Spiel mit fünf Tönen – Hefte von Mike Schoenmehl, Fritz Emonts & G. Frank Humbert

Fun with Jazz Piano von Mike Schoenmehl sollte eigentlich das erste besprochene Heft in dem nächsten Jazziges und mein erster Eindruck-Artikel werden. Als ich aber sah, dass es sich um Stücke im Fünftonraum handelt, habe ich meinen Plan geändert. Die Idee, Hefte vorzustellen, die Stücke im Fünftonraum beinhalten spukt mir nämlich auch schon länger im Kopf herum. Aber abgesehen von zwei Heften von G. Frank Humbert war dafür noch kein „Material“ vorhanden. Das hat sich aber mit dem letzten Paket aus den Staaten erledigt, in dem sich auch dieses Heft befand. Drei Teile gibt es von Fun with Jazz Piano. Das erste Heft (1996 erschienen) bietet 18 Stücke auf 43 Seiten zum Preis von 14,99 Euro und trägt den Zusatz „Für Einsteiger im Fünftonraum“. Im Vorwort schreibt Mike Schoenmehl, dass die Serie Fun with Jazz Piano für Einsteiger, gleich welchen Alters sei. „Der Schüler soll an den Stücken Neues lernen, neben den Eigenarten von Jazz und der populären Musik sind natürlich auch klavieristische, spieltechnische Anforderungen zu bewältigen.“

Ich mag den pädagogischen Aspekt des Heftes sehr. Es gibt allgemeine Übetipps am Ende des Bandes und zu jedem Stück Vorübungen, in denen die Eigenheiten des Stückes beschrieben werden, die Lagen der Hände gezeigt werden und Vorschläge zum Lernen & Üben zu finden sind. Mike Schoenmehl hat sich Gedanken gemacht, was und wie gelernt werden soll und das ist mir sehr sympathisch! Zumal sich da einige Klavierlehrer noch etwas abschauen können und da schließe ich mich natürlich ein. Mit der Zeit droht man als Lehrer immer unkreativer und festgefahrener in seiner Methodik (also in der Art, den Lehrstoff zu vermitteln) zu werden.

Alle Stücke passen auf eine Seite und sind laut Vorwort „auch für das Zusammenspiel mit anderen Instrumentalisten konzipiert und somit Band-tauglich“. Was das bedeutet würde ich gern wissen. Ich sehe ganz „normale“ Klavierstücke ohne Eintragung von Harmonien oder dergleichen. Sähen die Stücke anders aus wenn sie nicht Band-tauglich wären?

Ich persönlich würde die Stücke eher mit Kindern als mit Erwachsenen lernen. Einige Stücke (wie: Der Schlangenbeschwörer oder Vampire im Schloß_) klingen für harmoniegewohnte Ohren wirklich schräg. Kinder sind da noch experimentierfreudiger.

Die Stücke gefallen mir aber wirklich gut. Sie sind abwechslungsreich, kurz und logisch aufgebaut. Mehr spieltechnische Aspekte hätte ich mir gewünscht. In Peppino, der Clown spielt die linke Hand ein zweistimmiges Muster. Ich wäre noch darauf eingegangen, wo man welche Stimme loslassen muss. Oder wie ist es mit dem Binden der Zweiklänge in der rechten Hand bei Mitternachts-Twist? Der obere Ton bleibt immer gleich und der untere ändert sich. Soll man die unteren Töne binden? Zumindest ein „man könnte“… wäre interessant.

