Übetipps #1 – Chopin Walzer a-Moll

© photophonie - fotolia.comIm heutigen Artikel möchte ich euch Übetipps zu einem wunderschönen und sehr beliebten Klavierstück von Chopin geben. So habe ich die Möglichkeit, meine Erfahrungen aus dem Unterricht mit euch zu teilen. Nicht ganz uneigennützig, denn nun kann ich meine Schüler auf den Blog verweisen, wenn sie in bestimmten Stücken mit einzelnen Stellen kämpfen.

Die neuen Reihe „Übetipps“ wird euch von nun an regelmäßig auf dem Blog begegnen. Neben allgemeinen Übetipps möchte ich mich besonders um schwierige Rhythmen kümmern und mit Hörbeispielen Unterstützung geben.

Los geht es mit dem sehr beliebten Chopin Walzer in a-Moll op. posth., den meine Schüler ausgesprochen gern spielen. Ich habe auf YouTube eine ergreifende Aufnahme gefunden. Am Flügel hören wir Dr. Alan Huckleberry.

Hier die ersten acht Takte des Walzer:

Chopin Walzer A-Moll op. posth.

Anfang OriginalChopins typische Walzerbegleitung ist zauberhaft aber auch ziemlich anspruchsvoll. Versucht man gleich beide Hände wie notiert zu spielen, wird die Melodie zu kurz kommen, denn die linke Hand zieht mit ihren Sprüngen alle Aufmerksamkeit auf sich.

Also – lernt die rechte Hand abschnittsweise (2 Takte) und ohne Verzierungen einzeln. Konzentriert euch dann auf die Dreiklänge in der linken Hand und übt auch diese einzeln und bewußt. Der erste Versuch mit beiden Händen könnte so aussehen. Ich spiele dabei das eingeklammerte E im ersten Dreiklang nicht mit, um die Melodie binden zu können.

Anfang Dreiklang

Anfang mit Dreiklaengen     

Border Blätter
Auch eine Möglichkeit ist, sich nur mit den Basstönen in der linken Hand zu beschäftigen und diese zur Melodie zu spielen:

Anfang Basston

Anfang mit Basston     

Border Blätter
Schwerfallen dürfte auch der Sprung in der linken Hand. Diesen kann man sich erleichtern, in dem man die restlichen Töne des Dreiklangs weglässt und nur den tiefsten Ton davon spielt. Natürlich immer mit dem Finger, der sich auch beim Dreiklang auf dem tiefsten Ton befindet. Wahrscheinlich ist dies der kleine Finger.
Anfang Basston plus
Anfang mit Basston plus     

Border Blätter
Takt 21 des Walzers ist eine rhythmische Herausforderung und auch der Melodieverlauf ist scheinbar kompliziert. So der Takt im Original:
Takt original
Ich übe mit meinen Schülern, den Melodieverlauf und den Rhythmus getrennt zu betrachten und schon ist es gar nicht mehr so schwierig. Die Melodie besteht aus einem E-Dur Dreiklang, der über drei Oktaven gespielt wird. Gefolgt von ein paar Tonschritten. Eigentlich ganz einfach, oder?
Takt Melodie
Border Blätter
Der Rhythmus hat es schon eher in sich. Einer Triole folgt eine Quintole und ein punktierter Rhythmus, der sich aus einer punktierten Achtel plus Sechzehntel zusammensetzt. Im folgenden Rhythmusbeipiel zähle ich den Rhythmus aus. Auf dem dritten Pulsschlag zähle ich vier, denn die punktierte Achtel setzt sich aus drei Sechzehntelnoten zusammen, gefolgt von der Sechzehntel auf der 4. Den nachfolgenden Takt spreche ich mit Rhythmussprache, die Verzierung lasse ich weg.

Takt 21 und 22:
Takt 21 22

Takt 21 22 gesprochen     

Border Blätter
Zum Anhören und Mitsprechen Takt 21 & 22 – rechte Hand einzeln:

Takte 21 22 rechts einzeln     

Und so klingt es mit beiden Händen:

Takte 21 22 beide Hände     


EDIT: Christines Anmerkung (Kommentar), dass es sich bei dem Rhythmus in Takt 21 um ein auskomponiertes Accelerando handelt, ist natürlich richtig. Dumm, das nicht zu erwähnen. Meine Erwachsenen sind trotzdem sehr dankbar für die Möglichkeit, die Noten erst einmal pulsschlaggenau in dem Takt unterzubringen. Mit rhythmischer Freiheit zu beginnen liegt vielen einfach nicht. Erst danach würde ich auf das Accelerando, das „organische“ Schnellerwerden der Dreiklänge zurückkommen. (17.8.2015)

Ich hoffe, meine Anregungen sind hilfreich für euch! Wie gefällt euch die Idee für die neue Reihe „Übetipps“?

