Martha Mier „Romantic Impressions“

So – da bin ich wieder :). Heute morgen hab ich meinem Mann den Auftrag gegeben, sich irgendein Notenheft aus dem Regal auszusuchen. Das wollte ich mir dann genauer anschauen und ein paar Gedanken dazu aufschreiben. Natürlich hat er zuerst das Falsche gebracht. Warum weiß ich das immer schon vorher? 😉

Zu den Walzern von Brahms habe ich nichts zu sagen. Die sind wunderbar. Außerdem kenne ich mich mit zeitgenössischer Klavier-Unterrichtsliteratur besser aus. Also, eine Etage tiefer bitte und schon kam er mit dem 4. Band der „Romantic Impressions“ von Martha Mier zurück.

Martha Mier? 2008 muss es gewesen sein als ich die Komponistin „entdeckt“ habe. Im Sommer 2008 war ich in Dänemark und bin irgendwie auf der Seite sheetmusicplus.com gelandet. (Den Notenshop habe ich ja schon mehrfach in anderen Blogposts erwähnt.)

Jeden Sommer gibt es da für ein paar Wochen die Klavier-Unterrichtsliteratur im Angebot (Sale). 20 Prozent reduziert. Als ich wieder in Deutschland war (und wieder Zugang zu meiner Kreditkarte hatte) habe ich zum ersten Mal einen Stapel Noten in den USA bestellt und Martha Mier war mit dabei.

Die Stücke von ihr kamen mir erst irgendwie seltsam vor. Was daran liegt, dass wirklich viele ihrer Stücke im Dreiertakt sind. Mit Dreiertakten hatte ich noch bis nach dem Studium ein kleines Problem. So als würde ich nicht richtig warm mit dieser Taktart. Geändert hat sich das mit dem regelmäßigen Gebrauch der Rhythmussprache im Unterricht. Und irgendwann später fiel mir dann auf, dass ich, seit dem ich die Stücke von Martha Mier unterrichte, auch ganz viel im Dreiertakt komponiere. Ansteckend wahrscheinlich. 😉

Ich halte Martha Mier für eine großartige Komponistin für Unterrichtsliteratur und eine tolle Arrangeurin. Besonders ihre jazzigen Stücke gefallen mir ausgesprochen gut. Sie ist 1936 geboren und dürfte in den USA als Klavierpädagogin ziemlich bekannt sein.

Die Romantic Impressions gibt es in 4 Teilen. Bei Amazon.de gibt es die Bände recht günstig. Den 1. Band hat Amazon für 5,99 EUR im Angebot. Der 2. Band kostet ebenfalls 5,99 EUR, den 3. Band gibt es für 4,99 EUR und den 4.Band auch. In den USA kosten die ersten beiden Bände je 6,99, der dritte 6,95 und der vierte 5,95. US-Dollar versteht sich. Hier findet man die Hefte.

Ich denke, dass die Hefte eher für Frauen sind. Männer müssen schon einen sehr ausgeprägten Hang zur Romantik haben, wenn ihnen die Stücke gefallen sollen. Die männlichen Anfänger, die ich habe und hatte haben sich eher für Filmmusik wie zum Beispiel die von Yann Tiersen (Komponist der Filmmusik „Die fabelhafte Welt der Amelie“) oder Philip Glass („The Trueman Show“ oder „The Hours“) interessiert. George Winston und Ludovico Einaudi sind bei Jungs und Männern populär und die Musik von Computerspielen, die meist von japanischen oder koranischen Komponisten geschrieben ist.

Martha Mier „Romantische Impressionen“ sind – unglaublich romantisch. Wer hätte das gedacht? Wunderschön und emotional. Ein paar wenige Stücke sind durch viele Septakkorde leicht jazzig angehaucht wie zum Beispiel: „At a Sidewalk Cafe“ (Heft 2) oder „Fadet Dreams“ (Heft 3). Ausdrucksvolles Spiel kann man an den Stücken üben. Die Melodien sind – laut Vorwort – warm, lyrisch und gesanglich und sie werden unterstützt von reichen harmonischen Strukturen.

Das ist ein wenig das Problem von den Heften. Martha Mier benutzt sehr breitgriffige Begleitmuster. Sehr oft im Umfang einer Dezime. Ich habe riesige Hände für eine Frau. Eine Dezime schaff ich locker, aber selbst mir wurde das beim Durchspielen der Hefte fast zuviel. Für Frauen mit kleinen Händen könnte das sehr anstrengend werden und den Spielspaß mindern.

Das erste Heft verzichtet noch auf diese breiten Begleitmuster und die Stücke sind, auch aus diesem Grund, leichter zu spielen. Für fortgeschrittene Anfänger ist das eine sehr sehr schöne Stückesammlung.

Für meinen Geschmack sind die leichteren Stücke von Martha Mier oft ein wenig zu lang. Zwei oder drei Seiten pro Komposition überfordern manche Anfänger. Ich habe einige Stücke für meinen Unterricht gekürzt und finde die kürzeren Versionen nahezu perfekt. 🙂

Was ich an Martha Mier sehr schätze ist, dass sie wirklich Ahnung vom Komponieren hat. Die Fingersätze sind (bis auf ganz ganz wenige Ausnahmen, die dazu führen, dass man zum Beispiel zwischen zwei Phrasen absetzen muss obwohl man mit einem anderen Fingersatz auch hätte binden können) sehr gut. Manchmal gibt es sogar zwei Möglichkeiten. Für kleinere und größere Hände. Die Phrasenbögen sind genau und die Pedaleintragungen ebenso.

In vielen anderen Noten findet man Bögen (Phrasenbögen?) bei denen ich das Gefühl habe, ein Zufallsprogramm hat die Länge der Bögen festgelegt. Nach der Durchschnittstemperatur des Februars im Jahre 2002 oder so. Zwei Schüler haben in der letzten Zeit „La Dispute“ von Yann Tiersen gespielt. Bei den Bögen, die wirklich überhaupt nichts mit den Phrasen der Melodie zu tun haben bekomme  ich Ausschlag Falten.  Nachdenkfalten natürlich. Was wollte uns der Komponist damit sagen? Man weiß es nicht…

Martha Mier macht ihren Job wirklich großartig.

Was hätte man dennoch noch besser machen können? Manchmal findet man zwischen Phrasen eine Pause, manchmal nicht. Das hätte konsequenter sein können, aber durch die Phrasenbögen gibt es kein Verständnisproblem.

Ein paar Mal soll die linke Hand eine Oktave tiefer gepielt werden als notiert. Das Oktavazeichen müsste 8vb lauten, nicht 8va.

Die Auftakte bei „Springtime in My Heart“ (das erste Stück im Heft 3) sollen mal mit und mal ohne Pedal gespielt werden. Das macht keinen Sinn, zumal es klanglich überhaupt kein Problem ist, die Sechzehntel ins Pedal zu nehmen. Also, einfach taktweise bzw. halbtaktig das Pedal wechseln und die Pedalunterbrechungen ignorieren.

Mehr habe ich nicht auszusetzen. 😀

Die Stücke, die mir nicht so zusagen kann ich an einer Hand abzählen. Bei 32 Stücke insgesamt ist das ein wirklich guter Schnitt. 😉 Alle Bände sind gleich schön, wobei – wie schon erwähnt – die Stücke im ersten Band von talentierten und/oder fleißigen Schülern schon nach einige Monaten in Angriff genommen werden können. Die Stücke im vierten Heft sind wirklich anspruchsvoll.

Eure Sandra

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