Mike Schoenmehl schreibt im Vorwort, dass er auf überflüssige Bögen verzichtet hat. Haltebögen sind natürlich nicht damit gemeint, aber Legato- und Phrasierungsbögen. Viele Komponisten benutzen diese meiner Meinung nach sowieso eher aus dem Bauch heraus als aus einer erklärbaren Logik (was ich sehr wünschenswert fände). In Nasi Goreng benutzt der Komponist aber Bögen in der linken Hand. Ich weiß nicht, was sie bedeuten sollen und leider geht Mike Schoenmehl auch nicht in seinen Vorübungen darauf ein.  Teile sind in den Stücken durch Doppelstriche markiert und Phrasen durch Atemzeichen. Die Atemzeichen kann man im Heft aber an fünf Fingern abzählen, da fehlt mir der rote Faden. Vielleicht hat Mike Schoenmehl gedacht, dass Pausen für sich selbst sprechen, aber ich finde es für Schüler leichter, wenn eine Idee wirklich durchgezogen wird. Und die Idee, auf Bögen eher zu verzichten finde ich prinzipiell sehr gut. Ich sehe es genauso, grundsätzlich wird legato gespielt, warum sollte man das eintragen? Die Metronomangaben sind „Vorschläge“, diese Formulierung gefällt mir auch wirklich gut! Die anderen beiden Bände der Fun with Jazz Piano-Serie landen sofort auf meinem Wunschzettel. Der erste Band ist auf jeden Fall ein sehr gelungenes Konzept! 🙂

Spiel mit fünf Tönen von Fritz Emonts trudelte ebenso vor ein paar Tagen bei mir ein. Im Sale bei sheetmusicplus.com habe ich das Heft ein bisschen günstiger bekommen, ich weiß nicht, ob ich es mir für den vollen Preis (11,95 Euro) gekauft hätte. Mein Wunschzettel wird immer länger und andere Noten möchte ich dringender haben. 🙂

Vor Kurzem habe ich die mir Erstes Klavierspiel genauer angesehen. Das ist die Klavierschule von Fritz Emonts, die er Ende der 50er Jahre geschrieben hat. Hier ist der Artikel. Dort gibt es auch schon eine Menge Stücke im Fünftonraum und von denen war ich nicht wirklich begeistert. Später gehe ich noch einmal darauf ein, warum. 1992 ist eine modernere Schule, die Europäische Klavierschule von Fritz Emonts erschienen und das Heft Spiel mit fünf Tönen ist ein begleitendes Spielheft dazu. Auf 28 Seiten finden wir 51 Stücke. Die Europäische Klavierschule kenne ich (noch) nicht, aber vielleicht bekomme ich irgendwann die Gelegenheit, mir diese genauer anzuschauen.

Das Cover von Spiel mit fünf Tönen ist wirklich goldig. Sehr ansprechend! Ich hatte Sorge, dass es sich um ein altes Heft handelt, welches neu aufgelegt worden ist und ich hatte gehofft, dass die Stücke irgendwie anders sind. Also anders als die in Erstes Klavierspiel. Viele europäische Volksliedmelodien sind verwendet und es gibt mehr Stücke, die nach dem Prinzip Melodie & Begleitung funktionieren als in der alten Klavierschule. Die Polyphonie empfand ich als unheimlich anstrengend. Mag sein, dass man dadurch eine gewisse Fingerfertigkeit erlangen kann, aber wirklich schön klingen diese Stücke meiner Meinung nach nicht.

Ein großes Problem ist, dass die Stücke auch bei Spiel mit fünf Tönen wieder eine gefühlte Ewigkeit in der Spiegel-C-Lage bleiben (so nenne ich die Lage, in der sich beide Daumen das eingestrichene C teilen). Das führt dazu, dass man einerseits einen bestimmten Ton mit einem bestimmten Finger verbindet (was wirklich zum Problem wird, wenn sich die Lage später ändert) und man so das absolute Notenlesen anstatt das relative fördert. Die ersten 17 Stücke sind in dieser Lage und die linke Hand bleibt sogar bis zur Nummer 22 dort.

