Das wirklich coole an Ferien…

SilouetteHiermit melde ich mich nach einer langen Blogpause zurück,  mein Studio hat mich voll beansprucht und außerdem durfte ich Sandras Hefte zur Korrektur durchspielen. Jetzt freue mich sehr darauf, bald ihre wunderbaren Stücke mit meinen Schülern zu erarbeiten!

Zurück zum Thema Ferien: Na klar, die freie Zeit ist das Coolste an den Ferien! In den Urlaub fahren, Freunde treffen, Ausflüge und Hausprojekte machen… Aber wisst ihr, was ich außerdem ganz toll finde?

Dass man sich ein Stückchen neu erfinden kann!

Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich früher mit meiner Mutter in den Sommerferien neue Kleidung gekauft habe. Diese durfte ich dann zum ersten Mal in der Schule anziehen – Ferien und „neu“ gehören für mich zusammen. Auch meine Schüler kommen mit neuen, stylischen Klamotten in den Unterricht, braun gebrannt und irgendwie viel größer. Die Mädchen haben das rosa Prinzessinnen-Outfit an den Nagel gehängt und experimentieren plötzlich mit neuen Farben. Oder sie kommen mit Mascara geschminkt.

Und wir Lehrer? Ein neues Outfit könnte sein. Doch es ist mehr das Innere, dass sich bei uns wandelt und weiter entwickelt –  wir haben neue Ideen für den Unterricht! Das scheint nicht nur mir so zu gehen, bei Sandra war es schon zu lesen und von meinen befreundeten Kolleginnen höre ich das Gleiche. „Dieses Schuljahr hab ich mir vorgenommen….“

Diesen Sommer war  „Der virtuose Lehrer“ von Paul Harris mein „Quell der Inspiration“. 😉 Der etwas seltsame Titel sollte euch nicht vom Lesen abhalten – das ist ein super Buch! Unter virtuos versteht Harris einen sehr bewussten und engagierten Lehrer, der das Selbstvertrauen seiner Schüler stärkt und ihnen zu selbständigen musikalischen Fähigkeiten verhilft.

Ich möchte euch nun die „Neuerungen“ vorstellen,  die ich gerade in meinen Unterricht integriere.

1. Starthilfe geben

Ich versuche eigentlich von Anfang an meinen Schülern die entsprechende Stimmung des Stückes nahe zu bringen. Nicht nur richtige Töne, Fingersatz und Rhythmus… Doch zu diesem Zweck habe ich festgestellt, dass ich es hier und da noch mehrmals vorspielen sollte. Der Schüler lernt sein Stück immer besser kennen und ein guter Gesamteindruck kann ihm beim Üben über Hürden helfen und motivieren. Dabei ist aber zu beachten, dass es keine Papageien-Dressur wird – es soll schließlich seine Version werden. Je besser er das Stück kann, um so weniger spiele ich also vor.

2. Erreichtes loben

Im Unterricht geht es schnell um Korrekturen. Zur Zeit achte ich bewusst darauf, in welcher Situation mein Schüler ist. Könnte er eine Motivationsspritze gebrauchen? Ist ihm bewusst, wie toll er geübt oder sein Stück gerade gespielt hat?  Oder was er trotz zahlreicher Fehler gut gemacht hat? Wenn ich ihm das sage, freuen wir uns erstmal und strahlen um die Wette! Es gibt im Bewusstsein des Schülers keine Lernstufen, keine Klasse in die man versetzt wird und keine Noten. Das ist auch gut so, jeder darf innerhalb seiner Möglichkeiten lernen. Doch der Unterricht fließt so dahin und er weiß gar nicht wo er steht. Es ist schön ihm seine bereits erworbenen Fähigkeiten zwischendurch mal bewusst zu machen.

3. Pro-aktiv Unterrichten

Harris nennt es „simultanes Lernen“- ein phantasievolles, kreatives und pro-aktives Konzept, in dem möglichst viele Fäden einer Stunde auf das aktuelle Stück hinaus laufen. Der Lehrer sollte das Stück und seine Elemente gut kennen, damit er diese einzeln erarbeiten oder erforschen lassen kann. Sind sie vom Schüler erfolgreich verstanden, wird alles ins neue Stück eingesetzt. Als Beispiel könnte die Ton- oder Fingerübung in der entsprechenden Tonart gespielt werden oder es wird mit dem charakteristischen Rhythmus eine kleine Improvisation gespielt. Solche Übungen aus einem Stück zu entwickeln war mir nicht neu, doch dieses pro-aktive Prinzip gefällt mir sehr! Auf ein Stück hin arbeiten und alle Hürden aus dem Weg räumen – wie toll ist das denn? Ich bin mir sicher, dass dieses Umdenken für einen neue Qualität des Unterrichts sorgt. Für alle Beteiligten, denn auch die Kreativität des Lehrers wird aktiviert. Ganz ehrlich – von einer eleganten Umsetzung bin ich noch meilenweit entfernt und mir scheint der Weg manchmal langsam und aufwändig zu sein. Doch ich bin davon überzeugt, dass ich damit das Bewusstsein und Verständnis einzelner Elemente bei meinen Schülern fördern und ihnen langfristig ein selbständiges Musizieren ermöglichen kann.

