Nicolai Podgornov’s Piano Album

Heute soll es endlich um das „Piano Album“ von Nicolai Podgornov gehen. Bei Universal Edition ist es verlegt und hier geht es zu einer kleinen Biographie von Herrn Podgornov. Beneidenswert, so vielfältige musikalische Erfahrungen vorweisen zu können. Und schade, dass kein Foto zu finden ist. Es kommt mir so vor, als wäre es vielen Komponisten & Pädagogen äußerst unangenehm, sich im Internet zu präsentieren. Ich aber fände es sehr schön, einem Namen auch ein Gesicht zuordnen zu können.

Sieben Hefte für den Klavierunterricht hat Nicolai Podgornov bereits komponiert & zusammengestellt. Auf der Homepage des Universal Edition – Verlages findet man diese und zudem ist die Seite des Verlages sehr informativ und übersichtlich. Gefällt mir! Vor wenigen Sekunden habe ich dort den Untertitel des „Piano Album“ entdeckt (welcher uns im Heft selbst vorenthalten bleibt) und der sagt eine Menge über die Noten aus: „The Russian Way of teaching“. Die russische Art, zu unterrichten. Ich meine, das dies auch mit dem Begriff „Russische Schule“ gemeint ist. Das Titelbild ist äußerst treffend gewählt.

Nicolai Podgornov’s Piano Album ist eines von vier Heften, welche ich in meinem Notenschrank stehen habe. Auch wenn ich schon vorwegnehmen möchte, dass ich das Piano Album nicht wirklich in meinem Unterricht verwenden kann (ich werde ausführlich begründen, warum), werden die anderen Hefte wohl auch den Weg in meine Notensammlung finden. Zum einen, weil ich sehr neugierig auf die Hefte und die Stücke bin, zum anderen weil ich mich sehr gern von guten pädagogischen Noten inspirieren lasse. Und gut sind die Stücke von Podgornov zweifellos. Nur den zweiten Teil des „Romantic Piano Albums“ werde ich wohl verschmähen. Der erste enthält drei Bearbeitungen von Kompositionen anderer Komponisten (unter anderem Yann Tiersen’s „La Valse d‘ Amélie„). Immerhin dreizehn Stücke sind Eigenkompositionen von Nicolai Podgornov aber dieses Konzept spricht mich überhaupt nicht an. Entweder kaufe ich ein Heft mit Stücken eines Komponisten oder ich kaufe ein Heft mit Bearbeitungen – keinen Mix. Vielleicht hoffte man, dass sich die Noten besser verkaufen, wenn ein Stück aus dem Film „Die fabelhafte Welt der Amélie“ enthalten ist. Nicht wenige beginnen mit dem Unterricht, um diese Stücke spielen zu können. Die Sammlungen mit den Klavierbearbeitungen von  Anne Terzibaschitsch sind mir dann doch sympathischer. „Die schönsten Meisterwerke“, die „Wunschmelodien“ und die „Klassik & Pop“- Hefte sind jeweils in zwei Bänden verlegt und in ihnen findet man sehr schöne und gut spielbare Bearbeitungen für jeden Geschmack.

2007 ist das „Piano Album“ von Nicolai Podgornov erschienen und dürfte das erste seiner Notenbände sein. 14,95 Euro kostet es und den Preis finde ich angemessen. 31 leichte bis mittelschwere Stücke sind in dem Album zu finden und es  ist nicht nur für Kinder gedacht, sondern auch für Erwachsene, „die mit dem Klavierspiel beginnen oder bereits vorhandene Kenntnisse wieder auffrischen möchten“. Wie schon in anderen Besprechungen erwähnt, bin ich kein Freund von Heften, die Material für einen Zeitraum von mehreren Jahren bieten. Ich bevorzuge Noten, welche die Schüler von vorn bis hinten in einem durch erlernen können. Wenn sie Lust und Zeit dazu haben, versteht sich. 😉 Hat ein Schüler mehrere solcher Hefte, verpasst man als Lehrer leicht den richtigen Zeitpunkt für ein Stück oder das Heft landet im Regal und wird vielleicht vergessen. Aus dem Piano-Album finde ich nur ganz wenige Stücke passend für Erwachsene. Aus zwei Gründen. Die meisten Erwachsenen haben mir gesagt, dass sie nicht gern Stücke mit staccato spielen, sondern melodische Stücke bevorzugen, die meist mit Harmonien begleitet werden und mit Pedal gespielt werden können. Und Erwachsene fühlen sich von Titeln wie „Das lustige Eselchen“, „Der Grashüpfer“, „Das junge Kätzchen“ oder „Die kleine Dampflokomotive“ nicht wirklich angesprochen. Fast alle Titel haben einen kindlichen Charakter und im Heft gibt es nur drei Stücke, die mit Pedal gespielt werden können. Besonders das „Echo“ und „Die Reise des Luftballons“ dürften aber vielen Erwachsenen gefallen. Bevor ich meine Gedanken zu den einzelnen Stücken aufschreibe noch ein paar allgemeine Gedanken zum Heft.

