Musikalischer Klavier spielen – meine Tipps

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Möchtest du musikalischer Klavier spielen? Mehr Gefühle am Klavier zeigen? In diesem Blogartikel findest du all die Tipps, die ich meinen Klavierschülern gebe. Eine Komposition musikalisch zu spielen ist keine Zauberei. Schon bei der Beachtung weniger Regeln klingt ein Musikstück viel musikalischer, interessanter und hörenswerter. Und wenn dein Stück auch noch richtig gefühlvoll klingen soll, dann versuche dich in die Musik hineinzudenken und überlege dir eine Filmszene mit dir als Hauptdarsteller*in. Wie das geht, erfährst du gleich. Hast du selbst ein Bild im Kopf, hat es der Zuhörer viel leichter, von der Musik berührt zu werden. Dann schaffst du es, Gefühle und Erinnerungen zu wecken. Beginnen wir aber mit den Regeln.

Taktanfang betonen

Ein Gefühl für den Takt zubekommen ist meiner Meinung nach die Basis für ein musikalisch gespieltes Stück. Am Beginn des Übeprozesses einer Komposition achte ich auf drei Dinge: richtige Töne, richtiger Rhythmus und richtiger Takt. Sprich: der Taktanfang muss betont werden, denn ein Takt ist eine Folge von betonten und nicht betonten Pulsschlägen. Diese Betonungen müssen gut geübt werden, am besten durch Übertreiben. Den Taktanfang sehr laut und die anderen Töne im Takt sehr leise spielen. (Bei manchen Taktarten oder vielen kleinen Notenwerten spielen Unterbetonungen beim Lernen noch eine wichtige Rolle, aber das werde ich heute nicht weiter thematisieren.) Warum ist es so wichtig, den Taktanfang als Schwerpunkt (Betonung) abgespeichert zu haben? Vielleicht ein Vergleich zur Sprache: Wenn ich Wörter auf der falschen Silbe betone, nützt mir auch die klangvollste Satzmelodie (Intonation) nichts. Dann klingt es eben nicht rund. Die Taktbetonung nicht zu kennen ist wie nicht zu wissen, auf welcher Silbe ein Wort betont wird.

Phrasenenden bewusst leise spielen

Musik besteht aus „Phrasen“. Phrasen sind syntaktische Einheiten, wie Sätze in der Sprache. Zu einer guten Intonation gehört es, die Stimme am Satzende zu senken oder zu heben. Laut zu bleiben oder es zu werden (wie bei einem Befehl) oder die Spannung zum Satzende abzubauen und etwas leiser zu werden (wie bei einem Aussagesatz). In Musikstücken enden die allermeisten Phrasen wie Aussagesätze. Deshalb sollten die Phrasenenden bewusst leise gespielt werden, auch wenn sie am Taktanfang stehen und somit auf einer betonten Zählzeit kommen. Sich mit der Phrasierung zu beschäftigen kommt aber später im Übeprozess. Erst einmal ist richtig spielen wichtig und dafür übst die die Betonung an jedem Taktanfang. Es gibt selten Ausnahmen, bei denen das Phrasenende laut gespielt wird. Ein Beispiel findest du im nächsten Absatz.

Melodiegestaltung / Phrasierung

Wenn ein Musikstück die Anfangsphase des Lernens überstanden hat, dein motorisches Gedächtnis schon ganz gut funktioniert und du deinen Fokus auf die Interpretation richten kannst, ist es Zeit für Phrasierung. Phrasierung bedeutet, dass die Melodie durch Spannungsaufbau und Spannungsabbau gestaltet wird. In der Regel gibt es in einer Phrase einen Höhepunkt, vor dem die Spannung steigt, man also lauter wird (crescendo). Nach dem Höhepunkt findet eine Entspannung statt, sprich, die Lautstärke wird verringert. Ein Descrescendo also. Höhepunkte sind in der Regel am Taktanfang zu finden.