4. Theorieverständnis aufbauen

Zu Beginn gibt es ein Rätsel. Ohne was zu sagen spiele ich die chromatische und die Ganztonleiter vor, anschließend dürfen die Schüler selber probieren und erkennen beim Spielen mit etwas Glück das Muster dahinter. Jede Taste bzw. jede zweite Taste. Als nächsten Schritt lege ich mit diesen Kärtchen (pianimation.com) die Halb- und Ganztonschritte von Dur und Moll im Fünfton-Raum. Der Schüler sucht sich einen Ton aus und legt vorab seinen Weg auf der Tastatur mit bunten Glassteinchen. In einer anderen Oktave kann er es dann spielen. Ich finde, die Füße sind ein schönes Bild für die Tonschritte, ich werde es natürlich übersetzten und H für Halbton und G für Ganzton einfügen.  Für beide Schritte werde ich eine eigene Farbe nehmen. Oder ich verkleinere die Füße für den Halbtonschritt, das wäre auch eine Idee. Schade, dass wir diese Übersicht nicht ohne Änderungen übernehmen können… Als dritten Schritt lernen wir dann die Tonleitern kennen. Ich denke, dass ich auf diesem Weg neben dem Verständnis für die Theorie auch den Umgang mit Vorzeichen absichern kann. Übrigens merken die Schüler hier auch, wie wichtig der richtige Fingersatz ist…

Habt ihr bereits Erfahrungen in diesen Bereichen sammeln können? Oder gibt es in eurem Unterricht auch Neuerungen? Vielleicht mögt ihr uns das in den Kommentaren verraten….

Ich wünsche euch viele gute Ideen und Freude im Unterricht!

Carina

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4 Gedanken zu „Das wirklich coole an Ferien…

  1. Susanne aus Karlsruhe

    Danke für den Buchtipp, liebe Carina. Das, was du schreibst, hört sich interessant an und ich werde mir dieses Buch besorgen. Ich bin auch immer auf der Suche nach Anregungen, um meinen Klavierunterricht besser zu gestalten.

    Zu deinem 2. Punkt „Erreichtes loben“ – das halte ich für ganz wichtig. Du schreibst: „Es gibt im Bewusstsein des Schülers keine Lernstufen, keine Klasse in die man versetzt wird und keine Noten. Das ist auch gut so, jeder darf innerhalb seiner Möglichkeiten lernen. Doch der Unterricht fließt so dahin und er weiß gar nicht wo er steht.“

    Schüler brauchen eine Rückmeldung, wo sie stehen, was sie erreicht haben. Ich mache das so, dass ich jedem Schüler am Ende des Schuljahres ein Zertifikat überreiche (ein Formular dafür wird vom Tonkünstlerverband BW angeboten). Dazu schenke ich dem Schüler eine CD mit seinen Klavierstücken und ich sage ein paar Worte zu seiner Entwicklung im letzten Schuljahr: Was der Schüler gelernt hat, wo er sich verbessert hat, was die Ziele für das kommende Schuljahr sein könnten.

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  2. Julia

    Das sind schöne Ideen. Hört sich nach einem guten Buch an, ein toller Tip!
    Ich habe mir ein Buch angelegt, in dem ich zu den Stücken der Klavierschule (ich unterrichte fast alle Schüler mit der „Tastenzauberei“, sogar die Erwachsenen Anfänger mögen die Stücke!) eben solche Ideen zum Einführen und Variieren aufschreibe. Manchmal bringen mich auch die Schüler selbst auf eine Idee.
    In meinem Stundenplan der an der Wand hängt, habe ich die Schüler mit den Farben der verschiedenen Hefte der Klavierschule (gelb, orange, rot, lila) alle anderen grün, eingetragen. Ich sage das den Schülern nicht, aber manche finden es heraus und sind dann ganz stolz, wenn die Farbe irgendwann wechselt. So gesehen, gibt es doch ein sichtbares Vorankommen.
    Gestern habe ich angefangen, für jeden Schüler eine Art „Bewertungsbogen“ auszufüllen, was er gut kann, was noch nicht so gut. Außerdem versuche ich, ein Hauptziel zu formulieren, was ich mit dem Schüler erreichen möchte. Z. B. Sicherheit beim Notenlesen oder Rhythmus, ausdrucksstärkeres Spiel, oder auch neue Stücke finden, um wieder zu mehr Motivation zu verhelfen. Ich denke spätestens zu den Sommerferien hin sollten dann die Ziele „überprüft“ und evtl neu formuliert werden.

    Susanne, gibst Du das Zertifikat den Schülern, oder schickst Du es zur Schule?

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    1. Susanne aus Karlsruhe

      Die Idee mit dem Hauptziel gefällt mir sehr gut, Julia. Ich habe bisher immer versucht, alles gleichzeitig in den Unterricht zu integrieren, was aber schwierig ist.

      Die Zertifikate überreiche ich persönlich. Ich bin der Meinung, dass es meine Arbeit abwertet, wenn ich die Zertifikate durch die Schule überreichen lasse. Ich habe den Unterricht erteilt, ich verantworte, was die Kinder gelernt (oder auch nicht gelernt) haben, ich kenne die Kinder und ihre Stärken und Schwächen. Da ist es auch meine Aufgabe, das Zertifikat zu überreichen und ein paar Worte dazu zu sagen. Auch für die Schüler hat es eine ganz andere Bedeutung, wenn sie das Zertifikat von mir bekommen, als wenn sie es in ihrem Zeugnis finden.

      Ich verstehe nicht, was der Tonkünstlerverband sich dabei gedacht hat. Die Musikschulen überreichen ihre Zeugnisse doch auch persönlich und kein Sportverein würde auf die Idee kommen, die Medaillen durch die Schule überreichen zu lassen.

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      1. Julia

        Zu den Zertifikaten des DTKV: Ich glaube, der Gedanke ist, dass dem außerschulischen Musikunterricht mehr „Gewicht“ oder besser gesagt Anerkennung verliehen werden soll, (und auch der Zeit, die der Schüler investiert) wenn es die Schule überreicht. Ob das so ist, weiß ich aber auch nicht…

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