Von fremden Ländern und Menschen – Hefte von Eckbert Schwarzenberger, P. Steinbach und W. Löll & Emilie Lin

Bei Facebook habe ich in der letzten Zeit einige sehr interessante Bekanntschaften machen dürfen und bin auf Musiker & Hefte gestoßen, denen im reellen Leben nicht begegnet wäre. Eines dieser Hefte sind die „Tastenreisen durch Europa“ von Eckbert Schwarzenberger, die im Verlag 433 erschienen und zum Preis von 11 Euro erhältlich sind. Der Verlag war mir bis vor Kurzem nicht bekannt. 1992 wurde er gegründet und veröffentlicht seitdem zeitgenössische Musik. Zwei Künstler sind für das „ausgefallen schöne Äussere“ (siehe Homepage des Verlages) der Hefte zuständig. Interessant ist dieser Verlag auch aus dem Grund, dass es im Download-Bereich einiges zu entdecken gibt. Ich hatte noch keine Zeit zum Stöbern, aber hier sind die Klavier-Kompositionen zu finden, die man kostenlos herunterladen kann.

Ich kann mit zeitgenössischer Musik oft nicht viel anfangen und das Cover des Heftes (auch wenn es Kunst ist) hätte mich nicht zum Kauf animiert. Deshalb bin ich umso glücklicher, dass Eckbert Schwarzenberger mir seine zwei Hefte mit Klavierstücken Tastenreisen durch Europa“ & „Unterwegs in Europa – ein musikalisches Rätsel für Klavier“ – einfach zugeschickt hat. Die Tastenreisen durch Europa sind eine schöne Entdeckung für mich!

Zwölf Volkslieder aus Russland, Finnland, England, Spanien, Ungarn, Mähren, Böhmen und Deutschland sind in dem Heft zu finden. Zwei davon in Variationen. Die Stücke klingen ein wenig modern, sind aber immer noch melodisch genug, um mir zu gefallen. 😉 Zudem sind sie logisch komponiert, klar strukturiert, der Notensatz ist gut und bei den Fingersätzen ist immer noch der Finger direkt vor dem Lagenwechsel notiert. Wenn das Pedal verwendet werden soll, ist das ebenfalls angegeben. Das ist wirklich gute Arbeit!

In den letzten Wochen habe ich das Heft immer wieder aufgeschlagen. Diese Kombination aus modern und traditionell finde ich sehr reizvoll.  Ich denke, dass dieses Heft sehr gut in den leistungsorientierten Klavierunterricht passt. Für ein Schülerkonzert, in dem jeder Schüler eine dieser schön gesetzten europäischen Melodien vorstellt, kann ich mir die Stücke auch sehr gut vorstellen. Mir hätten die Stücke als Kind sicher Spaß gemacht. Mit begabten Kindern wird man die meisten der Kompositionen nach 2 bis 3 Jahren Unterricht lernen können.

Fast alle Stücke werden ohne Pedal gespielt und leben von einer abwechslungsreichen und genauen Artikulation und deutlichen Betonungen. Alle gängigen Taktarten sind in den Stücken zu finden (auch Taktwechsel innerhalb des Stückes) und die verschiedenen Tonarten sind bewusst & nicht zu schwer gewählt, was mir sehr gefällt.

Aufgefallen ist mir, dass die Stücke nicht nach Schwierigkeit geordnet sind. Man muss sich zuerst einen Überblick verschaffen, womit man anfangen möchte. Das Mährische Volkslied hätte ich lieber vor die Ungarische Suite gesehen, so bräuchte man nicht bei den drei zweiseitigen Sätzen der Suite blättern. Und auf Seite 24 gibt es einen Fingersatzdreher im Takt 11 der linken Hand. 3 – 1 und nicht 1 -3 müsste es heißen.

Mit einem gefälligeren Titelbild würde das Heft bestimmt mehr Käufer finden, doch das entspräche nicht dem Konzept des Verlages. Der Inhalt des Heftes sagt mir sehr zu. Für mich ist es wieder eine kleine Annäherung an zeitgenössische Musik. Und diese ist gelungen! 🙂

„Gifts of Asia“ ist eine Sammlung von 13 beliebten Volksliedmelodien aus China, Japan, Korea und Taiwan, die von Emilie Lin ausgewählt und für Klavier arrangiert wurden. Bevor die Komponistin ihrem Herzen gefolgt ist und Musik studierte, hat sie ein Studium in kognitiver Psychologie abgeschlossen. Kognitive Psychologie beschäftigt sich hauptsächlich mit den Vorgängen, die mit Wahrnehmung, Erkenntnis und Wissen zu tun haben. Ob Frau Lin mit ihren psychologischen Kenntnissen anders unterrichtet?