Nicht jedes Stück hat eine Melodie. Aber auch Stücke, die nur aus Harmonien bestehen (eine Wellenmusik bespielsweise) können durch crescendi und desrescendi gestaltet werden. Hier noch ein Besipiel für Melodiegestaltung durch Phasierung. Die ersten beiden Zeilen aus „Little Melancholy“ aus meinem Notenheft „Charming Moments Vol. 1„. (shop.zauberklavier.de)

Die Aufnahme ist ein wenig übertrieben, was die Dynamik betrifft, aber ich wollte, dass die crescendi und decrescendi deutlich zu hören sind.

Eine Phrase kann übrigens auch direkt mit einer Betonung/einem Höhepunkt beginnen, wenn es keine andere Möglichkeit für einen Phrasenhöhepunkt gibt. Das finden wir ab und zu in zweitaktigen Phrasen, die auf dem ersten Pulsschlag des ersten Taktes beginnen und auf dem ersten Pulsschlag des zweiten Taktes enden.

Passendes Tempo & passende Dynamik

Soll ein Stück musikalisch klingen, ist es wichtig, das passende Tempo und die passende Grundlautstärke für die Komposition zu wählen. Oft sind Tempo, Dynamik oder andere Spielhinweise notiert, aber es lohnt sich, diese zu hinterfragen. Ich persönlich mag es nicht, etwas zu tun, weil ich es soll. Wenn ich den Sinn hinter einer Anweisung verstehe, habe ich viel mehr Freude daran, diese umzusetzen.

Unterschiedliche Teile eines Stückes können unterschiedliche Grundlautstärken haben. Längere Kompositionen bieten oft Abwechslung was die Stimmungen betrifft. Ein schnelles Endtempo kann natürlich erst gespielt werden, wenn man es spielen kann. Wenn das Können bzw. der Übestand dies zulässt. Deshalb heißt es ja „Endtempo“.

Körpersprache

Körpersprache beim Musizieren ist für mich persönlich ein nicht so wichtiges Thema, da ich mich beim Klavierspielen recht wenig bewege. Ich bin einfach nicht der Typ, der seinen Schmerz oder seine Freude offensiv am Klavier zeigt. Das war mir immer schon ein wenig peinlich. Und deshalb nötige ich meine Schüler auch nicht zu zuviel Bewegung. Mit einer Ausnahme. Die Bewegung des Oberkörpers bei Spannungsaufbau und Spannungsabbau. Es ist wichtig dass sich dein Oberkörper nicht konträr zur Musik bewegt und das bedarf ein wenig Übung. Nicht alle bekommen dies in die Wiege gelegt.

Der Oberkörper bewegt sich nach vorn, wenn Spannung aufgebaut wird (also wenn du ein crescendo spielst) und nach hinten, wenn Spannung abgebaut wird. Also bei einem descrescendo. Auch am Ende des Stückes sollte die Haltung passen. Nach vorn gebeugt und ein wenig versunken oder offen und aufrecht. Achte doch mal darauf, mit welcher Stimmung dein Stück endet.

Der Anfang eines Musikstückes

Ich persönlich mag es sehr, wenn ich als Zuhörer den Anfang eines Stückes ganz bewusst miterleben darf. Sprich, wenn es nicht aus dem Nichts losgeht, sondern irgendwie angekündigt wird. Wie, als wenn jemand etwas wichtiges zu sagen hat. Das kann durch atmen geschehen. Als Musiker durch die Nase und gern ein wenig übertrieben. Und perfekt, wenn das Einatmen vor dem Beginn des Stückes genau so lang dauert wie ein Pulsschlag. So weiß ich als Zuhörer schon, was auf mich zukommt. Zumindest was das Tempo betrifft. Ich finde das sehr musikalisch.

