George Nevada „Romantische Miniaturen“

George Nevada? Ist das ein Künstlername? Im Netz findet sich nichts über den Komponisten, außer sein Jahrgang. 1939 ist er geboren. Verlegt werden die Hefte von George Nevada von Schott. Drei verschiedene Hefte gibt es käuflich zu erwerben. Ich habe alle drei seit Jahren und gestern abend hatte ich Lust, mir die Romantischen Miniaturen (Romantic Miniatures) mal wieder zu Gemüte zu führen.

Das Heft beinhaltet 10 leichte Stücke für Klavier. 12,99 Euro kostet die gedruckte und 8,99 die PDF-Download-Version. Das Heft ist meiner Meinung nach eine große Bereicherung besonders für erwachsene Anfänger. Ich habe mir zu jedem Stück ein paar Notizen gemacht.

Zum Heft im Allgemeinen möchte ich sagen, dass es mir sehr gut gefällt, dass die Stücke so aufgeteilt sind, dass man nicht blättern muss während man spielt. Es gibt zwar nur 2 Stücke, die mehr als eine Seite haben, aber nachdem ich vor kurzem wieder einmal in die Regenbogen-Preludes von Manfred Schmitz geschaut habe… In diesem Heft sind die meisten Stücke zweiseitig und fast immer auf drei Seiten aufgeteilt. Das ist unglaublich schlecht gemacht! Aber mehr dazu ein anderes Mal… Oh, Manfred Schmitz ist auch 1939 geboren. Ich hab da so einen Verdacht… 😉 EDIT: Dieser wurde heute von einer Kollegin bestätigt bestätigt. (19.8.2015)

Das erste Stück „A little dreamy“ kann man tatsächlich schon nach ein paar Wochen Klavierunterricht lernen. Ich unterrichte es regelmäßig, lasse aber dabei die Wiederholungen komplett weg (sogar die vier Takte Vorspiel sollen wiederholt werden) und gehe gleich in die Klammer 2. Ansonsten ist zu befürchten, dass die Lehrerin  (also meine Wenigkeit) auch anfängt, ins Land der Träume zu reisen. 🙂
EDIT: Nachdem ich das Stück eben unterrichtet habe noch ein kurzer Kommentar zu den Phrasen in der dritten und in der fünften Zeile. Meiner Meinung nach kann der Höhepunkt einer Phrase (also der lauteste Ton) nur am Taktanfang stehen. Wenn den Eintragungen Folge leistet, und das G (rechts) im Takt 11 betont sollte man den Dreiklang (links) auf dem ersten Schlag im Takt 12 noch ein bisschen lauter spielen. Das crescendo und das decrescendo in den Takten 17 bis 19 halte ich für falsch. Eine Betonung in der Mitte des Taktes führt beim Zuhörer zu dem Gefühl, dass der neue Takt schon dort losgeht, und da geht er natürlich noch nicht los – die Zeit ist ja noch nicht rum. Meinen Schülern sage ich immer, das fühlt sich an als würde man jemandem ein Bein stellen. Man kommt aus dem Tritt. Die Regelmäßigkeit, die Schwingung kommt durcheinander. Wenn man allerdings das A am Anfang des Takt 18 als Phrasenhöhepunkt betrachtet und betont, ist alles gut. 🙂

„Wind harp“ besteht abwechselnd aus gebrochenen Vier- und zusammengefassten Dreiklängen. Eine klanglich sehr schöne Finger-Übung.

Das Pedal in „When Paris dreams“ würde ich anders wechseln. Der Flügel von George ist anscheinend nicht sehr voluminös. Wenn ich die Stücke mit den vorgeschlagenen Pedalwechseln spiele, bekomme ich ab und an eine Gänsehaut. Vor Missfallen allerdings. Ich würde in dem Stück in folgenden Takten NICHT das Pedal wechseln: 4 – 8 – 12 – 14 – 16 – 17 -18 – 22 – 26 – 30 – 32 – 34 und 35. Ansonsten taktweise wechseln.