Eure Sandra

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8 Gedanken zu „Übetipps #1 – Chopin Walzer a-Moll

  1. Sarah

    Liebe Sandra,
    das trifft sich ja hervorragend. Vor ein paar Tagen habe ich mir den Band „Toll in Moll“ gekauft und sitze nun genau an diesem Stück – bzw. zerbreche mir genau an dieser Stelle in Takt 21 und 22 den Kopf und verknote meine Finger ;-). Mit Rhythmen tue ich mich zuweilen nämlich noch ziemlich schwer. Insofern: Vielen Dank für die Tipps – insbesondere das Auszählen mit Tonbeispiel.
    Viele Grüße von
    Sarah

    Antworten
    1. Sandra Beitragsautor

      Das freut mich, Sarah!
      Ein schöner Zufall, dass Dir nun meine Ideen beim Üben helfen!

      Liebe Grüße,
      Sandra

      Antworten
  2. Ellen

    Hallo Sandra,
    dieser Walzer von Chopin ist einer der wenigen Stücke, die bei mir überhaupt mal einer schaffen könnte….
    Das Mitsprechen ist eine große Hilfe….
    Deine Ideen mit der Vereinfachung in der linken Hand find ich auch besonders wertvoll……
    Die Quintole ist schon erstmal stressig, weil ja dann die punktierte Achtel einen wieder ausbremst….,aber genau auf dieser Note darf sich mein Schüler mental lange ausruh’n, um dann mit der schnellen Sechzehntel wieder in den Fluß zu kommen…
    Dein Auszählen ist notwendig, um sich nun endgültig ran zutrauen! Danke…….
    Ich geh dann mal üben, Ellen

    Antworten
  3. Julia

    Liebe Sandra,
    tolle Übetipps für den Walzer! Die Takte 21 und 22 lass ich auch zuerst ohne Rhythmus üben. Besonders gut gefällt mir die Idee, wie Du den Anfang in der linken Hand üben lässt. Bin schon gespannt, wann mal wieder ein Schüler von mir soweit ist, den Walzer zu üben…
    Liebe Grüße, Julia

    Antworten
    1. Sandra Beitragsautor

      Vielen Dank für Deine Rückmeldung, Julia!
      Freut mich sehr, dass Dich die Tipps inspirieren konnten

      Liebe Grüße,
      Sandra

      Antworten
  4. Christine

    Hallo zusammen,
    danke, liebe Sandra für die immer wertvollen Tipps!
    Ich erlaube mir mit meinen Erfahrungen kurz mitzumischen.
    Der Takt 21 ist eigentlich von Chopin als accelerando gedacht, drei mal hintereinander e-gis-h, immer schneller werdend, dann auf h halten, wie Ellen das beschreibt, das letzte c gehört dann schon (im Kopf) zum nächsten Triller Grüppchen. Dann ist das gar kein Problem 🙂
    Ich lasse meine SchülerInnen 3 mal den E Dur Dreiklang immer 1 Oktave höher spielen, dann nacheinander, dann Daumenuntersatz „extra“ mit aktivem Daumen, dann mit accelerando. So spielt es der Pianist Alan (s. oben).

    Nach Schneemannmethode lernt man die 4 Akkorde des Anfangs auf 3 verschiedene Arten, damit man es nur ein Mal üben muss:
    1. die 4 ersten Akkorde a-d-g-c ist stehen im Quintenzirkel rückwärts (c-geh-du-alter…)
    2. für den Bildspeicher: Taste a drücken, dann 2 Tasten überspringen: d drücken, 2 Tasten überspringen: g drücken, 2 Tasten überspringen: c drücken, so weiss man es für immer
    3. als Spruch: a-d (wie ade= tschüss) G-C (von mir aus guter Chopin)

    Schreibend erklären ist immer doppelt so kompliziert, am Klavier ist das viiiiel einfacher, hoffe trotzdem, dass ihr es verstehen könnt, herzliche Grüsse von

    Christine.

    Antworten
  5. Susanne aus Karlsruhe

    Tolle Übetipps, liebe Sandra. Einige der Ideen hab ich in meinem Klavierunterricht auch schon bei diesem und bei ähnlichen Stücken verwendet. Aber es sind auch einige neue Ideen dabei, auf die ich so nicht gekommen wäre. Das beste aber ist, dass du alle Ideen in diesem Artikel zusammengefasst hast. Da kann ich meinen Schülern einfach den Link geben. Danke dafür, liebe Sandra!

    Liebe Grüße, Susanne

    Antworten

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