Klavierlehrer-Interview #1 – Sandra Labsch

Sandra Labsch, ZauberKlavier, Noten für Anfänger, Stücke für KlavierHallo Ihr Lieben,

heute gibt es ein neues Format. Ein Klavierlehrer-Interview. Ich hoffe, dass sich viele Klavierlehrer finden, die Lust haben, mitzumachen und ihre Erfahrungen, Ideen und Inspirationsquellen teilen möchten.

Die Fragen habe ich mir zusammen mit Carina überlegt und ich freue mich, heute den Anfang machen zu dürfen.

Wo und seit wann unterrichtest Du?

Ich habe 2002 mein Studium abgeschlossen und gebe seitdem Klavierunterricht in Mannheim. Mittlerweile arbeite ich ausschließlich freiberuflich und in meinen eigenen vier Wänden.

Wen und was unterrichtest Du?

Die Arbeit mit Anfängern macht mir am meisten Spaß und ich habe viel Freude daran, ihnen die Grundlagen des Klavierspielens zu vermitteln.

Was sind Deine wichtigsten Ziele im Unterricht?

Mein wichtigstes Ziel ist, dass meine Schüler mich irgendwann nicht mehr brauchen. Dass sie lernen, selbstständig Noten zu lesen, Rhythmus zu verstehen und die Geheimnisse eines musikalischen Vortrags kennenzulernen.

Bei den Stücken mache ich keine Kompromisse. Sie müssen meinen Ansprüchen genügen und toll klingen. Auch für den allerersten Anfang.

Was gefällt Dir an Deinem Beruf am meisten?

Oft kommen Schüler gestresst, genervt oder traurig zur Klavierstunde und gehen mit einem Lächeln und guter Laune. Am Leben anderer teilhaben zu dürfen und es zu bereichern finde ich einfach wunderbar.

Ich bin sehr glücklich, selbstständig und unabhängig zu arbeiten. So kann ich meinen Weg gehen, mich selbst organisieren und immer wieder Neues ausprobieren.

Unterrichtest Du ausschließlich oder hast Du noch weitere Beschäftigungsfelder?

Vor ziemlich genau zehn Jahren habe ich angefangen, Klavierstücke zu komponieren. In den letzten zwei Jahren sind meine Ideen immer konkreter geworden und erste Heftentwürfe entstanden. Mitte 2014 hat sich der Wunsch, selbst zu verlegen immer mehr manifestiert und Anfang November sind die ersten beiden Hefte im ZauberKlavier-Verlag erschienen: „Charming Moments Vol.1“ & „12 zauberhafte Monate“. „Pop for Girls“ steht in den Startlöchern und soll ab Ende März/Anfang April erhältlich sein.

Das Bloggen habe ich vor zweieinhalb Jahren für mich entdeckt und es ist zum wichtigen Teil meines Lebens geworden. Es macht mir viel Freude, meine Gedanken zu teilen und der Austausch mit meinen Lesern inspiriert mich sehr.

Welche Hefte sind aus Deinem Unterricht nicht wegzudenken?

Meine älteren Anfängern lernen die Stücke aus den „Easy Pop“-Heften von Daniel Hellbach, die „Etüden“ von Anne Terzibaschitsch und die „Romantic Miniatures“ von George Nevada.

Die wunderbaren „Tierisch Klavierisch“-Hefte von Karin Groß entdecke ich gerade mit meinen kleinen Schülern. Diese werden sicherlich einen festen Platz in meinem Unterricht finden.

Welche Kriterien hast Du an Noten?

Seit zehn Jahren unterrichte ich an einem Flügel und wünsche mir für Kindernoten, dass sie im Querformat publiziert werden und eine leicht zu lesende, möglichst große Notenschrift bieten.

Für Erwachsene Anfänger mag ich gute Miniaturen viel lieber als in die Länge gezogene Stücke mit belanglosen Wiederholungen. Fingersätze gehören für mich nicht nur für den allerersten Anfang dazu. Auf ein klares, verständliches und ansprechendes Notenbild lege ich großen Wert.

Wer oder was inspiriert Dich oder hat Dich geprägt?

Seit 2014 besuche ich vermehrt Fortbildungen und schätze es sehr, mich mit Klavierlehrern und Klavierlehrerinnen auszutauschen. Seit nun erst einem Jahr bin ich Mitglied in der EPTA (European Piano Teachers Association) und würde mir wünschen, dass nicht nur künstlerische und wissenschaftliche Fragen dargestellt, diskutiert und praktisch erprobt werden, sondern deutlich mehr pädagogische und didaktische. Dann wird vielleicht auch diese Vereinigung zu einer wichtigen Inspirationsquelle.

Gibt es einen Themenbereich, mit dem Du Dich noch näher beschäftigen möchtest?

In der letzten Zeit interessiere ich mich sehr für Unterrichtsliteratur aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ganz besonders spannend finde ich die britischen und us-amerikanischen Hefte. Ich bin dabei, zusammenzutragen und zu dokumentieren. Diese Schätze dürfen nicht verlorengehen.

Das Thema eigene Klavierschule wird für mich immer interessanter und ich möchte mich intensiver mit diesem Vorhaben beschäftigen. Hefte mit Stücken für den allerersten Anfang stehen ebenfalls auf meiner To-Do-Liste. Zum Thema Begleiten habe ich auch ein Heft geplant. Nicht mit Popsongs und Volksliedern, sondern mit richtigen Klavierstücken.

Fällt Dir eine besonders schöne, lustige oder traurige Anekdote ein?

Anja wollte ich die Zeit des Barocks näherbringen und erzählte ihr von den wichtigsten Komponisten dieser musikalischen Epoche. Nach einer viertel Stunde bat ich sie, die Namen zu wiederholen und aus Friedrich Händel ward „Franz Schändel“.

Vor zwei Monaten hat Hannah nach 13 Jahren Unterricht aufgehört. Sie ist meine erste Schülerin, die ihre gesamte Schulzeit zum Klavierunterricht gekommen ist. Irgendwie ist die Zeit wie im Flug vergangen und ich kann gar nicht glauben, dass Hannah schon erwachsen ist.

Die fünfjährige Celine stülpte mir in einer unserer ersten Klavierstunden ihr Nasenloch über einen meiner Finger, als ich ihr meine Hände präsentierte.

Mein Tageshund Luuk hat meinen Schülern und mir schöne und anstrengende Momente beschert. Hier zum Beginn der Pubertät mit einem sehr vorwurfsvollem Blick. Rechts mein Klavierschüler Niclas, der die Klavierstunde seiner Schwester für ein (nicht sehr bequemes) Powernapping nutzte.

Niclas

Was würdest Du Berufsanfängern gern mit auf den Weg geben?

Alles in Frage stellen, immer wieder Neues ausprobieren und auf keinen Fall denken, dass das, was bei euch funktioniert hat auch bei anderen funktioniert. Jeder Schüler ist anders. Die Pädagogik ändert sich ständig – genau wie die Menschen und ihre Bedürfnisse.

Eure Sandra

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