den Flügel ist zu sehen, dass sich das Hämmerchen Nr. 84 (Gis4) seltsam verhält.

Allerdings ist es nicht soooo wichtig, denn dieser Ton wird kaum verwendet.

Challenge: Schau mal nach, in welchen Klavierstücken dieser Ton vorkommt.

Gestern kam ich endlich dazu, mein Engel war unterwegs und hat den Flügel zu Hause gelassen 😉

Also schnell mal:

  • den Deckel aufgeklappt und nach oben herausgezogen
  • die beiden Schrauben der Seitenwangen gelöst
  • Seitenwangen entfernt
  • die Leiste vor der Klaviatur nach oben herausgezogen

Und schon kann es losgehen…

Besonderheiten der Silentfunktion

Beim Rausziehen der Klaviatur ist ein wenig Sorgfalt erforderlich, da der Flügel die Silentfunktion von Yamaha besitzt. Ganz wichtig ist hierbei, die Mechanik für die Silentfunktion in die akustische Spielstellung zu bringen. Der Dämpfer – die Sperrleiste für die Hämmer – muss sich ganz oben in der 90 Grad angewinkelten Stellung befinden. Wenn die schwarze Leiste nur ein wenig nach unten hängt, streifen die Hämmer die Sperre und verklemmen sich.

Elektronik

Ein weiterer Stolperstein ist das Lösen des Kabels für die Abtastelekronik an der Hammermechanik. Da die Klaviatur mit einer recht starken Bügelfeder auf Spannung gehalten wird, muss man ziemlich viel Kraft aufwenden, um die Klaviatur nach vorn herausziehen zu können. Ist dabei das Kabel nicht gelöst, reißt man die halbe Elektronik mit raus. Zum Lösen des Steckers muss vorher die Sicherung der Steckverbindung entsichert werden. Dazu einfach die beiden Sicherungshebel nach oben bzw. nach unten drücken.

Die Klaviatur und der Übeltäter

Nun kann die Klaviatur nach vorn herausgezogen und die fraglichen Tasten samt Mechanik in Augenschein genommen werden. Und siehe da. Der Hammerstiel ist gebrochen.

Ausbau des Hammers

Als erstes die Schraube der Hammerbefestigung am Ende des Hammers vollständig lösen und die Hammerbefestigung nach oben klappen. Nun ganz vorsichtig den Hammer zuerst nach unten und dann nach oben herausziehen. Dabei auf das kupferfarbene Plättchen oben am Hammerstiel achten. Das darf nicht verbogen bzw. abgebrochen werden.

Reparatur

Schreiten wir nun zum Kleben. Als Kleber verwende ich Ponal Express. Der bindet schnell ab und der Kleber wird beim Trocknen transparent. Allerdings sieht man das im Flügel ja doch nicht 😉

Für den nötigen Anpressdruck sorgt eine 80x300mm Schraubzwinge, etwas groß – ich hatte leider keine kleinere zur Hand.

Da der Riss ja relativ neu ist, sparen wir uns die Reinigung der Klebeflächen und tragen den Kleber einfach mutig auf. Dann den Kleber nach unten in die Ritze laufen lassen und mit der Schraubzwinge fixieren und anpressen.

Den überschüssigen Kleber vor dem Trocknen mit Wattestäbchen entfernen.

Trocknungszeit

Jetzt kommt uns die Änderung der Farbe während des Trocknens zugute. Solange der Kleber noch weißlich ist, ist er noch nicht trocken. Im zweiten Bild sieht man nix mehr vom Kleber – er ist ausgehärtet und durchsichtig.

Die restlichen getrockneten Kleberrückstände mit der Beautyfeile entfernen – ja liebe Damen „Auch Männer benötigen Beautyfeilen!“ 🙂 Dann sieht der Hammerstiel sogar unter dem Kammeramikroskop wieder wie neu aus. Die Klebestelle ist nicht zu erkennnen.

Hammermontage

Beim Einbau des Hammers ist wieder sorgfältig arbeiten angesagt. Es ist peinlich genau darauf zu achten, dass der Hammerkopf parallel zum rechten und linken Hammerkopf steht. Außerdem sollten die Köpfe in einer Höhe sein.

Zusammenbau

Der Zusammenbau gestaltet sich in der umgekehrten Reihenfolge:

  • Klaviatur einschieben
  • Kabel der Elektronik anschließen
  • Leiste vor der Klaviatur einstecken
  • Wangen montieren
  • Deckel der Tastaturabdeckung von oben einschieben
  • Qualitätskontrolle des Flügels durch den Engel 🙂

So, das war es. Ich hoffe, euch hat dieser nicht so alltägliche Bericht gefallen. Bei Fragen, nur zu – ich bin zwar kein Klavierbauer – komme aber aus dem Osten. Wir hatten ja nüscht und mussten alles reparieren! 😉

euer guido

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2 Gedanken zu „Das ist ja der Hammer!

  1. Gerhard Jeske

    Sehr verehrte Sandra,
    Ich freue mich über Ihre Sachverstand, ja, ich hatte alles furchgelesen, obwohl ich es nicht brauche. In dieser gefährlichen Corona -Zeit wünsche ich, dass Sie gesund bleiben, damit Sie uns noch lange erfreuen. Ihr Gerhard Jeske aus Hamburg

    Antworten
  2. Ines Schwarz

    Ein toller Beitrag, es hat Spaß gemacht, ihn zu lesen. Hoffen wir mal, dass Engelchen jetzt das seltene Gis4 ganz oft benutzt und schön spielen kann! 🙂

    Liebe Grüße aus dem Rheinland und alles Gute für 2021!
    Ines 🙂

    Antworten

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