Das „Piano Album“ von Nicolai Podgornov enthält Stücke in der Tradition des russischen Unterrichts. Ich weiß nicht, welchen Einfluss das Internetzeitalter auf die russischen Kinder und Jugendlichen hat, aber ich gehe davon aus, dass immer noch deutlich mehr geübt wird und der Unterricht eine umfangreiche und strenge Ausbildung bietet. Deutsche Kinder haben mittlerweile so viel in der Schule und mit den Hausaufgaben zu tun, dass Klavierspielen allenfalls ein Hobby ist. Die Eltern begleiten den Lernprozess so gut sie können, aber oft ist ihr Nachwuchs beim Üben auf sich allein gestellt. Und vielleicht kommt ein deutsches Kind in der Woche auf die Übezeit, die ein russisches, chinesisches oder koreanisches Kind an einem Tag am Klavier zubringt. Wenn überhaupt. Ausnahmen bestätigen natürlich immer die Regel aber ich unterrichte fast ausschließlich Anfänger und meine, mir eine Meinung bilden zu können. Erwachsene Anfänger haben oft auch nicht viel Zeit und bestimmt keine Lust, zig Wiederholungen an einem Takt zuzubringen, eben bis er perfekt ist.

Die Stücke von Podgornov klingen sehr hübsch, wenn sie sehr gut gespielt werden und das können durchschnittlich begabte und durchschnittlich fleißige Klavierspieler schwer leisten. Beim „Tanz der kleinen Küken“ versagen sogar mir die Finger, aber ich hatte auch keine Ausbildung für besonders begabte Kinder. 😉 Ich weiß allerdings auch nicht, ob ein hochbegabtes Kind, welches eine entsprechende Ausbildung genossen hat, später durchschnittlich begabte Kinder unterrichten kann. Was ich ehrlich zugeben muss, dass ich bei ein paar Stücken nicht genau verstehe, wie sie technisch (die Artikulation betreffend) gespielt werden sollen. Fakt ist, dass in Russland mehr als legato und staccato zur Ausbildung gehören. Und zwar wahrscheinlich ziemlich von Anfang an. Im Piano-Album sind in fast jedem Stück verschiedene Anschlagsarten zu finden. Es soll legato, staccato, non staccato und sehr legato. Was ist non staccato? Dazu spukt sogar Google nichts aus. Non legato ist ein Mittelding zwischen staccato und legato – ist non staccato gleichbedeutend? Aber wahrscheinlich gibt es mit dem Handgelenk noch eine deutliche Abstoßbewegung, nur dass die Töne breiter als bei normalem staccato sind? Und was ist „sehr legato“? Legatissimo oder Fingerlegato? In diesem Artikel über Bögen habe ich mir bereits über die ein oder andere Frage Gedanken gemacht. Speziell der Absatz über Legatobögen könnten interessant sein. Ich bin mir auch nicht sicher, ob es in Russland üblich ist, dass zwischen 2 Bögen abgesetzt wird und ob non legato gespielt werden soll, wenn kein Bogen über Noten zu finden ist. Der „Walzer für Lena“ lässt diesen Gedanken aufkommen.

Die meisten Stücke haben eine gute Länge und ich mag es, dass Taktzahlen am Zeilenanfang zu finden sind. 22 von 31 Stücken sind komplett im G-Schlüssel notiert. Wie lernen denn russische Kinder sicher den F-Schlüssel lesen, wenn sie sich so wenig damit befassen? Auch das Legato kommt für meinen Geschmack viel zu kurz. Fast jedes Stück hat mehrere Anschlagsarten. Staccato wird überdurchschnittlich viel benutzt, legato nur sporadisch. In manchen Stücken steht nichts dabei, aber vom Notentext würde ich eher auf non legato tippen. Das ist das, was mich am Meisten ärgert. Ich muss auf etwas „tippen“. Ich bin mir bei einigen Stücken tatsächlich nicht sicher, wie sie gespielt werden sollen. Zu der russischstämmigen Mutter einer Schülerin meinte ich: „Ich weiß nicht, was sich Podgornov bei dem einen oder anderen Stück gedacht hat.“ Sie: „Vielleicht hat er sich gar nichts dabei gedacht.“ Auch eine Möglichkeit. 😆 Wahrscheinlich denke ich einfach zuviel und sollte es einfach ausprobieren.

