Klavierlehrer-Interview #7 – Irina Woronow

© privatWo und seit wann unterrichtest Du?

Mein Name ist Irina Woronow und ich arbeite seit ca. 20 Jahren als Klavierlehrerin. In der Musikschule Grünstadt und in meinem Klavierstudio in Mannheim.

Wen und was unterrichtest Du?

Bei mir sind alle willkommen, die Klavierspielen lernen wollen – unabhängig davon, ob sie nur „für sich“ spielen möchten oder die Musik später zu ihrem Beruf machen wollen. Ich fange mit vierjährigen Kinder an bis hin zu Erwachsenen im Gruppen- und Einzelunterricht. Ich habe zwar Klassik studiert, bin aber für andere Stilrichtungen offen.

Was sind Deine wichtigsten Ziele im Unterricht?

Ich möchte mit meiner Arbeit unter anderem einen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung der Kinder zu leisten. Mir ist es wichtig, über das Musikalische hinaus, soziale und menschliche Kompetenzen zu fördern. 

Was gefällt Dir an Deinem Beruf am meisten?

Dieser Beruf ist sehr vielfältig. Man ist nicht nur Klavierlehrerin, sondern auch Künstlerin, Therapeutin, Erzieherin, und manchmal auch eine Freundin, der man sein Herz ausschüttet. Die grauen Zellen müssen die ganze Zeit in Bewegung bleiben. Das ist zwar manchmal ziemlich anstrengend, aber nie langweilig.

Unterrichtest Du ausschließlich oder hast Du noch weitere Beschäftigungsfelder?

Ja, ich bin noch als Autorin und Seminarleiterin tätig.

Dazu folgende Historie. Meine pianistische Ausbildung habe ich nach dem russischen System erhalten. Es war ein ziemlich langes, anspruchsvolles Studium, verbunden mit viel Disziplin und Ausdauer. In Deutschland habe ich als zweites Fach „Elementare Musikpädagogik“ an der Hochschule für Darstellende Kunst und Musik in Mannheim studiert. Das hat mich auf die Idee gebracht, die strenge russische Lehrmethodik mit den spielerischen Ansätzen der Elementaren Musikpädagogik zu verbinden. Und so ist meine Klavierschule „Verliebte Giraffe“ für den Klavierunterricht mit Kindern entstanden. Da diese Klavierschule durch ihre stark ausgeprägte elementare Konzeption etwas aus der Reihe tanzt und für die Kollegen ohne „elementare Erfahrungen“ etwas ungewöhnlich sein mag, biete ich regelmäßig verschiedene Klavierseminare an. Diese geben einen Einblick in das Konzept der Klavierschule und behandeln einige wichtige Themen der Kinderklavierpädagogik, z.B. komplexe Themen wie „Gruppenunterricht mit den Klavieranfängern“, oder „Klavier ab vier“.

Welche Hefte sind aus Deinem Unterricht nicht wegzudenken?

Meinen Unterrichtsstil würde ich als kreativ und aufgeschlossen bezeichnen. Deshalb verwende ich in meinem Unterricht verschiedene Werke. Meine Klavieranfänger fangen in der Regel mit meiner Klavierschule an. Danach orientiere ich mich am Alter, an der Begabung des Kindes und auch an den persönlichen Vorlieben und Wünschen. Gerne benutze ich Kompositionen von Daniel Hellbach, Sandra Labsch, Ludovico Einaudi, „Top Chats“ – Sammlungen (Hage Verlag), „Tastenkrokodil“, „Toll in Moll“ und natürlich Originalwerke von verschiedenen klassischen Komponisten wie Chopin, Mozart, Bach usw.

Welche Kriterien hast Du an Noten?

Sehr individuell …, es kommt auf den Schüler an. Kinder brauchen mehr spielerischen Anreiz, als Jugendliche oder Erwachsene. Da sind oft Illustrationen hilfreich. Ich bin immer dankbar für gute Fingersätze und pädagogische Anregungen.

Wer oder was inspiriert Dich oder hat Dich geprägt?

