Luis Zett „Velvet Stars“


Google spuckt nicht wirklich viel über Luis Zett aus. Eine eigene Seite scheint er nicht zu haben. Weder unter den Suchbegriffen „Biographie“ noch „Portrait“ habe ich befriedigende Informationen finden können. Auf der Homepage der nmz (neue Musikzeitung) war ein Artikel über den Komponisten und seine Hefte zu finden. Als unkonventioneller Allgäuer und erfahrener Klavierpädagoge wird er beschrieben. Luis Zett ist Vater von mindestens 4 Kindern (der Artikel ist 1999 erschienen) und seine Stücke sind oft experimentell, phantasievoll und witzig. Laut Artikel komponiert Luis Zett Stücke für Kinder und Jugendliche.

Nach weiterer erfolgloser Suche habe ich nun die Lust verloren, mehr über den Komponisten zu erfahren. Auch eine Übersicht seiner Arbeit ist leider nicht zu finden. Auf www.musikalienhandel.com finde ich 29 Treffer. Man kann nicht sortieren. Gibt es eigentlich in Deutschland keine vernünftigen Notenshops? Warum kann ich mir nicht nur die 4-händigen Hefte oder die Klavier solo-Noten anzeigen lassen? 🙄   Für Kommentare mit Shop-Empfehlungen wäre ich sehr dankbar!

Ich habe einige Hefte von Luis Zett, aber sie sind bisher nicht viel zum Einsatz gekommen. Ein Grund mehr, mir das ein oder andere endlich mal genauer anzusehen. Die „Velvet Stars“ habe ich mir heute herausgesucht. 18,90 Euro kostet das Heft und erschienen ist es im HUG – Verlag. Eine CD ist dabei. Den Preis finde ich hoch und die CD unnötig. Viele meiner Kollegen begrüßen das Vorhandensein einer CD, ich würde gern darauf verzichten. Mittlerweile nehme ich Abstand vom Kauf von Noten, bei denen ich gezwungen bin, eine CD mitzuerwerben. Ich möchte die Wahl haben. Auch die wenigsten Schüler nutzen CDs. In der Vergangenheit habe ich meinen Schülern oft die Aufgabe gegeben, sich ein neues Stück im Vorfeld anzuhören, es mitzusingen, es kennenzulernen. Diese Aufgabe wurde seltenst erfüllt. Kinder legen sich noch nicht selbstständig CD ein, die Eltern haben oft keine Muße und Erwachsene nutzen lieber Youtube, als sich eine CD anzuhören.

Wie wäre es denn, wenn man einen Code mit dem Heft bekommt und damit die Möglichkeit hat, sich auf der Seite des Verlages die einzelnen Stücke anzuhören? CDs, die man nicht nutzt kosten Geld und machen Müll. Ich mache da nicht mehr mit. Warum sind viele der deutschsprachigen Musikverlage so altmodisch, beharren auf Fehlern weil sie „logischer“ erscheinen (siehe mein Artikel über die Oktava-Zeichen) und  bieten im Vergleich zu dem internationalen Angebot an Unterrichtsliteratur kaum gute Alternativen? Es gibt einige Hefte, die auf meiner Wunschliste stehen (die neuen Hefte von Anne Terzibaschitsch zum Beispiel), aber die werde ich nicht kaufen. Ich zahle nicht 3 oder 4 Euro für eine CD, die ich nicht brauche. So, genug gemeckert, zumal diese Gedanken nichts mit dem Heft von Luis Zett zu tun haben. 😉

Oder eigentlich nicht, denn kommen wir zu den „Velvet Stars“ von Luis Zett. 🙁 Ich mag das Heft nicht besonders bzw. kann so nicht damit arbeiten. Leider. Von den 28 Stücken finde ich keines perfekt und kann es auch begründen. Bei jedem einzelnen Stück stört mich etwas. Vielleicht habe ich zu hohe Ansprüche an Anfängerliteratur aber in diesem Bereich kenne ich mich auch ziemlich gut aus. Ich bin mir sicher, dass es natürlich a) eine Geschmacksfrage ist, welche Stücke ein Lehrer mag (und die wird er auch bevorzugt unterrichten) und b) es vom Unterrichtsstil und dem Anspruch des Lehrers abhängt, welche Noten er mag und womit er arbeiten möchte.

Es gibt Lehrer, die sehr improvisatorisch arbeiten und viel mit ihren Schülern ausprobieren. Dazu wird Luis Zett sehr wahrscheinlich gehören. Das finde ich toll und leider kommt dies bei mir ein bisschen zu kurz, da ich sehr logisch an das Klavierspielen herangehe. Ich möchte, dass meine Schüler alles lernen um in der Lage zu sein, ein Stück über kurz oder lang selbstständig erarbeiten zu können. Und da gibt es eine Menge zu lernen. Notenlesen, Rhythmuslesen, Spieltechnik und ganz wichtig: wie wird aus einer Folge von Tönen Musik? Ich unterrichte Stücke, die logisch aufgebaut und leicht zu verstehen sind. Die schön klingen und sich gut spielen lassen. Und die nicht zu viele Stolpersteine beinhalten. Ich habe in den letzten 12 Jahren festgestellt, dass wir alle ziemlich ähnlich „ticken“, dass Schüler sich bei Stücken immer an den gleichen Stellen verspielen und habe versucht zu verstehen, warum sie das tun. Und ich habe versucht, Stücke zu finden um meinen „Lernstoff“ Stück für Stück zu erarbeiten. Und jetzt wieder zum Heft und warum das damit (für mich) nicht funktioniert.

