Klavierlehrer-Interview #10 – Juan Cabeza Hernández

Wo und seit wann unterrichtest Du?

In den letzten zwei Jahren meiner künstlerischen Klavierausbildung habe ich begonnen, selbst zu unterrichten – vor nun fast zwei Jahrzehnten. In dieser langen Zeit hat sich mein Unterricht fast komplett gewandelt. Begonnen habe ich in der Weise, wie ich selbst das Klavierspielen erlernt habe. Aber nach und nach wurde mir bewusst, dass dies nicht notwendigerweise der beste oder einzige Weg ist. Im Moment unterrichte an der sehr angesehenen “Katarina Gurska School of Music” (Madrid, Spanien),  an welcher ich meine pädagogischen Ideen mit der Unterstützung meiner Kollegen und Kolleginnen weiterentwickeln kann.

Wen und was unterrichtest Du?

Ich gebe Einzel- und Gruppenunterricht. Die meisten meiner Schüler sind zwischen 6 und 14 Jahren alt. Besonders die Arbeit mit Anfängern bereitet mir viel Freude und ich liebe es, ihnen eine solide, grundständige Ausbildung zu geben. Ich unterrichte meine Schüler in klassischer Musik, aber ich versuche, ihnen die Musik auf eine globale, umfassende Weise nahezubringen. Meine Schüler sollen später selbst wählen können, ob sie sich der klassischen Klavieraufführung, der Komposition, dem Jazz, dem Pop oder einem anderen Stil widmen wollen.

In meinem Unterricht versuche ich, sowohl der Arbeit an Klavierstücken als auch dem Blattspiel, der Improvisation und spieltechnischen Übungen einen Raum zugeben. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Schüler sehr davon profitieren, wenn sie die Möglichkeiten haben, sich einem Musikstück oder einem musikalischen Konzept auf vielfältige Art und Weise zu nähern. Aus diesem Grund biete ich eine Fülle von Aktivitäten an, um das Wissen und die Fähigkeiten meiner Schüler zu verknüpfen und zu verstärken.

Was sind Deine wichtigsten Ziele im Unterricht?

Ich habe zwei Hauptziele, die ich während einer Klavierstunde verfolge: Ich möchte, dass meine Schüler nach der Stunde Lust haben, ihre Stücke zu üben und ich möchte, dass sie genau wissen, wie sie das zu Hause tun können.  Meiner Erfahrung nach stellt sich die Lust zu üben nur ein, wenn in der Klavierstunde viel Musik gemacht wird. Quält eure Schüler nicht mit zu viel mit Notenlesen oder technischen Herausforderungen. Zeigt ihnen, wie man Klavier spielt.

Da ich meine Schüler nur einmal in der Woche sehe, ist es sehr wichtig, dass sie zu Hause effizient üben. Meiner Meinung nach ist der einzige Weg, das zu erreichen ist, ihnen realistische und motivierende Aufgaben zu geben. Wenn meine Schüler Lust haben, zu üben und wissen, wie das funktioniert, wird sich automatisch Lernerfolg einstellen und sie werden mit Freude dabei bleiben.

Was gefällt Dir an Deinem Beruf am meisten?

Ich liebe es, zu unterrichten und ich liebe das Klavier als Instrument. Klavier zu unterrichten ist für mich der schönste Beruf, den ich mir nur vorstellen kann. Jeder Schüler ist anders und jede Unterrichtsstunde so unterschiedlich, es ist eigentlich unmöglich, dass sich irgendwann Langeweile einstellt. Seitdem ich meine Fähigkeiten als Lehrer immer weiter verbessere, kann ich den Unterricht viel mehr genießen. Am Anfang war das nicht so. Ständig denke ich über neue Möglichkeiten nach, mein Wissen und mein Können als Lehrer zu optimieren und ich probiere neue Aktivitäten aus. Auch das Repertoire verändert sich – in diesem Bereich gibt es immer wieder Neues zu entdecken. Der Beruf ist so kreativ.

