Edna Mae Burnam „Sight Reading Short Shorts“

Burnam Sight ReadingHallo ihr Lieben,

vor über zwei Jahren habe ich mir Sight Reading Short Shorts 1-3 von Edna Mae Burnam bestellt und vor ungefähr drei Monaten begonnen, diese Hefte in meinem Unterricht zu verwenden. Mit vollem Erfolg, denn meine Schüler lieben die kurzen vom-Blatt-Spiel-Übungsstücke. Heute möchte ich euch Sight Reading Short Shorts vorstellen, denn die Hefte sind wirklich fabelhaft!

Lustlose oder müde Klavierschüler haben die kleinen Kompositionen mit Freuden gespielt. Bessere Laune und das Verfliegen der Müdigkeit waren ein angehmer Nebeneffekt. Besonders gut kam es an, wenn ich meinen Schülern einen Würfelbecher in die Hand gedrückt habe und sie sich ihre Stücke erwürfeln durften. Ein neuer Transferschüler, der bisher Stücke nur nach Fingersätzen über den Noten gelernt hatte war nach ein paar Wochen mit den Sight Reading Short Shorts davon überzeugt, dass er in Zukunft kein Spielen nach Zahlen mehr benötigt.

Jeder der drei Bände enthält zwölf Gruppen. Eine Gruppe ist auf einer Doppelseite untergebracht und umfasst sechs einzeilige kleine Stücke mit einer Länge von bis zu neun Takten. Die sechs kleinen Stücke einer Gruppe sind als Hausaufgabe für eine Woche mit sechs Übetagen vorgesehen.

Band 1: Die ersten drei Gruppen befinden sich in C-Dur in der mittleren C-Lage. Die vierte Gruppe ist in F-Dur, die fünfte in G-Dur und auch hier liegen beide Hände in der mittleren C-Lage. Ab Gruppe sechs wird der Tonraum auf die kleine und die eingestrichene Oktave erweitert. Ab Gruppe sieben tauchen Vorzeichen innerhalb der Takte auf und in Gruppe acht und neun gibt es eine Menge Vorzeichen zu beachten. In Gruppe elf und zwölf sind viele C-Dur Dreiklänge zu finden.

Band 2: Die ersten drei Gruppen befinden sich in parallelen Fünftonräumen in C-, F- und G-Dur. Auch hier wird fleißig das Erkennen von Dreiklängen geübt. Ab Gruppe vier sind die Tonarten und auch die Lagen gemischt. In Gruppe fünf taucht zum ersten Mal das große und das dreigestrichene C auf. In den weiteren Gruppen werden unter anderem die Töne über dem großen und unter dem dreigestrichenen C geübt, die Hilfslinientöne in diesen Bereichen werden also thematisiert. In Gruppe sieben taucht zum ersten Mal eine Übung in C-Moll auf. Gruppe zehn des zweiten Bandes enthält sechs kleine Stücke in A-Moll.

Band 3: Alle Stücke in diesem Band sind zweiteilig und unter Verwendung von zwei Klammern notiert. Gruppe zwei enthält Stücke in D-Dur und Gruppe drei in A-Dur. B-Dur folgt in Gruppe vier. Ab Gruppe  werden alle Lagen und Tonarten bunt gemischt. Der Tonraum wird noch einmal erweitert. Das viergestrichene C ist als höchster und das Kontra-A als tiefster Ton ausnotiert zu finden.

Rhythmisch betrachtet finden wir im ersten Band ganze, halbe, Viertel- und Achtelnoten. In Gruppe sieben des zweiten Bandes tauchen zum ersten Mal Triolen auf. Ein punktierter Rhythmus ist erst- und einmalig in Gruppe sechs des dritten Bandes zu finden. Sehr gut gefällt mir, dass das sechste Stück einer Gruppe immer ohne Taktart notiert ist und man diese herausfinden soll. Ebenfalls direkt von Anfang an werden Stücke mit Taktwechsel thematisiert. Durch eine Betonung am Taktanfang spürt man auch diese Taktwechsel sehr gut.

Besonders hübsch finde ich die fantasievollen Titel der kleinen Übungen, mit denen man auch noch wunderbar Englisch lernen kann.

Welche Punkte bespreche ich mit meinen Schülern beim vom Blatt Spielen bzw. was kann man alles üben?