Im Folgenden ein paar Notizen zu jedem Stück:

„Der Grashüpfer“ ist ein hübsches, sehr leichtes Stück, in dem keine Artikulation vermerkt ist. Wahrscheinlich soll man es non legato spielen (was meiner These entsprechen würde, dass man nur legato spielt wenn es explizit angegeben ist) ansonsten klingt es nämlich eher nach dicker Raupe als nach einem Grashüpfer. Die Viertelnoten würde ich im staccato spielen. Das käme dem Charakter noch mehr entgegen.

„Die ersten Schneeglöckchen“ hat eine schöne Melodie, die von der linken Hand mit Zweiklängen und gebrochenen Harmonien begleitet wird. Schade dass sich dieses Stück nicht eignet, um es mit Pedal zu spielen.

EDIT: Für die Aufnahmen der Hörbeispiele zu diesem Heft habe ich das Stück mit Pedal gespielt. Es eignet sich doch dazu – möglicherweise ist ein Anfänger aber damit überfordert. (17.5.2014)

„Der Schmetterling“ ist eines der Stücke, bei dem ich nicht verstehe, wie es gespielt werden soll. Warum gibt es Bögen zwischen Viertelnoten und Viertelnoten, die im Staccato gespielt werden aber nicht zwischen den halben Noten und den Staccato-Vierteln? Für die linke Hand ist keine Artikulation angegeben. Sie kann eigentlich nur im Staccato gespielt werden, alles andere wäre viel zu kompliziert, aber so ist es nicht notiert. Ein großes Fragezeichen meinerseits. Oh, dafür gibt es einen Smiley! Also: 💡

„Der Trommler“ ist interessant, da die linke und die rechte Hand gleichzeitig in einem Notensystem notiert wurden sind. Die Töne mit dem Notenhals nach unten (nicht nach „oben“ – Danke für die Korrektur, Herr Podgornov!)  werden links gespielt und die mit dem Notenhals nach oben von der rechten Hand. Ich nehme an, es soll komplett non legato gespielt werden, gebunden würde der marschähnliche Charakter nicht so deutlich zu hören sein.

„Matrjoschka“ ist ein hübsches, leichtes Stück im 2/4 Takt, an dem Sechzehntelnoten, staccato und Akzente geübt werden können. Ich finde die meisten Fingersätze in der rechten  Hand unnötig, da die Melodie im Fünftonraum notiert ist.

„Das Mäuschen“ ist ein einstimmiges Stück, in dem sich die linke und die rechte Hand abwechseln. Es könnte interessant sein, um Pausen zu lernen bzw. zu wiederholen, aber ich persönlich finde die Einstimmigkeit hier nicht sehr reizvoll.

„Regentröpfchen“ ist erneut ein Stück, in dem mir zu viele Fingersätze notiert sind. Die linke Hand ist komplett im Fünftonraum komponiert und aus diesem Grund genügt meiner Meinung nach ein einziger Fingersatz am Anfang des Stückes. Die rechte Hand spielt 3 Zeilen lang komplett in der C-Lage (Fünftonraum auf dem C“), wandert eine Zeile in die D-Lage und wieder zurück in die C-Lage. Dafür hätten ganz wenige Fingersätze ausgereicht. So hat das Stück eher „Spielen nach Zahlen“-Charakter.

„Das lustige Eselchen“ ist wieder ein Staccato-Stück (bis jetzt kommen nur „Die ersten Schneeglöcken“ ohne staccato aus). Hier finde ich die Fingersätze berechtigt, da die rechte Hand im Oktavraum gespielt wird. Links wird mit Zweiklängen begleitet.

„Um die Wette“ übt wie „Das Mäuschen“ einen gleichmäßigen Anschlag an Läufen – hier nur noch im Viertonraum anstelle des Fünftonraums drei Seiten zuvor. Wieder mit ein wenig staccato.