Die Stücke mit den Nummern 18 – 22 sind in der F-Lage (F-Dur). Wie ich auch schon in der Klavierschule bemängelt habe, ist das „b“ nicht hinter dem Notenschlüssel, sondern vor dem jeweiligen Ton notiert. Wenn die Tonart korrekt mit Vorzeichen am Zeilenanfang dargestellt wird, werden die Finger in die richtige Lage gelegt. Und dabei gehört kein Finger auf das H, sondern direkt auf das B. So kann man das als Lehrer jedenfalls begründen. Steht das Vorzeichen aber direkt vor der Note, neigt der Schüler (zu Recht) dazu, in dem Moment von der weißen auf die schwarze Taste zu wechseln. Und behält das in der Regel so bei. Das „b“ und das Kreuz wurden in den Stücken 9 und 16 eingeführt. Da in diesen keine Tonart erkennbar ist, finde ich es in Ordnung, dass das Vorzeichen vor dem jeweiligen Ton steht. Sobald aber eine bestimmte Tonart deutlich ist (wenn beide Hände im gleichen Fünftonraum sind ist das meiner Meinung nach der Fall), mag ich das nicht.

Kein Stück in dem Heft hat Vorzeichen am Zeilenanfang, obwohl wir C-Dur, F-Dur, G-Dur, c-Moll, D-Dur, d-Moll, g-Moll, A-Dur & e-Moll finden. Was soll dabei der Sinn sein? Wenn das Heft eine Ergänzung zur Klavierschule ist, erwarte ich Stücke, die korrekt dargestellt sind. Meine Schüler können und sollen denken. Ich will ihnen nicht erklären müssen, dass das so eigentlich falsch ist. Schade, dass man Herrn Emonts nicht mehr fragen kann, was er sich dabei gedacht hat – er ist 2003 verstorben.

Für wen ist das Heft gedacht? Für wen ist die Europäische Klavierschule gedacht? Bei Schott finde ich nichts dazu. Einem Erwachsenen kann ich das Heft „Spiel mit fünf Tönen“ nicht anbieten. Abgesehen von dem Tonart-Problem ist es nicht angenehm, wenn man mit ausgewachsenen Händen in Lagen spielen, bei denen sich der Daumen beider Hände einen Ton teilt. Und für Kinder ist das Heft zu schlicht. Hinter dem hübschen Titel verbergen sich illustrationsfreie Seiten, bei denen mehrere Stücke auf einer Seite zusammengepackt sind. Das ist nicht kinderfreundlich. Zumindest muss man nicht mitten im Stück blättern. 😉

Die Stücke sind zum Teil ganz hübsch. Die Tonarten sind abwechslungsreich (wären sie vorhanden), die Taktarten ebenso. Es wird mit Haltenoten und Synkopen gearbeitet. Ein Stück (und eine Stelle) mit punktiertem Rhythmus ist vorhanden und staccato und legato wird verwendet. Es sind mehr Stücke mit Begleitung (und weniger Polyphonie) zu finden, was das Ganze auch recht abwechslungsreich gestaltet. Auch besteht Fritz Emonts nicht mehr darauf, dass man am Phrasenende absetzen soll.

Was mir nicht gefällt sind die anfänglichen Stücke, bei denen sich die Hände abwechseln. Ich finde das klavieruntypisch und unnötig. Bei mir hat es noch jeder in der ersten Stunde geschafft, mit Quinten oder Einzeltönen zu begleiten. Noch ein kleines Problem dabei ist, dass Schüler nicht darauf kommen, einzeln zu üben, was dann gern fortgesetzt wird und natürlich nicht funktioniert.

Im Vorwort habe ich gerade entdeckt, dass der methodische Aufbau der Klavierschule von Fritz Emonts folgt, Spiel mit fünf Tönen aber auch ohne Klavierschule verwendet werden kann. Ich für meinen Teil weiß nun, dass ich mir die Europäische Klavierschule nicht anzuschauen brauche. Die Methode passt einfach nicht zu mir und meiner Art, zu unterrichten.

Zauberstunden von Georges Frank Humbert ist eines von zwei Fünf-Finger-Heften, welche von diesem Komponisten erhältlich sind. Seine Stücke werden bei Schott verlegt und 12,99 Euro zahlt man für 10 Seiten, auf denen sich 14 Stücke befinden. Ein stolzer Preis für die 1934 erschienenen Noten. Das zweite Heft mit Fünf-Finger-Stücken (eigentlich eine irreführende Bezeichnung, man spielt doch immer mit fünf Fingern?) steht auch in meinem Notenregal und wird im zweiten Spiel-mit-fünf-Tönen-Artikel vorgestellt. Erstaunlich, wie wenige Hefte es zu diesem Thema zu kaufen gibt. In den USA ist diese Methode ungebräuchlich, dort habe ich keine passenden Noten gefunden, aber auf zwei Hefte von Pauline Hall (Oxford University Press) warte ich noch.