  • Tonart: Welche Vorzeichen hat das Stück? Wie heißen die alterierten Töne? Wie heißt die parallele Moll- bzw Durtonart?
  • Tonumfang: Wie heißt der tiefste und wie der höchste Ton in jeder Hand? Welche Lage macht Sinn?
  • Taktart: Was bedeuten die beiden Zahlen der Taktart?
  • Rhythmus sprechen oder zählen.
  • Melodieverlauf beschreiben und verstehen.
  • Betonung am Taktanfang und Möglichkeiten der Melodiegestaltung (Spannungsauf- oder -abbau durch crescendo & decrescendo).
  • Überlegen, die der Titel musikalisch umgesetzt werden kann (Tempo, Lautstärke).
  • Erinnerung an die Loslass-Regeln bei Tonwiederholungen.
  • Intervalle erkennen

Fazit: Die Sight Reading Short Shorts Hefte von Edna Mae Burnam sind eine wunderbare Gelegenheit, das Thema vom Blatt Spielen von Anfang an auf eine sehr charmante Weise in den Klavierunterricht und natürlich auch zu Hause zu integrieren. Diese 1976 und 1977 erstmals erschienenen Noten der amerikanischen Autorin, die durch ihre Klavierschule „Step by Step“ und ihre „A Dozen a Day“-Hefte sicher den meisten Klavierlehrern ein Begriff ist, kann ich aus vollstem Herzen empfehlen. Der deutsche Preis pro Heft liegt bei circa 6,50 Euro. Zu bekommen sind die Sight Reading Short Shorts zum Beispiel bei musikalienhandel.de oder alle-noten.de.

Eure Sandra

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6 Gedanken zu „Edna Mae Burnam „Sight Reading Short Shorts“

  1. Ute Jarolin

    Liebe Sandra,

    Dein Blog verführt mich stets neue Noten zu kaufen. Aber das ist auch gut. Als Lehrer habe ich gerne neues Material.
    Es gibt inzwischen auch gute Apps zum Noten üben. Bin gerade dabei einige auszuprobieren.
    Eine ganz andere Frage, die mich seit Jahren beschäftigt: wie motiviere ich Schüler in schwierigen Phasen (Pubertät), wenn sie wenig bis gar nicht üben, die Fingernägel der Mädchen immer länger werden, selbst die schönsten Popstücke nicht helfen.
    Vielleicht haben ja andere Kollegen auch Ideen dazu.

    Liebe Grüße von einer Lehrerin, die deine Kompositionen und Ideen schon länger begeistert verfolgt, kurz ein „Fan“.
    Liebe Grüße
    Ute

    Antworten
    1. Susanne aus Karlsruhe

      Liebe Ute,

      das Problem mit Schülern in schwierigen Phasen kennt wohl jeder Klavierlehrer. Wenn ein Schüler jedes Stück, welches ich vorschlage, ablehnt, dann übertrage ich die Verantwortung auf den Schüler. Ich sage dann: „Okay, wenn dir kein Stück gefällt, dann bekommst du eben keine Hausaufgabe auf. Such doch mal selbst, ob du ein Stück findest, welches dir gefällt. Frag deine Freunde, durchsuche deine Noten, schau mal im Internet.“ Oft kommen die Schüler dann in der nächsten Stunde mit einem Stücke, welches sie spielen möchten.

      Wenn das nichts hilft, und die Schüler trotzdem nicht üben, dann spiele ich in der Klavierstunde mit ihnen vom Blatt, gebe Anregung zum Improvisieren, mache Musiktheorie. Oft kommt nach einer Phase der Unlust die Freude am Klavierspielen wieder. Wenn diese Unlust-Phase aber länger anhält, dann könnte ein Lehrerwechsel sinnvoll sein. Das bringt neue Impulse für den Schüler.

      In der Pubertät ändern sich manchmal auch die Interessen. Andere Dinge werden wichtiger als der Klavierunterricht. Vielleicht hat der Schüler ja auch nur mit dem Klavierspielen angefangen, weil es die Eltern wollten, oder weil eine Freundin Klavierunterricht hat? Er selbst hat aber kein echtes Interesse daran? Dann hat es wenig Sinn, den Unterricht fortzusetzen.

      Liebe Grüße
      Susanne

      Antworten
      1. Heike Zapfe

        Liebe Ute, liebe Susanne,

        Die Idee mit dem „Verantwortung selber übernehmen für die Auswahl / Suche neuer Stücke“, wenn keine noch so schönen, motivierenden Stücke mehr greifen, die man anbietet ( besonders in der Pubertät ), praktiziere ich auch.