Das „Wiegenlied“ stellt eine schöne Abwechslung dar. Endlich wieder eine gebundene Melodie – diesmal mit einer Dreiklangsbegleitung, die recht abwechslungsreich ist. Das Stück besteht aus zwei Mal vier Zeilen, wobei in der ersten Hälfte die rechte Hand die Melodie spielt und in der zweiten Hälfte die linke Hand übernimmt.

„Das Springseil“ ist ein Stück, welches ein sechsjähriges Mädchen komponiert hat, die wahrscheinlich eine Schülerin von Nicolai Podgornov ist. So schön ich es auch finde, wenn Kinder komponieren – in diesem Heft hat das Stück meiner Meinung nach nichts zu suchen.

„Das Fröschlein“ ist für die rechte Hand allein und besteht aus Zweiklängen (meist Terzen), die im staccato gespielt werden. Im ersten Takt würd ich das cis bei der letzten Terz mit dem 1. Finger, nicht mit dem 2., wie angegeben, spielen.

„Das Tigerjunge“ ist für die linke Hand allein und ist eines der Stücke, die mir klanglich am Besten gefallen. Im Takt 7 finde ich allerdings den 3. Finger für das kleine a logischer und im Takt 11 würde ich den 4. Finger (nicht den 5.) für das kleine e nehmen.

„Die kleine Dampflokomotive“ ist wie das „Wiegenlied“ aus zwei Teilen bestehend, wobei im ersten die rechte Hand die Melodie übernimmt und im zweiten die linke. Begleitet wird mit einzelnen Staccato-Tönen. Auch in diesem Stück gibt es viele unnötige Fingersätze. Und ein Fingersatz ist bequemer zu lesen als der Melodieverlauf. Das wäre nicht das Mittel meiner Wahl, um Notenlesen zu fördern. 😉

„Das junge Kätzchen“ hat es definitiv in sich. Zu den Staccato-Achteln in der rechten Hand werden links normale Achtel gespielt, die natürlich länger gehalten werden sollen. Vorschläge in der rechten Hand kommen hinzu und auch noch mit den beiden schwächsten Fingern (dem 4. & dem 5.). Bei den Oktavazeichen vermisse ich das va für Höher oktavieren und vb für tiefer oktavieren. Das wäre korrekt und eindeutig.

„Die Uhr“ und „Die spiegelverkehrte Uhr“ haben Spieluhrcharakter. Das ganze Stück ist im staccato (bis auf ein paar längere Phrasenenden). Wenn ich nichts übersehen habe, sind beide Stücke identisch, nur dass bei der spiegelverkehrten Version die Parts von der rechten und der linken Hand vertauscht sind, sprich, beide Hände über Kreuz spielen. Die Idee finde ich witzig und das Stück klingt hübsch.

„Das Puppenhaus“ ist mal wieder – tata… im Staccato! Auch dieses Stück hat den Charme einer Spieluhrmelodie und ist bestimmt eine schöne Übung für alle, die noch nicht genug im Staccato gespielt haben. Im Takt 12 (und Takt 44) würde ich rechts mit 4 – 3 – 2 / 1 spielen. Das dürfte besser liegen. Und im Takt 32 würde ich rechts mit dem 4. Finger anfangen, gefolgt von 3 und 2. Im Takt 34 soll die linke Hand die verminderte Quinte H-F mit 1/3 spielen. Ich bezweifle stark, dass Kinder das greifen können. Der 1. und der 4. Finger dürften besser klappen.

Der „Soldatenmarsch“ ist geprägt von Tonwiederholungen, die fleißig mit Fingerwechseln gespielt werden sollen. Dafür bin ich – ehrlich gesagt – zu faul und verlange das auch von meinen Schülern nicht. Auch einige Vorschläge werden gespielt. Diesmal mit einem bequemen Fingersatz. Im Takt 10 und im Takt 18 spielt die linke Hand das Gleiche, aber die Fingersätze sind verschieden. Im Takt 10 würde ich auch mit 3/5 anfangen. Das scheint mir logischer. Habe ich erwähnt, dass auch in diesem Stück eine Menge staccato zu finden ist?

In „4 – 3 – 2 – 1“ geht es um Tonwiederholungen, die mit dem im Titel verwendeten Fingersatz gespielt werden sollen. In diesem Fall finde ich den Fingerwechsel gut und das Stück eignet sich sehr schön als Etüde. Die Dreiklänge, mit denen erst die linke Hand und später die rechte Hand (auch hier wechselt die Melodie im zweiten Teil) begleitet würde ich im staccato spielen. Damit umgeht man auch das Tonwiederholungsproblem im Takt 7, bei dem das eingestrichene F erst mit der linken und unmittelbar danach mit der rechten Hand angeschlagen werden soll.