Das „Little pop prelude“ ist auch so ein Pedalkandidat. Einfach in jedem Takt das Pedal wechseln (mit Ausnahme des letzten Taktes) – nicht nur jeden zweiten – und es kommt ein sehr hübsches Stück dabei raus. Das Pop Prelude habe ich noch nie spielen lassen. Warum eigentlich nicht? Naja, ein paar Fingersätze muss man da noch nachtragen…

„… and the romance drifts away“ hat bis auf ein paar wenige in der letzten Zeile überhaupt keine Fingersätze notiert. Versteh ich nicht. Wenn ich Stücke für Anfänger schreibe muss ich mich doch um Fingersätze kümmern. Ansonsten ein sehr schönes Stück. Wenn man das Pedal taktweise und nicht wie angegeben wechselt…

EDIT: Und auch über dieses Stück habe ich nochmal nachgedacht. Gestern habe ich es unterrichtet, und es war sehr interessant, wie meine Schülerin es gespielt hat. Die Melodie ist komplett ohne Pausen aufgeschrieben und aus diesem Grund lege ich großen Wert darauf, dass alles im legato gespielt (also gebunden) wird. Das macht sich nur leider nicht gut bei der Melodieführung und das wird wohl auch der Grund sein, warum keine Fingersätze eingetragen sind. Der Komponist wußte vielleicht keine guten.

Von Carsten Gerlitz habe ich mir vor ein paar Jahren mal „Jazz for Kids“ durchgeschaut. Die Stücke sind eigentlich recht nett, aber jegliche Fingersätze fehlen. Mir fielen auch keine wirklich guten ein. Die Stücke lassen sich einfach nicht gut spielen. Entweder sind die Schüler von Carsten Gerlitz Genies oder er hat keine – sonst hätte er gemerkt, dass die Stücke nicht funktionieren. Von Manfred Schmitz habe ich auch ein Heft mit Tangos. Superschöne Stücke ohne Fingersätze. Ich möchte nicht, dass meine Schüler auf gut Glück spielen. Fingergedächtnis klappt nur, wenn man immer den gleichen Fingersatz nimmt. Und wenn mir schon kein guter Fingersatz einfällt…

So zurück zum fünften Stück der Romantischen Miniaturen! Wenn man die Melodie binden möchte, muss man einen recht komplizierten Fingersatz (wahrscheinlich mit stummen Fingerwechseln nehmen). Das ist aber eigentlich die Mühe nicht wert. Ich denke, ich werde an folgenden Stellen Viertelpausen einfügen: Takt 8/3. Pulsschlag – Takt 10/3. Pulsschlag – Takt 12/3. Pulsschlag – Takt 14/3. Pulsschlag. (Im zweiten Teil des Stückes ab Takt 19 ebenso.) Dann kann man das dreitönige Motiv (der Baustein zwischen den Pausen) immer mit dem 3. Finger beginnen.

Die „Elegy in the evening“ hat interessante Taktwechseln und in der rechten Hand hauptsächlich Zweiklänge. Die linke Hand ist zweistimmig notiert. So langsam wird es schwieriger, aber das Stück ist sehr logisch aufgebaut. Das kommt Erwachsenen entgegen. In der linken Hand hätten ein paar Fingersätze auch nicht geschadet.

„When a dream drifts away“ erinnert mich irgendwie an James Bond. Hier ist die rechte Hand zweistimmig und die linke spielt gebrochene Dreiklänge. Den Harmoniewechsel ab Takt 17 liebe ich! Auch in den vier Takten Vorspiel würde ich das Pedal taktweise wechseln. Ansonsten klingt es schon arg breiig.

Die „Romantic episode“ hat nur zwei Zeilen, ist aber wegen der Mehrstimmigkeit nicht unkompliziert. Ich finde es in D-Dur recht unbequem. C-Dur wäre schöner gewesen. Selbst ich mit meinen großen Händen habe das Gefühl, an den schwarzen Tasten hängen zu bleiben. Leider fehlen hier wieder Fingersätze. Aber ein sehr harmonisches und romantisches Stück ist es trotzdem.

„Never-ending blue“ passt meiner Meinung nach nicht ganz in das Heft. Die linke Hand spielt ein Begleitmuster, welches überhaupt nicht einfach ist und die rechte Hand liefert eine rhythmisch komplizierte Melodie dazu. Und schade, dass mal wieder die Fingersätze rechts fehlen. Auch dieses Stück finde ich klanglich ansprechender, wenn das Pedal taktweise gewechselt wird.

Für die „Little Atlantic rhapsody“ gilt das Gleiche. Taktweise das Pedal zu wechseln finde ich angebrachter (bis auf dem letzten Takt). Außerdem würde ich das Stück ohne irgendeine Wiederholungen vom Anfang bis zum Ende durchspielen. Es zieht sich sonst ziemlich.