        Ich bin darauf gekommen, weil ein Schüler nur noch Stücke spielen wollte, die ganz genau & zu 100% sein emotionales Erleben ansprechen, er hatte sich u.a. auf Ludovico Einaudi „eingeschossen“ und reagierte quasi auf nichts anderes mehr… wollte aber dann nach dem x-ten Stück von ihm doch auch mal was anderes spielen, aber alles, wirklich alles wurde abgelehnt mit Kommentaren wie „ja, nicht schlecht, aber noch nicht ganz das Richtige“ – es war zum Verrücktwerden!

        Also habe ich irgendwann im Zustand echter Verzweiflung zu ihm gesagt: „Ich kann nicht zu hundert Prozent wissen, was Dich in diesem Moment ganz genau vom Gefühl her anspricht. Das wüsstest Du ja von mir auch nicht, oder? Ich habe mich jetzt wirklich bemüht, bin mit meinen Versuchen und Ideen jetzt aber am Ende. Also machen wir es anders: Du weißt doch am besten, was Dir gefällt. Also suchst Du Dir jetzt einfach mal übers Internet oder auf anderem Weg (z.B. Freunde, die auch Klavier spielen) ein Stück oder mehrere, die Dir gefallen. Und wir gucken dann zusammen, wie wir an die Noten kommen, falls es nicht runtergeladen werden kann.“ (Bei aktuellen Popstücken, soweit englischsprachig: Einzelausgaben über „sheetmusic.com “ zu korrektem Einzelpreis /paypal)

        Das war der rettende Einfall, denn dadurch musste er sich aus seiner konsumierend-fordernden Haltung rausbewegen und sich selber auf die Suche machen… und auch erst mal feststellen, dass das gar nicht so einfach ist, das „ganz genau passende Stück“ zu finden!

        Doch durch diese Übernahme einer Eigenverantwortung kam das Verhältnis wieder ins Gleichgewicht, weil „seine“ Stücke dann gespielt wurden und dadurch auch wieder eine Offenheit für von mir angebotene Stücke entstand.

        Grundsätzlich finde ich auch das zeitweilige Ausweichen auf vierhändige Stücke (zum Beispiel von Jürgen Moser: „Just for fun“, (mehrere Bände an Popstücken) oder Christopher Norten: „Micro Jazz“, (auch mehrbändig) eine Möglichkeit, gewisse Phasen von Spielunlust, besonders in der Pubertät, zu überbrücken und ganz grundsätzlich glaube ich, dass es keine Patentlösung gibt für diese Phase, weil sie
        einfach schwierig ist und man nicht alles durch immer bessere Ideen, immer neue Methoden abfangen kann.

        Wichtig finde ich eine klare Haltung von Eltern zu der Situation, damit klar ist, ob sie eine Phase von Unlust, weniger Üben, weniger „hörbarer“ Ergebnisse tolerieren zugunsten eines „Nicht-Wegwerfens“ bisher gelebter Freude am Klavierspielen. Wahrscheinlich gilt hier einfach auch: „Durchhalten“ – denn es wird wieder besser!

        Und in einem Fall half nach zwei Jahren des „Durchhaltens“ von Eltern- und meiner Seite aus nur noch: die Auflösung des Unterrichtsverhältnisses… es war für den Schüler mit 14 Jahren derartig „uncool“ als Klavierspieler gesehen zu werden im Freundeskreis, dass nichts mehr half. Alles war wichtiger, besser, interessanter als das sieben Jahre mit großer Freude und echter Fähigkeit zum Musikmachen praktizierte Klavierspielen…

        Da muss es vielleicht auch einfach eine Zeit wegfallen und fehlen, damit es gegebenenfalls wieder etwas wert ist… und eventuell wieder ins Leben mit aufgenommen wird.

        Wir können nicht alles lösen, was auf dem Weg zum Erwachsenwerden als Problem auftaucht…

        in diesem Sinne, liebe Grüsse
        Heike Zapfe

        Antworten
  2. Ute Jarolin

    Liebe Susanne!

    Vielen Dank für deine Antwort!
    Vor allem hilft mir der Hinweis, dass manche Schüler vielleicht gar nicht innerlich motiviert sind. Darüber werde ich nochmal nachdenken.
    Ansonsten brauchen wir bei Übekrisen viel Geduld. Die wünsche ich mir, dir und allen Lehrern und Lehrerinnen.

    Liebe Grüße aus dem immer noch sonnigen Berlin
    Ute

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  3. Ulrike Reichel-Greber

    Liebe Sandra,

    ich lande in regelmäßigen Abständen auf deinem Blog und freue mich immer wieder über die schönen Artikel, die interessanten Empfehlungen und die gute Laune die von der ganzen Seite ausgeht. Deshalb lasse ich heute mal ein großes Kompliment da.

    Herzliche Grüße,
    Ulrike

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