„Velvet Stars“ von Luis Zett ist eine Sammlung von „ganz leichten bis ganz leidenschaftlichen Klavierstücken“, die romantisch, poppig, klassisch oder jazzig klingen. Das erste Stück „Wellen“ verwendet Luis Zett bereits in der ersten Klavierstunde und die Stücke gegen Ende der Sammlung sind deutlich anspruchsvoller, so dass das Heft über Jahre hinweg den Klavierunterricht begleiten kann. Irgendwie gefällt mir diese Idee nicht wirklich. Ich fände es als Schüler eher uninteressant, ein Heft über Jahre hinweg mitzubringen. Als Lehrer müsste ich immer den richtigen Zeitpunkt finden, an ein Stück im richtigen Schwierigkeitsgrad zu denken, bevor es zu leicht wird und seinen Reiz verliert. Ich glaub, das ist mir zu anstrengend. 🙄

Jedenfalls, das erste Stück… „Wellen“ heißt es. Eigentlich mag ich dieses Stück sehr gern, aber über bzw. unter jedem Ton ist ein Fingersatz notiert. Spielen nach Zahlen also. Warum denn nicht mit einem Stück beginnen, welches ausschließlich aus Harmonien besteht? Dafür braucht man keine Noten. Man lernt Dreiklänge und wo welche Töne liegen. Lernt, im Legato zu spielen und auf einen gleichmäßiges Tempo zu achten. Das mache ich in der ersten Stunde. Ich hatte und habe Schüler, die die ersten Jahre bei Lehrern Unterricht hatten, die ausschließlich Spielen nach Zahlen praktizieren. Was hatten diese Schüler gelernt? Leider gar nichts. Auf die Idee „Spielen nach Zahlen“ reagiere ich wohl irgendwie allergisch.

Es folgt der 15-Sekunden-Boogie und dieses Stück lässt sich leider nicht vernünftig spielen. In der Melodie kann man zwischen dem letzten Ton im ersten und dem ersten Ton im zweiten Takt nicht binden, weil die linke Hand den gleichen Ton spielen soll, man also die Taste wieder freigeben muss. Das klingt wie ein Sprachfehler. Das Klavier hat 88 Tasten, warum um Himmels Willen konnte man keine andere finden? Ich hol doch auch nicht nach 4 Wörtern Luft, wenn der Satz 5 Wörter hat. 🙁

Noch ein paar Beispiele. „Berg und Tal“. Wenn man den empfohlenen Fingersatz befolgt, muss wieder völlig unnötig zwischen Tönen losgelassen werden, die man auch hätte binden könnte. Dreiklänge kann man doch mit 1,3,5 oder mit 1,2,4 spielen. Dann klappt es auch mit dem Legatospielen. Bin ich die Einzige, die Wert darauf legt?

Der „Swing“… Ich nehme an, das Stück soll verswingt gespielt werden, warum wurde es punktiert notiert? Das ist NICHT das Gleiche und wieder frage ich mich, warum man diese Notation immer wieder findet. Der punktierte Rhythmus hat das Verhältnis 3:1 und der verswingte 2:1.

„Am Abend“ soll mit Pedal gespielt werden. Die linke Hand spielt die Melodie und die hat, wie es sich für eine Melodie gehört, eine Menge Tonschritte. Natürlich ist es eine schöne Abwechslung, die Melodie in der linken Hand zu haben aber meine Ohren mögen die Tonschritte im Pedal nicht.

Und an der Stelle höre ich auf, ich hätte für jedes Stück Verbesserungsvorschläge. Irgendwie bin ich wohl ein Perfektionist, was das Komponieren angeht. Aber mit Herz und Seele! 🙂

EDIT: Hörbeispiele zu vier Stücken findet ihr in diesem Artikel.

Eure Sandra

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2 Gedanken zu „Luis Zett „Velvet Stars“

    1. Sandra Beitragsautor

      Liebe Andrea,

      schön, dass Sie auf meinen Blog gefunden haben.
      Lesen Sie sich bitte noch den Nachfolge-Artikel zu diesem Heft (mit Hörbeispielen) durch:
      https://www.mein-klavierunterricht-blog.de/2013/11/19/gedanken-9-hoerbeispiele-aus-heften-von-luis-zett-george-nevada/.

      Ich habe mich zu diesem Zeitpunkt wirklich über „Velvet Stars“ geärgert, weil es ein gutes Notenheft hätte werden können.

      Herzliche Grüße aus Mannheim,
      Sandra

      Antworten

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