Ich habe eine exzellente Ausbildung genossen. Sowohl in meiner Heimat als auch in Deutschland. Diese Zeit hat für mich eine wichtige Rolle gespielt. Ich hatte viele interessante Begegnungen mit Menschen aus der ganzen Welt, wurde von den innovativen Ideen inspiriert u.v.a.m.. Außerdem besuche ich mindestens zwei, drei mal im Jahr verschiedene Fortbildungen, um meinen musikalischen Horizont zu erweitern und weitere Ideen zu sammeln.

Gibt es einen Themenbereich, mit dem Du Dich noch näher beschäftigen möchtest?

Ja, im Moment sind zwei neue Bücher zu den Themen, die mich sehr interessieren, im Entstehen. Einmal das „Tasten-Mosaik“ – eine Sammlung von kreativen Ideen und Anregungen für die musikalische Arbeit mit kleinen Kindern ab ca. 4 Jahren und „Move to the Groove“ – ein spannendes Kunstprojekt mit dem tollen Klavierpädagogen und Jazzpianisten Jörg Schöllhorn. Dieses Buch ist eine Anleitung zur Improvisation für Klavier und elektronische Tasteninstrumente (Keyboard, Synthi) für Kinder ab ca. 10 Jahren. Beide Bücher erscheinen im Herbst 2016.

Fällt Dir eine besonders schöne, lustige oder traurige Anekdote ein?

Vielleicht diese kleine Geschichte, die ich sehr schön finde. Ich habe einen jungen, hochbegabten Schüler – Mathis. Er ist vor kurzem 5 Jahre alt geworden, ist sehr eigenwillig, unglaublich intelligent (er hat sich z. B. ganz allein mit vier Jahren Noten im Violin- und Bassschlüssel beigebracht), hat das absolute Gehör und ist auf jedem Konzert mit seinen Darbietungen wie „Türkischer Marsch“ von W. A. Mozart, oder „River flows in you“ von Yiruma der Publikumsliebling. Zur Zeit hat er eine Phase, in der nur das Tempo eine wichtige Rolle spielt. Und zwar je schneller, desto besser. Dabei treten Klangqualität und richtige Handhaltung in den Hintergrund. Er spielt, macht Fehler, korrigiert sich, spielt weiter und  weiter, bis das Stück zu Ende ist. Also ein absoluter akustische Horror, der Alptraum eines jeden Lehrers. Verbesserungsvorschläge – Fehlanzeige. Ich war wirklich ziemlich verärgert und ratlos, das er alle Ratschläge in den Wind schlug und wollte meine Gefühle nicht mehr verbergen. „Weißt du was, Mathis“, habe ich ihm gesagt. „Dein Spiel ist kein Genuss. Meine Ohren tun mir richtig weh. Jedes Mal, wenn du dich verspielst, bekomme ich ich einen Stich. Schön, dass die Stunde zu Ende ist.“ Eine Woche später kam Mathis wieder, spielte sein Stück und sagte: „Heute haben deine Ohren aber nur einmal weh getan, stimmt’s?“

Was würdest Du Berufsanfängern gern mit auf den Weg geben?

Man braucht viel Idealismus für diesen Beruf. Man muss Geduld und Durchhaltevermögen mitbringen, bereit sein, mit eingeschränktem Budget, nicht immer optimalen Räumlichkeiten und Instrumentarium zurecht zu kommen. Man muss flexibel, anpassungsfähig sowie diplomatisch sein aber darf dabei trotzdem sein Ziel nicht aus den Augen verlieren. Wenn man es schafft, alles unter einen Hut zu bringen, dann wird man dafür natürlich durch leuchtende Kinderaugen und ihr fröhliches Lächeln reichlich belohnt.

Mehr über Irinas Arbeit erfahrt ihr auf

irinaworonow-klavier.de

Verliebte Giraffe Collageerscheint demnächst:

© Irina Woronow

Habt ihr Lust, Euch auf dem Klavierunterricht-Blog vorzustellen? Hier sind die Interview-Fragen als: Word-Dokument und als PDF. Ich freue mich auf Euer Interview via Mail an:


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Ein Gedanke zu „Klavierlehrer-Interview #7 – Irina Woronow

  1. Carina

    Liebe Irina,

    deine „Tipps“ für die Berufsanfänger finde ich unglaublich schön treffend und formuliert!
    Viel Erfolg mit den beiden Buchprojekten und hoffentlich klappt das mal mit einem Giraffen-Seminar bei dir.

    Liebe Grüße,
    Carina

    Antworten

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