24 Preludes – Dennis Alexander vs. Robert D. Vandall

Guten Morgen und herzliche Grüße aus Wuppertal! Es ist kurz nach sieben in der Früh und mir steht ein arbeitsreicher Tag bevor, der heute Abend mit einer Fahrt im Kaiserwagen der Wuppertaler Schwebebahn seinen Höhepunkt finden wird. So der Plan! Bis dahin sitze ich mit knapp 100 Linuxfans in einer Fabrikhalle und jeder haut in die Tasten. Nur meine sehen ein bisschen anders aus. 😀

Mitgebracht habe ich zwei Hefte, die ich schon vor einer Weile in den USA bestellt hatte. „24 Charakter Preludes“ von Dennis Alexander und „Preludes“ von Robert D. Vandall. Beide Hefte enthalten 24 Preludes in allen 24 Dur- und Molltonarten. Beiden Heften ist eine CD beigelegt, auf der jeweils alle 24 Preludes eingespielt sind. Dennis Alexander hat sich selbst die Ehre gegeben und die Preludes von Robert D. Vandall wurden von Scott Price eingespielt, welcher der Hauspianist von Alfred Music Publishing zu sein scheint (und mit einer Handvoll eigener Kompositionen verlegt ist).

Die Notenhefte kann man zum Bsp. bei alle-noten.de bestellen. Die „Preludes“ von. R.D. Vandall kosten 19,95 Euro (inklusive CD) und die „Charakter-Preludes“ von D. Alexander gibt es für 11,95 Euro zu kaufen (ebenfalls mit CD).  Punkt für Dennis Alexander! 😉

Dennis Alexander’s Preludes sind im Stil der klassischen Komponisten Bach, Mendelssohn, Schumann, Rachmaninov, Debussy, Ravel, Gershwin, Prokofjew und Copland geschrieben und sollen eine exzellente Vorbereitung auf die komplexeren Originalkompositionen sein. Die Preludes haben jedes für sich noch einen eigenen Titel, was mir sehr gut gefällt und der musikalischen Vorstellung natürlich sehr dienlich ist. Die Ansprüche der Preludes sind technisch und musikalisch sehr vielseitig und klingen wirklich sehr „original“ und charakteristisch. Kein Prelude ist aber länger als zwei Seiten und einige klingen ausgesprochen virtuos. Die Stücke sind wirklich nicht leicht. „Late indermediate to early advanced“ ist als Schwierigkeitsgrad angegeben. Durch die Kürze der Stücke dürften die Preludes aber für einige Klavierspieler noch eher zu schaffen sein als viele deutlich umfangreichere Originalkompositionen, was ich sehr motivierend finde.

Die Stücke haben leider weder im Inhaltsverzeichnis noch im Heft Nummern, was es schwer macht, die dazugehörigen Titel auf der CD zu finden. Da hätte man sich mehr Mühe geben können. Und die Anordnung der Stücke im Heft (der eine gewisse Logik nicht abzusprechen ist) hat zur Folge, dass man bei einigen der zweiseitigen Stücke blättern muss. 🙄

Die Preludes von Robert D. Vandall waren in dieser Form (24 Stücke in allen Tonarten) nicht geplant. 1984 schrieb er sieben Preludes in den Weiße-Tasten-Dur-Tonarten zu Ehren von J. S. Bach, dessen Geburtsjahr sich im darauf folgenden Jahr zum 300-sten Mal jährte. Das zweite Heft mit weiteren sieben (schwierigeren) Preludes entstand  auf Nachfrage seines Verlages (Myklas Music Press) zwei Jahre später und noch ein Jahr darauf (wieder auf Nachfrage) schrieb Robert D. Vandall sieben noch anspruchsvollere Kompositionen. 2005 wechselte Vandall zum Alfred Publishing Verlag und dort schlug man ihm vor, die restlichen drei Preludes zu schreiben, die aufgrund ihres Schwierigkeitgrades dem zweiten Band zugeordnet wurden. Die Schwierigkeitsgrade sind mit den britischen Exam Grades angegeben, welche von 1 bis 8 reichen. Hier kann man mehr über die Exam Grades und die dazugehörigen Stücke erfahren (englisch). Die ersten sieben Preludes entsprechen den Grades 2-4, die Preludes 8-14 und 22-24 den Grades 3-5 und die Nummern 15-21 den Grades 4-7.

Bis auf die Nummer 7, welche zusätzlich als Chaconne (spanischer Reigentanz) bezeichnet wird, haben die Preludes von Robert D. Vandall keine zusätzlichen Titel. Es könnte eine schöne Übung sein, sich Titel zu überlegen. Die CD-Track-Nummern finden sich sowohl im Inhaltsverzeichnis als auch bei jedem Stück. Zuerst habe ich die Stücke selbst angespielt, hatte aber nicht so recht Freude dabei. In diesem Fall ist die CD wirklich nützlich, denn die Preludes lassen sich sehr angenehm hören und die Aufnahmen machen Lust auf’s Nachspielen. Nach dem Hören der Stücke haben mir wesentlich mehr gefallen, als nach dem ersten Durchspielen vor einigen Monaten.

Die ersten sieben Preludes sind mit einer Länge von je zwei Seiten recht überschaubar, die Nummern eins, vier und fünf sind aber sehr schnell eingespielt. Man sollte nicht auf die Idee kommen, dass der angegebene britische Schwierigkeitsgrad von 2-4 bedeutet, dass die Stücke leicht sind. Das längste Prelude im Heft hat vier Seiten, viele sind dreiseitig und alle zweiseitigen Stücke kann man ohne umblättern zu müssen, spielen.

Beide Hefte haben ausreichend Fingersätze und die Pedalisierung ist sehr schön notiert. Das Notenbild finde ich ebenfalls in beiden Heften angenehm und leicht zu verstehen. Dennis Alexander’s Preludes finden auf 38 Seiten Platz, Vandall’s Stücke benötigen 58.

Ich habe das Gefühl, dass die „Charakter Preludes“ musikalisch interessanter und vielfältiger sind und die von Randall technisch versierter. Mit den „Charakter Preludes“ fühlen sich vielleicht Klavierspieler angesprochen, die gern kürzere Stücke spielen und besonders der klassischen Musik zugetan sind. Vieles klingt in meinen Ohren irgendwie russisch und romantisch/spätromantisch. Die Preludes von Randall klingen etwas moderner, auch wenn einige dem barocken Stil nachempfunden sind.

Beide Hefte sind sehr gut, ich empfinde sie als eine wirkliche Bereicherung meiner Sammlung. Und ich freue mich, mich heute so intensiv mit den Stücken beschäftigt zu haben. Unentschieden mit Tendenz zu den Preludes von Robert D. Vandall wegen des besseren Aufbaus des Heftes. 😉

 

Eure Sandra

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