„Der Ball“ ist ein hübsches Stück, in dem die linke und die rechte Hand sich erst einmal zwei Zeilen lang abwechseln. In Zeile 3 und 4 hat die rechte Hand eine Melodie und wird hauptsächlich mit Zweiklängen begleitet. Es wird bis auf 2 kleine Stellen im Staccato gespielt und das Stück ist eine schöne Möglichkeit, Sechzehntel-, Achtel- und Viertelnoten zu festigen.

In den „Variationen über ein Kinderlied“ wird „Hänschen klein“ in nachfolgenden fünf Variationen verarbeitet. Schon das Thema hat genaue Artikulationsangaben und die Variationen sind sehr klassisch geprägte, technisch anspruchsvolle Ideen auf insgesamt drei Seiten. Sicher nur etwas für begabte und sehr fleißige Schüler.

„Das Schaukelpferd“ ist wiederum ein sehr hübsches Stück, welches hauptsächlich im Staccato gespielt wird. Ab Takt 9 finden wir eine im Legato-Melodie, die über mehrere Takte im Fünftonraum gespielt wird. Auch hier finden wir das Prinzip Spielen-nach-Zahlen. Warum? Meine Schüler wissen, dass sie einen Tonschritt (Sekunde) mit dem nächsten Finger spielen und bei einer Terz ein Finger übersprungen wird. Mit überflüssigen Fingersätzen lernt man nicht Notenlesen. 🙄 Im Takt 13 halte ich den Startfingersatz in der rechten Hand nicht für sinnvoll. Warum soll ein Tonschritt von F nach Es mit 5 & 3 gespielt werden? Mit dem 4. Finger anzufangen finde ich logischer.

Im „Tanz der kleinen Küken“ bin ich mir ein bisschen unsicher bei den Fingersätzen. In diesem Stück hätte ich mehr davon hilfreich gefunden, aber wenn ich darüber nachdenke… eigentlich geht es nicht anders als in Takt 5 die erste Achtel (inklusive Vorschlag) mit 1 & 2 und die letzte mit 4 & 5 zu spielen. Aber mit welchen Fingern spielt man die erste Achtel im Takt 6? Lernaufgabe in diesem Stück soll wohl sein, die Vorschlag- und Hauptnote mit allen Fingerkombinationen in der rechten Hand zu spielen (also 1 & 2, 2 & 3, 3 & 4, 4 & 5). Und das über 3 Seiten. Das ist schwer, richtig schwer! Und gerade schaue ich noch einmal die Fingersätze in der rechten Hand durch und sehe nirgendwo die Fingerkombination 1 & 2 und 4 & 5 angegeben. Also, ich bin eigentlich nicht schlauer als vorher, sogar noch unsicherer, welche Finger benutzt werden sollen. Ich nehme an, man spielt die Hauptnote im Staccato, aber das ist nicht angegeben. Auch in der linken Hand weiß ich nicht, ob gebunden werden soll oder nicht. Oder wird sie sogar im Staccato gespielt? Kann sich Herr Podgornov mal bitte melden? 🙂 Aber eigentlich, ich komme gar nicht in die Verlegenheit, dass Stück spielen zu lassen. Meine Schüler haben (leider) keine Zeit, so viel zu üben um dieses Stück spielen zu können…

„Echo“ ist ein wunderschönes Stück, aber ich verstehe nicht, warum man es sich schwerer machen muss als nötig. Die linke Hand kann wegen der Tonwiederholungen schon nicht wirklich gebunden werden. Wofür sollen dann noch die Pausen in der rechten Hand (außer der am Taktanfang natürlich) gut sein? Es spielt sich doch so viel leichter:



EDIT: Dieses Stück habe ich aufgenommen und aus dem Bauch heraus genau so gespielt, wie Nicolai Podgornov es notiert hat. Da habe ich mich geirrt. Die Pausen sind wichtig! (17.5.2014)

„Die ersten Maiglöckchen“ sind auch sehr hübsch, allerdings würde ich die linke Hand nicht im non legato spielen sondern so:
Die Takte 19-34 finde ich durch die Zweistimmigkeit in der linken Hand technisch recht anspruchsvoll, zumindest wenn man sie wirklich gut spielen will. Für meine Schüler würde (müsste) ich diese Takte streichen.