Emilie Lin hat eine Handvoll Hefte mit Arrangements herausgebracht. Neben Gifts of Asia handelt es sich dabei um Bearbeitungen von Werken klassischer Komponisten. Einige Hefte mit Originalkompositionen sind ebenfalls bei The FJH Music Company, Inc. erschienen. A Musical Collage interessiert mich und ich habe mir die beiden Hefte, die je ca. 5 Euro kosten, bereits bei sheetmusicplus.com vorgemerkt.

Gifts of Asia bietet 13 Stücke auf 35 Seiten. Zwei der Stücke sind für zwei Spieler arrangiert. Fast alle Stücke sind zwei Seiten lang aber teilweise so leicht, dass man einige von ihnen bereits nach wenigen Wochen Klavierunterricht lernen kann. Was mir sehr gefällt ist, dass die Stücke dabei nicht anspruchslos sind. Erwachsene und Kinder dürften sich gleichermaßen von den Arrangements angesprochen fühlen. Fingersätze sind zu finden, die Pedalisierung ist genau eingetragen und das Notenbild ist sehr übersichtlich. Das ist genau richtig für Anfänger!

Ich habe seit Kurzem eine Schülerin mit chinesischen Wurzeln und ich habe vor, das ein oder andere Stück mit ihr zu lernen. Für Klavierlernenden mit asiatischer Herkunft ist dieses Heft eine wunderbare Option, ihre musikalische Kultur zu leben. Ich finde die Volksliedmelodien interessant, aber nicht interessant genug, um sie mit meinen anderen Schülern zu lernen. Ich habe das Gefühl, dass den Stücken ein gewisser Spannungsbogen fehlt und irgendwie fühlte ich mich musikalisch unbefriedigt.

In den deutschen Shops habe ich die Noten leider nicht entdeckt, aber es ist ja kein Problem mehr, direkt in den USA zu bestellen. Hier ist der Link zum Shop. 6,50 Dollar kostet es, was momentan ca. 5 Euro entspricht.

Irische Musik mag ich sehr gern, aber ich bin bisher noch nicht darauf gekommen, mich nach schönen Klavierstücken umzusehen. Vor circa einem Monat kam dann „The Irish Piano Book“ in dem Paket aus den USA. Es ist von Schott verlegt und kostet 13,99 Euro. Patrick Steinbach & Wolfgang Löll stehen auf dem Titel. Die beiden Musiker sind seit vielen Jahren befreundet und sie verbindet die Liebe zur irischen Musik und das Talent, gut spielbare Bearbeitungen zu erstellen und zu vermitteln. Diese und weitere Informationen sind in einer Kurzvorstellung der beiden Musiker hinten im Heft zu finden.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass keiner der beiden hauptberuflich als Klavierlehrer arbeitet. 🙂 Abgesehen davon, dass ich definitiv Hefte mit Fingersätzen vorziehe (und ja, Hände sind verschieden, aber es ist definitiv leichter, Fingersätze abzuändern, als sie komplett selbst zu machen. So viele Möglichkeiten gibt es einfach nicht…), aber ein viergestrichenes C habe ich noch nie notiert gesehen. Ein Ton über der fünften Hilfslinie ist schon nicht so einfach zu lesen. Jungs, es gibt Oktavierungszeichen! 😉

Es ist schade, dass ich noch keinen Vergleich zu anderen Heften mit irischen Melodien, die für Klavier bearbeitet sind, habe. Eines für Easy Piano (leichte Arrangements) habe ich mir gerade in den USA bestellt. Die 20 Stücke aus dem The Irish Piano Book gefallen mir nicht wirklich. Ich habe nun schon mehrfach die Stücke an- oder durchgespielt und bin nach ein paar Minuten irgendwie genervt. Mich stört es, dass die linke Hand nach ein paar Takten (wenn überhaupt) immer wieder die Begleitung bzw. die Begleitmuster ändert. Das wirkt so konstruiert, ich werde damit einfach nicht warm. Auch fehlt mir der Fluss in der Begleitung. Immer wieder ist sie durch längere Töne oder Synkopen unterbrochen. Es wechselt einfach zu oft – rhythmisch und „melodisch“. Wobei ich eben da nicht weiß, ob das typisch für irische Musik ist.

Immer wieder sind Parallelen in den Händen, die vermeidbar gewesen wären. Oft fehlt der Grundton in der linken Hand. Wenn eine Stelle in e-Moll ist, klingt es für mich nicht rund, wenn beide Hände mit dem G anfangen.

Alle zweiseitigen Stücke sind ohne Blättern spielbar. Ein paar Fotos (in schwarz-weiß) lockern das Heft auf und sorgen für die gute Aufteilung der Stücke. Am Ende des Heftes gibt es auf je 3 Seiten Informationen zu den Stücken (deutsch und englisch) und auf weiteren drei Seiten stehen Songtexte von sieben Titeln. Die Infos sind interessant, das gefällt mir sehr gut. Ich bin gespannt, ob sich meine Meinung zu den Stücken noch ändern wird, wenn ich einen Vergleich habe. 🙂

Eure Sandra

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