Es gibt wenige Hefte, in denen mir fast jedes Stück gefällt. Dieses gehört dazu und ich mag die Stücke sehr. Man könnte sollte allerdings die Fingersätze, die Phrasen und Pedalwechsel überarbeiten. Dann wäre das Heft noch besser.

EDIT: Hörbeispiele zu vier Stücken findet ihr in diesem Artikel.

Dazu würde mich sehr die Meinung meiner Kollegen sehr interessieren. 🙂 Wie zu den anderen Blogeinträgen auch. Liest das hier überhaupt jemand?

Eure Sandra

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4 Gedanken zu „George Nevada „Romantische Miniaturen“

  1. Jansen Christine

    Liebe Sandra,
    toll, was du da alles leistest, Hut ab!
    Ich schreibe heute nur kurz etwas zum „never ending Blues“. Zuerst würde ich die rechte Hand in a-moll einparken lassen: kennst du die Schneemannmethode? a-c-e ist der Schneemann, h und d sind die „Fühlerfinger“ 2 und 4 (wie eine Schnecke), dann würde ich den komplizierten Rhythmus mit „Elefant-Elefant-Elefant(Tiger)“ spielen lassen, in Takt 7 fährt der Daumen wie ein Teleskop kurz auf G, alles andere bleibt, dann ist das Stück nicht so schwierig. Dann linke Hand allein nur in der Oktave hantieren lassen: g-d-g-d-,g-d-g-d-, g-e-g-e-,g-e-g-e-,g-es-g-es-… , dazu Elefant-Elefant-Elefant Tiger)… sprechen, dann die rechte Hand dazu, erst später links Daumen übersetzen, wenn die Zusammenarbeit klappt. So ist das Erfolgserlebnis und der musikalische Genuss in jeder Übphase gewährleistet.
    hoffentlich verstehst du meine Ausführungen. Ich wünsche dir viel Erfolg mit deinen phantastischen Ideen, ich bewundere deinen unermüdlichen Fleiss!
    Liebe Grüsse aus Grenzach-Wyhlen, Christine .

    Antworten
    1. Sandra Beitragsautor

      Liebe Christine,

      hab Dank für Dein Lob und Deinen Kommentar! Ich habe letztes Jahr schon einmal versucht, mich über das Lernkonzept von Mailyn Rebecca Streit zu informieren.

      Da ich gerade „Klavierspielen und das rechte Gehirn“ von Herbert Wiedemann gelesen habe, passt das thematisch sehr gut dazu und ich habe mir heute bereits zwei Hefte der Autorin bestellt. Ab nächste Woche soll der erste Teil der Klavierschule wieder bei Amazon lieferbar sein, dann darf der auch noch bei mir einziehen.

      Ich glaube allerdings, dass die meisten meiner Erwachsenen nicht einverstanden wären, wenn ich mit so vielen Tieren unterrichte. 😉 Die Rhythmussprache, die ich benutze funktioniert auch ganz gut. Aber die Tastenbilder könnten sehr interessant sein.

      Das Konzept schaue ich mir auf jeden Fall an!

      Vielen Dank,
      Sandra

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  2. Jansen Christine

    Liebe Sandra,

    danke für deine schnelle Antwort. Ich würde dir empfehlen, auf http://www.musikfoyer.de direkt die Infos vom Urheber Herrn Wei anzuschauen. Im Shop gibt es Noten und vorallem (!!!) die live streams. Da kannst du für sehr wenig Geld Schritt für Schritt mitverfolgen, wie ein Stück erarbeitet wird und zwar so, dass du am nächsten Tag noch praktisch alles weisst: Bsp. C-Dur Präludium von Bach in einer halben Stunde oder Solfeggio von C. Ph. E. Bach auswendig. Ich mach das dann mit meinen erwachsenen Schülern mit wenigen oder keinen Bildern, das geht prima, obwohl Bilder für ganzheitliches Lernen auch für „Grosse“ nicht schlecht ist.

    Bis zum nächsten Austausch, liebe Grüsse, Christine.

    Antworten
    1. Sandra Beitragsautor

      Oh, das ist ja eine andere Methode als die von Frau Streit!
      „Schneemanns Traum“ also. Sehr interessant, besonders da ich immer Probleme mit Auswendigspielen hatte. Die kommt auf meine Wunschliste!

      Danke Christine! 🙂

      Und bis zum nächsten Mal…
      Sandra

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