Auch das „Das Stehaufmännchen“ klingt wie eine Spieluhrmusik. Viel staccato, eine Handvoll Zweitonbindungen und ein paar Akzente sind Thema. Die rechte Hand spielt wieder lange im Fünftonraum und hat auch in diesem Stück für meinen Geschmack zu viele (überflüssige) Fingersätze. In der linken Hand hätte ich mir dafür mehr gewünscht.

„Walzer für Lena“ ist eines der Stücke, bei dem ich nicht ganz verstehe, wie es gespielt werden soll. Die rechte Hand beginnt mit einer zauberhaften Folge von sequenzierten zweitakten Phrasen, die weiter hinten im Stück mit einem Bogen versehen sind. Am Anfang des Stückes aber nicht. Zwischendurch wird diese Melodie noch im staccato gespielt und ganz am Schluß mit einer weiteren Variation in der Artikulation (Anschlagsart). Ich würde daraus schließen, dass der Anfang im non legato gespielt werden soll, bin mir aber natürlich nicht sicher. Dieses Stück müsste ich also auch ein wenig umschreiben (und würde es bei der Gelegenheit noch ein wenig kürzen), um es für meinen Unterricht verwenden zu können. Ich vermisse in diesem Stück Fingersätze, nur an wenigen Stellen sind welche angegeben. Vielleicht hat das pädagogische Gründe, sprich, der Schüler soll sich selbstständig Fingersätze überlegen.

„Die Reise eines Luftballons“ ist ein sehr ruhiges Stück, bestehend aus schönen, teils ungewöhnlichen, gebrochenen Harmonien und wird mit Pedal gespielt. Auch hier gibt es keine Fingersätze. Dieses Stück gefällt mir, wie das Echo, ausgesprochen gut.

Die letzten beiden Stücke sind jazzig. „Das kleine Jazzorchester“ hat punktierte Achtel mit Sechzehntel, die laut Spielanweisung verswingt gespielt werden sollen. „Der Schneemann“ hat auch diese punktierten Rhythmen, die aber wohl wirklich punktiert und nicht verswingt gespielt werden sollen. „Der Schneemann“ ist ein Ragtime und Ragtimes spielt man oft gerade und nicht verswingt, aber punktiert würde ich diesen Rhythmusbaustein (punktierte Achtel mit Sechzehntel) sicher nicht spielen. Die Fingersätze der Terzen würde ich manchmal ändern und im Takt 48 muss ein Fingersatzfehler vorliegen: Aber ich lese gerade die Artikulationsanweisung für das Stück: „non staccato“. „Non staccato“ findet man nicht bei  Google, aber ich kann mir vorstellen, wie das gespielt werden soll. Ich habe immer Angst, dass meine Schüler legato verlernen, wenn sie ein ganzes Stück nicht gebunden spielen sollen.  😉   Die Melodie lässt sich gut binden, also warum sollte man das dann nicht tun? Wenn man die Begleitung im Staccato spielt, ist das schwierig genug. Jedenfalls würde mir das Stück so besser gefallen. Non legato (oder staccato) – Stücke, die laut gespielt werden sollen klingen ganz schnell nach Elefant im Porzellanladen.

EDIT: Auch hier habe ich mich geirrt. Ragtimes spielt man nicht verswingt. In der Aufnahme habe ich den Rhythmus des Stückes wie notiert (also punktiert) wiedergegeben. Ich habe die Melodie an manchen Stellen gebunden und ansonsten im Staccato gespielt. So bekommt das Stück einen eigenen Charakter. So, wie es mir gefällt. (17.5.2014)

„Das kleine Jazzorchester“ hat vier Seiten und ist somit das längste Stück im Heft. Der Walking Bass macht Spass und das Stück hat eine ohrwurmtaugliche Melodie. Ich persönlich mag die punktierte Schreibweise für triolische (verswingte) Achtel nicht, aber das ist vielleicht typisch für die osteuropäische Ausbildung. Rhythmisch ist dieses Stück eine Herausforderung und sowohl der Bass als auch die Melodie liegt nicht immer ganz bequem. Ich finde keinen Hinweis auf die Artikulation, aber das Stück lässt sich gut im Legato spielen. In einem Konzert ist dieses Stück bestimmt der Knaller! 🙂

 

Eure Sandra

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