Kreativ am Klavier #3 – Boogie/Blues komponieren

© shimyra - Fotolia.comAnders als geplant, möchte ich diese Reihe mit einem Artikel fortsetzen, in dem es um das Komponieren eines Boogies bzw. eines Blues geht, da ich gerade wieder mit meinen Schülern die Gelegenheit dazu hatte.

Ich bin der Meinung, dass zum Komponieren ein gutes Formverständnis bzw. Formgefühl gehört. Und dass ein Grundwissen in Formenlehre seitens des Lehrers die Voraussetzung sein dürfte, um mit Schülern überhaupt komponieren zu können. Denn wenn ein Schüler eine Melodie geschrieben hat, muss diese in der Regel erst einmal in „Form“ gebracht werden. Einen Artikel über den Aufbau von kurzen Klavierstücken nach klassischen Regeln wird es in Kürze geben. Heute geht es zuerst um das Bluesschema.

Bluesschema nennt man den 12-taktigen Aufbau eines Blues oder Boogies. Die Harmonien auf der 1., 4. und 5. Stufe benötigt man dafür. Bei einem Boogie in C-Dur finden wir also C, F und G.

<—— So sieht das Bluesschema ganz allgemein aus.

Ob ein so konstruiertes Stück nun ein Blues oder ein Boogie ist, entscheidet letztlich das Tempo. Ein Blues ist langsam und ein Boogie schnell zu spielen.

Sicher kann man auch einfach so einen Blues oder einen Boogie komponieren, aber ich gehe gern den Umweg über das Lernen eines Boogies & das Variieren der Begleitung. Boogies sind gleichermaßen beliebt bei Kindern und Erwachsenen. Einen Boogie zu komponieren dürfte Kindern ebenso viel Spaß machen wie den Großen. Blues ist meiner Meinung nach eher etwas für Ältere, es sei denn, das Stück hat einen witzigen Text wie der „Katzenblues“ aus der Klavierschule 123 Klavier (Band 2).

Ein Stück, welches fast alle meine Schüler lernen ist der „Boogie“ aus 70 Tastenabenteuer mit dem kleinen Ungeheuer (Band 2). Und so klingt das Stück:

Tastenabenteuer-Boogie     

Die Begleitung besteht aus sich abwechselnden Quinten und Sexten:

Als nächstes versuchen wir diese Begleitung (mit zusätzlicher kleiner Septime):

Ein wenig nach Western klingt diese Version:


Mit meiner Schülerin Hannah habe ich in der letzten Klavierstunde einen Boogie komponiert. Das ist eine dankbare Aufgabe, wenn ein Schüler einmal wenig oder keine Zeit zum Üben hatte.

Hannah ist mittlerweile seit über 10 Jahren bei mir und engagiert sich – neben der Schule – in vielen Bereichen, so dass kaum noch Zeit zum Klavierüben bleibt. Macht nichts! Am Klavier gibt es auch so viel zu entdecken.

Rhythmisch hat sich Hannah am Tastenabenteuer-Boogie orientiert und die Begleitung ist eine Kombination aus Quinten, Sexten und kleinen Septimen. Dieser Boogie ist dabei entstanden:

Hannahs Boogie     

In den ersten vier Takten kann für die Melodie der komplette Fünftonraum genutzt werden. Aber auch mit weniger Tönen funktioniert es. Der Boogie aus den Tastenabenteuern braucht nur c, d und e in den ersten Takten. Ganz „klassisch“ haben wir in der ersten Zeile zwei kurze und eine lange Phrase.

Im Takt 4 und 5 wird oft das gleiche Motiv bzw. Phrase wie in Takt 1 und 2 verwendet. Nur mit es statt e, da es die Septime in F-Dur ist.

In Takt 9 und 10 findet man auch oft die gleiche Idee, nur sequenziert. In G-Dur passen die Töne d, f und g in F-Dur c, es und f.

Ich habe auch noch einen kleinen Boogie geschrieben. Und zwar mit der Hälfte der Taktanzahl aus dem Original-Bluesschema:

Kleiner Triolen-Boogie     

Noten zum Ausdrucken:
Hannahs BoogieKleiner Triolen-Boogie

Viel Freude beim Komponieren und ein schönes Wochenende,

Eure Sandra

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