Kleiner pädagogischer Jahresrückblick und Pläne für 2017

Hallo Ihr Lieben,

ich wünsche euch ein gesundes, zufriedenes und glückliches neues Jahr! Für die vergangenen zwölf Monate möchte ich mich ganz herzlich bei euch bedanken! Dafür, dass ihr meinen Blog lest, Artikel kommentiert, Mails schreibt und mich inspiriert. Und ich danke euch für eure Geduld!

Immer wieder habe ich mir vorgenommen, regelmäßiger zu bloggen aber ich merke, dass mich die Arbeit als Klavierpädagogin, Komponistin und Verlegerin ziemlich fordert. Ich bin gespannt, wie es dieses Jahr weitergeht. Keine Sorge, der Blog ist eine Herzensangelegenheit, die ich pflegen werde.

Meine Freundin Carina Grüne hat für einen Artikel auf Ihrem Blog KlavierpaedagogikEntdecken.de gefragt, welche pädagogischen Ziele ich mir für das neue Jahr gesteckt habe. Im Gegensatz zu Carina bin ich keine große Planerin aber ich finde es wichtig, Ziele zu haben und die geballte Wunschenergie des Jahreswechsels zu nutzen, um diese Vorhaben zu manifestieren und auf den Weg zu bringen.

Persönliche Entwicklung

Vor zwei Wochen meinte eine erwachsene Schülerin, dass ich im vergangenen Jahr viel entspannter geworden wäre und sie die Arbeit mit mir als angenehmer als zuvor empfindet. Darüber habe ich mich sehr gefreut, denn ich habe im letzten Jahr viel Zeit damit verbracht, bewusster zu Leben, positiver zu denken und Vergangenes loszulassen.

Einiges davon haben meine Schüler direkt mitbekommen. Zum Beispiel habe ich mir angewöhnt, die jüngeren mit der Frage zu begrüßen, was sie in der letzten Woche Schönes erlebt hätten. Es hat mich sehr überrascht, dass die Frage oft mit „Nichts.“ beantwortet wurde. Ein paar Denkanstöße und einigen Klavierstunden später erhielt ich immer schneller positive Antworten und ich freue mich sehr über die veränderte Wahrnehmung meiner Schüler.

Im letzten Jahr ist mir noch bewusster geworden, dass mein eigenes Wohlbefinden und die Ausrichtung meiner Gedanken einen großen Einfluss auf meine pädagogische Arbeit hat. Deshalb möchte ich auch das neue Jahr nutzen, um den Druck ein bisschen rauszunehmen, ausgeglichen & glücklich zu bleiben, mich um meine Gesundheit zu kümmern und genug stille Momente zu suchen, um auf tolle Ideen zu kommen.

Wertschätzender Unterricht

© Piksel - Dreamstime.comMeine Schüler sind mir wichtig. Sie sollen in ihrem eigenen Tempo lernen dürfen und ein Mitspracherecht bezüglich der Stundengestaltung haben, wenn sie dies wünschen. Sie sollen sich bei mir wohlfühlen und ich nehme auf ihre Bedürfnisse, Befindlichkeiten und Wünsche Rücksicht. Ich möchte, dass alle Schüler mit einem guten Gefühl aus der Stunde gehen. Damit meine ich keine Kuschelpädagogik – ich spreche von Wertschätzung.

Wenn es einem Schüler nicht gut geht, frage ich was los ist und versuche ihn im Anschluss, auf andere Gedanken zu bringen. Wenn ein Schüler müde ist, finden wir einen Weg, sanft in den Unterricht zu starten. Dabei werden immer wieder die „Sight Reading Short Shorts“ von Edna Mae Burnam gewünscht. Und nach ein paar Minuten ist die Müdigkeit oft verflogen.

Ich als Lehrer habe zig Möglichkeiten, eine Klavierstunde zu gestalten. Natürlich mit dem Ziel, dass der Schüler am Ende der Stunde etwas Neues spielen kann oder weiß. Kein Schüler muss sich bei mir schlecht fühlen, wenn er keine Zeit zum Üben hatte oder die Noten noch zu Hause liegen. Ich nehme das nicht persönlich.

Was ich persönlich nehme ist, wenn ein Schüler etwas auch nach mehrmaligem Wiederholen nicht verstanden hat. Dann habe ich meinen Job als Lehrer nicht gut genug gemacht und muss neue Wege suchen. Wir lernen schließlich nicht alle gleich. Interesse beim Schüler ist natürlich vorausgesetzt.