Der Schluss eines Musikstückes

Der Schluss einer Komposition ist logischerweise das letzte, was ich als Zuhörer höre und oft auch sehe. Es ist also der letzte Eindruck. Wird das Stück mit Pedal gespielt, achte darauf, dass die Hände und das Pedal gleichzeitg nach oben gehen.

Wenn es sich beim letzten Ton um einen langen Ton mit Fermate handelt, zähle ihn bitte korrekt aus und warte im Anschluss noch eine kleine Weile. Hat der Schlusston keine Fermate, zähle ihn korrekt aus. Lange Töne werden fast immer zu kurz gehalten und das ist so schade. Denn viele Musikstücke wirken wie eine kleinen Meditation auf den Zuhörer und der braucht Zeit, um „aufzuwachen“.

Achte darauf, in welcher Geschwindigkeit deine Hände die Tastatur verlassen. Handelt es sich um ein energetisches und kraftvolles Stück, kann das Loslassen ebenso energisch erfolgen. Bei eher ruhigen Stücken ist es sehr viel passender, die Hände langsam und vorsichtig vom Klavier zu nehmen. Für den Fuss und das Pedal gilt dies natürlich auch.

adobe stock © JenkoAtaman

Überlege dir eine Filmszene

Richtig gefühlvoll werden Musikstücke, wenn du dir eine Szenerie überlegst, in welcher dein Stück als Hintergrundmusik passen würde. Wichtig ist, dass du dich selbst in dieser Kurzgeschichte siehst. Beantworte folgende Fragen:

  • Welche Jahreszeit passt zu diesem Stück?
  • Wie ist das Wetter?
  • Bist Du drinnen oder draußen?
  • Was tust Du?
  • Was fühlst Du?
  • Was ist passiert? Warum fühlst Du, was Du fühlst?

Wichtig ist, dass du ein oder mehrere Gefühle benennen kannst, die du in der kleinen Geschichte fühlst. Und wie es zu diesen Gefühlen gekommen ist. Und bevor du nun dein Stück spielst, schließe kurz die Augen und stelle dir die Szenerie und dich darin vor.

Hast du eine weitere Idee, wie Musikstücke musikalischer werden? Ich freue mich, wenn du deine Gedanken in den Kommentaren teilst.

Eure Sandra

P.S. Als nächster Artikel erscheint das Klavierlehrer-Interview mit meiner inspirierenden Hamburger Kollegin Katja Fink. Ich freue mich darauf.


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5 Gedanken zu „Musikalischer Klavier spielen – meine Tipps

  1. Jenny

    Liebe Sandra,
    das ist ein wunderbarer, sehr informativer und vor allem sehr inspirierender Artikel mit vielen hervorragenden Tipps zum musikalischen Spielen! Ich habe sehr viel für mich persönlich daraus gelernt!
    Vielen herzlichen Dank dafür!
    Herzliche Grüße von Jenny

    Antworten
  2. Ian Wekwerth

    Hallo liebe Sandra. Vielen Dank für die tollen tipps. Ich hätte eine Ergänzung, die ich aus einem Lehrvideo von Herbie Hancock habe. Es klingt einfach, die Wirkung ist aber toll: spiele aufwärts mit cresc und abwärts mit decresc. Dies natürlich nur als grobe Richtlinie, wenn man aber damit anfängt, ist man sofort inspiriert.
    Liebe Grüße, Ian

    Antworten
  3. Wilhelm

    Liebe Frau Labsch,
    da lässt mich so ein Algorithmus in Ihre Seite stolpern, und ich habe fast den Eindruck mehr gelernt zu haben als während des gesamten Studiums (Cello, bei einem nicht nur musikalischen Monster … . Hätte ich da mal Worte wie „Gefühl“, „Jahreszeit“, „drinnen-draußen“ auch nur erwähnt, ich hätte wohl ein halbes Jahr nur Tonleitern üben dürfen.).
    Ihre Tips sind so wertvoll, nicht nur für Klavierspieler.
    Viele Grüße!

    Antworten

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