Buchtipp #1 – Manfred Prior „MiniMax-Interventionen“

Dieses Buch ist ein Geheimtipp, aber so geheim ist dieser wohl doch nicht, denn „MiniMax-Interventionen“ von Manfred Prior ist inzwischen schon in der 10. Auflage erschienen und hatte sich innerhalb von 4 Jahren seit seinem Erscheinen 2006 bereits 100.000 Mal verkauft.

Ich habe dieses Buch vor Jahren von einem Schüler empfohlen bekommen und es hat die Kommunikation mit meinen Schülern verändert. Vielleicht sind es nur Kleinigkeiten aber die Interventionen von Manfred Prior, der promovierter Psychologe ist und als Therapeut, Berater, Supervisor, Ausbilder und Coach arbeitet, haben – wie auch meine Lebenserfahrung –  dazu geführt, dass ich viel über Kommunikation nachgedacht habe.

Natürlich haben wir uns schon im Studium mit Kommunikation beschäftigt. „Miteinander Reden“ von Friedemann Schulz von Thun stand auf dem Plan und steht immer noch in meinem Bücherregal. Es ist nicht viel hängen geblieben von diesem Buch, ab und zu habe ich hinein geschaut, aber es war eine eher theoretische als praktische Anleitung. So meine Erinnerung.

Die minimalen Interventionen mit maximaler Wirkung sind anders. Praktisch und leicht umzusetzen. Aber erst einmal: Was ist eine Intervention? So wie ich das verstanden habe ist eine Intervention ein Eingreifen bzw. eine lösungs- und zielgerichtete Handlung. Das Buch enthält 15 Regeln, wie man  konstruktiv Fragen stellt und Abwehrmechanismen bei Klienten auflöst. Die Interventionen richten sich an Menschen mit beratenden Berufen. Psychotherapeuten und Coaches. Ich als Klavierlehrerin gehöre damit nicht zur unmittelbaren Zielgruppe, aber Manfred Prior hat es sehr schön formuliert: Die MiniMax-Interventionen sind für diejenigen unter ihnen gedacht, die ihre kommunikative Arbeit in einigen entscheidenden Details wirksam verbessern wollen.“ Das möchte ich!   🙂   Zudem interessiere  ich mich sehr für Psychologie. 9,95 Euro kostet es und ist damit zweifellos sein Geld wert. Anfang 2012 ist ein weiterer Band erschienen. MiniMax für Lehrer. 16 Kommunikationsstrategien mit maximaler Wirkung. Dieser Band steht weit oben auf meiner Wunschliste.

Was sich in meiner Kommunikation geändert hat ist, dass ich mir zum Beispiel große Mühe gebe, positiv zu formulieren. Wenn sich ein Schüler verspielt, dann war das nicht „falsch“ (dieses Wort finde ich mittlerweile ganz furchtbar) sondern „nicht richtig“. Und seitdem ich die MiniMax-Interventionen gelesen habe sage ich: „noch nicht richtig“. Wenn der Rhythmus irgendwo nicht stimmt sage ich auch: „Der Rhythmus ist noch nicht (ganz) richtig.“ Oder wenn mal wieder vergessen wurde am Taktanfang zu betonen: „Ich habe den Takt (irgendwie immer) noch nicht wirklich verstanden.“ (Das darf auch je nach Schüler ein bisschen  ironisch klingen 😉 !) Dieses „noch nicht“ gibt meinen Schülern das Gefühl, dass ich daran glaube, dass sie es noch besser können und dass es nicht schlecht ist, was sie machen. Nur noch nicht gut genug.

Ich denke, dass ich mir schon einiges aus dem Buch angewöhnt habe, auch wenn mir leider wenig konkrete Beispiele einfallen. Ich weiß, dass ich „sondern“ oft benutze, um meine Schüler anzuregen, darüber nachzudenken, wie ein Stück noch musikalischer gespielt werden kann. Aber ein konkreter Satz will mir gerade nicht in den Sinn kommen.

Manfred Prior schreibt, man soll die Sprache seiner Patienten sprechen. Dazu fällt mir ein, dass ich immer mal wieder Schüler habe, die irgendwie so gar keine Lust haben und bei allen Vorschlägen aufstöhnen. Gut, dann vielleicht so: „Wir machen jetzt etwas ganz furchtbares. Wir versuchen, ein altes Stück zu wiederholen. Mal schauen, ob Du Dich noch erinnern kannst, wie das geht…“ oder „Jetzt wird es noch schlimmer! Kannst Du bitte versuchen, den Taktanfang ein bisschen deutlicher hervorzuheben?“

Über Probleme soll man in der Vergangenheitsform sprechen meint ein Kapitel. Wenn also ein Schüler meint, das kann er eh nicht, das hat noch nie geklappt ist eine schöne Reaktion: „Ja, bis jetzt hat das noch nicht so funktioniert, wie Du Dir das vorgestellt hast. Schauen wir mal, ob es heute klappt.“

Ich werde mir dieses Buch auch in Zukunft regelmäßig durchlesen und immer mal wieder etwas Neues in meiner Kommunikation ausprobieren bzw. mich daran erinnern. Und meinen Kollegen kann ich es nur empfehlen!

Eure Sandra

 


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Ein Gedanke zu „Buchtipp #1 – Manfred Prior „MiniMax-Interventionen“

  1. Julia

    Die liebe Sandra hat sich mal wieder ganz viel Mühe gemacht und mit viel Enthusiasmus spannende Themen (Bücher) ausgesucht und kommentiert. Als Klavierschülerin bei ihr kann ich sagen, dass sie diese Theorie gut in die Praxis umsetzt. Ich glaube, ich werde mir das Buch auch mal zu Gemüte führen. Vielleicht hilft es in der Kommunikation mit meinen Kindern und Studenten….Weiter so :-))

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