G. Frank Humbert hat von 1892 bis 1958 gelebt, mehr biographische Daten kann ich leider nicht finden. 2028 erlischt somit der urheberrechtliche Schutz und seine Stücke werden gemeinfrei. Das ist gut, denn ich wäre sehr dafür, zwei Kleinigkeiten zu ändern. 🙂

Nur im ersten Stück (C-Dur) wechseln sich die beiden Hände ab, dann wird sofort zusammen gespielt. Im zweiten Stück (a-Moll) wird die Melodie (rechts) von einer Quinte begleitet. Im dritten Stück (C-Dur) spielen beide Hände fast immer gleichzeitig – super für die Koordination und im 4. Stück (a-Moll) wechseln sich die beiden Hände ab, aber während die eine Hand spielt, hält die andere einen Ton, so dass es immer zweistimmig klingt. Die vier wichtigsten Taktarten (4/4 – 3/4 – 2/4 -6/8) sind für diese vier Stücke gewählt und genauso verhält es sich mit den Stücken 4-8 und 9-12. In Nummer 13 finden wir das vermeintliche C (Ich sehe das allerdings als einen verschnörkelten Kreis, was meiner Meinung nach mehr Sinn macht. Ein Kreis besteht schließlich aus vier Vierteln.) und bei dem letzten Stück handelt es sich um einen Walzer – natürlich im dreiviertel-Takt.

Man kann eine Menge an dieses kleinen Stücken lernen. Die Tonarten sind korrekt mit Vorzeichen dargestellt. Neben C-Dur und a-Moll finden wir G-Dur & e-Moll in den Stücken 5-8, F-Dur und d-Moll in den Stücken 9-12, D-Dur im Stück 13 und B-Dur in Stück 14. Interessant (und ein bisschen seltsam) ist, dass sich Frank Humbert dazu entschieden hat, die Vorzeichen trotzdem noch einmal innerhalb der Takte vor die Töne zu schreiben. Vorsichtshalber! 😉 Auch das würde ich (ebenso wie die überflüssigen Fingersätze) entfernen. Bei den Fingersätzen handelt es sich aber zum Glück nicht um Spielen nach Zahlen. Immer mal wieder sind Fingersätze notiert, vielleicht um zu vermeiden, dass der Schüler aus Versehen seinen 5-Ton-Raum verlässt. Es scheint so, als wäre das Heft konzipiert, ohne Lehrer erarbeitet zu werden.

Die Stücke haben eher kindliche Titel, aber wenn man sich als Erwachsener darauf einlässt, gibt es einiges zu entdecken. Die Stücke sind nicht ganz einfach. Jedenfalls wird der Schüler sie nicht einfach so vom Blatt spielen können. Und man kommt nicht darum herum, die Hände einzeln zu üben. Die Nummer 11 (Im Wald) enthält eine Menge Zweiklänge, bei denen sich nur ein Ton ändert. Da könnte man versuchen, die sich verändernden Töne zu binden, was eine nette Herausforderung ist. Staccato wird nicht explizit gewünscht, aber die Nummer 5 (Regen) und die Begleitung vom Walzer (Nr. 14) würde ich so interpretieren.

Mir gefallen die Stücke wirklich gut, auch mit den kleinen „Schönheitsfehlern“. Das Heft ist methodisch sehr gut aufgebaut und für mich deutlich logischer als Spiel mit fünf Tönen von Fritz Emonts. In meinem Unterricht werden diese Stücke Verwendung finden! Schade, dass man über den Komponisten nichts mehr weiß. In seinem Unterricht hätte ich gern einmal zugesehen. 🙂

Eure Sandra

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