Viele Stücke lernen (Piece Challenge)

Auch in diesem Jahr nehmen die meisten meiner jüngeren Schüler an einer persönlichen „30 Piece Challenge“ teil. Ziel ist also, innerhalb eines Schuljahres 30 Klavierstücke (oder eine andere passende Zahl) zu lernen und abzuhaken. Die Herausforderung für mich als Lehrer ist groß, denn es müssen viele Stücke gefunden werden, die pädagogisch wertvoll sind, dem Schüler Spaß machen und in relativ kurzer Zeit bewältigt werden können. Wobei wir die Kompositionen oft variieren und beispielsweise auch das Spielen eines Stückes mit einer anderen Begleitung auf dem Challenge-Blatt eingetragen wird.

Spielpraxis – motorisches Repertoire

Vor einigen Monaten sah ich den Beitrag „Sight-Reading Strategies for the Beginning and Intermediate Student“ von Dr. Pamela Pike auf der Plattform MusicEdConnect. In diesem sehr interessanten Webinar wurde das Thema Blattspielen erörtert und ein Gedanke hat mich besonders angesprochen. Nämlich, dass es nicht reicht, Noten und musikalische Bausteine lesen zu können und zu verstehen. Wenn die erkannten Motive (Pattern) nicht im motorischen Repertoire der Hand ist, können wir sie auch nicht abrufen und direkt umsetzen.

Den Begriff „Motorisches Repertoire“ nutze ich dafür – gibt es bereits eine andere, gängige Formulierung? In den letzten Wochen habe ich mir viel dazu einfallen lassen und probiere meine Ideen mit meinem Schülern aus. „Spiel mit rhythmischen, melodischen oder harmonischen Pattern“ könnte man das nennen und ich freue mich, meine Ideen beim nächsten Klavierlehrertreffen in Karlsruhe vorzustellen. Schauen wir mal, ob sich daraus ein Konzept entwickeln lässt.
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Themenstunden und besseres Arbeitsmaterial

Im neuen Jahr möchte ich einige Arbeitsblätter erstellen und meinen Schülern klavierspezifische Themen wie Dreiklänge und ihre Umkehrungen, Haupt- bzw. Kadenzdreiklänge, das Stufensystem, Begleitmöglichkeiten u.v.m. optisch ansprechend präsentieren. Zweifellos spielt der visuelle Lernkanal eine wichtige Rolle und diesen habe ich bisher leider vernachlässigt. Viele Themen werden sich so viel eingängiger unterrichten lassen. Dabei soll immer wieder ein Thema im Mittelpunkt einer Klavierstunde stehen.

Musikalischer Unterricht (Wenig Reden – viel Spielen)

Dieses Thema steht schon seit Jahren auf meinem Plan, denn ich rede (leider) gern und viel. Meine Schüler kommen natürlich nicht zum Unterricht, um mir beim reden zuzuhören – sie wollen Klavierspielen lernen. Also gilt: mehr spielen – weniger reden. Durch das Spiel mit Pattern lässt sich mein Vorhaben sehr gut umsetzen. Meine Schüler sind beschäftigt (auch wenn sie wenig Zeit zum Üben hatten) und haben nach der Klavierstunde das gute Gefühl, viel getan und gelernt zu haben.

Wichtiges mehrmals wiederholen

Ich kann mich nicht mehr erinnern, in welchem Webinar ich diesen Satz gehört habe, aber er hat einen Nerv getroffen: „Wir wiederholen Unwichtiges zu oft und Wichtiges nicht oft genug.“ Das ist leider wahr. Wie beiläufig streuen wir als Lehrer wichtige Lerninhalte im Unterricht ein, die beim Schüler nicht hängenbleiben. Natürlich nicht. Wir teilen ihm nicht mit, was besonders wichtig ist und wiederholen es zu selten.

Mittlerweile achte ich sehr darauf, wichtige Informationen als wichtig zu thematisieren und diese mehrmal in der Klavierstunde zu wiederholen und wiederholen zu lassen. Es funktioniert! (Danke an Tobias Beck mit seinem sehr inspirierenden Vortrag Wer sind die Superstars des Lebens).

Was habt ihr euch für das neue Jahr vorgenommen?

Eure Sandra

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Ein Gedanke zu „Kleiner pädagogischer Jahresrückblick und Pläne für 2017

  1. Ines

    Liebe Sandra,

    danke für Deine guten Wünsche!
    Viele Deiner Ziele für 2017 kann ich einfach auch für mich als Aufforderung unterschreiben… z.B. ‚wenig reden, viel spielen‘. 😉
    Ergänzen möchte ich noch: Dem Wiederholen ‚alter (Lieblings-) Stücke‘ ein wenig mehr Zeit einzuräumen im Hinblick auf ein gefestigtes Repertoire. Durch die Begeisterung, Neues zu entdecken, vernachlässige ich das häufig.

    Ein glückliches und frohes neues Jahr Dir und uns allen!
    Liebe Grüße aus dem nasskalten Rheinland,
    Ines 🙂

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