Unterrichtest Du ausschließlich oder hast Du noch weitere Beschäftigungsfelder?

Ich habe lange Zeit verschiedene Chöre und Sänger begleitet aber nun widme ich mich ganz der Klavierpädagogik. Neben dem Unterrichten schreibe ich einen (spanischsprachigen) Blog über das Thema Klavierpädagogik. Megustaelpiano (megustaelpiano.com) heißt dieser. Hier stelle ich neue Literatur vor, teile meine Inspirationsquellen und schreibe über Unterrichtsstrategien und weitere Aspekte und Ideen zum Thema Klavierpädagogik.

Desweiteren bin ich Autor von aktuell drei Klaviernotenheften: 2016 ist mein erstes Heft mit Pattern-Etüden erschienen, welches unter dem Titel “Fingertraining für Entdecker” als gedrucktes Heft (mit Übetipps-PDF) im ZauberKlavier-Shop erhältlich ist. Die Original-Version heißt “Piano Train Trips” und ist, wie auch meine beiden neue Hefte “Diversions 1 & 2” als digitaler Download bei pianosafari.com zu bekommen.

Klavierstücke zu komponieren ist eine relativ neue Leidenschaft von mir und ich arbeite bereits an weiteren Heften.

Juan Cabeza Hernández Fingertraining für Entdecker, Diversions

Welche Hefte sind aus Deinem Unterricht nicht wegzudenken?

Ich benutze viele verschiedene Notenhefte in meinem Unterricht und einige davon nahezu täglich. Die Klavierschule meiner Wahl heißt “Piano Safari” (pianosafari.com). Die Kombination aus Imitationslernen, der Ansatz des Intervalle-Lesens und die verschiedenen spieltechnikbasierten Bewegungen sind perfekt für meinen Unterricht. Mein Lieblingskomponist ist William Gillock. All seine Stücke sind fantastisch und ich liebe seine Hefte. Ich verwende außerdem den „Technik Trainer“ (klavier-tt.de) von Jackie Sharp und die Piano Safari’s Sightreading Cards. Zum Improvisieren sind die Bücher von Forrest Kinney  (forrestkinney.com) meine erste Wahl.

Wer oder was inspiriert Dich oder hat Dich geprägt?

Meine Arbeit als Pianist und Klavierpädagoge haben meine eigenen Lehrern, einige Bücher und Pädagogen wie Julie Knerr, Katherine Fisher, Elissa Milne, Tim Topham, Katarina Gurska, Sally Cathcart, Sharon Mark-Teggart, Richard Chronister, Paul Harris und Forrest Kinney positiv beinflusst. Ihre Ideen haben mich sehr inspiriert und meinem Unterricht eine andere Richtung gegeben. Meiner deutschen Lehrerin Uta Weyand danke ich von Herzen für ihr Wissen über Klaviertechnik und die Kunst des Auftretens.

Was würdest Du Berufsanfängern gern mit auf den Weg geben?

Als ich in meinen Zwanzigern begonnen habe zu unterrichten, wäre ich für jeden Rat dankbar gewesen, denn über Klavierpädagogik wusste ich so gut wie kaum etwas. Rückblickend hätte ich mich über einen Rat wie diesen am meisten gefreut: Ein Lehrer bist nur nur, wenn ein Schüler etwas lernt. Wenn deine Art, etwas zu unterrichten nicht funktioniert, versuche es auf eine andere Weise. Ein guter Lehrer hat die Werkzeuge, den Lernprozess für einen Schüler spannend und erfolgreich zu gestalten – also bleibt leidenschaftlich, neugierig und kreativ.

Heute haben wir das Glück, durch das Internet auf so viel Wissen und tolle Ressourcen zurückgreifen zu können. Das Netz ist voller guter Seiten, die uns Lehrern helfen, uns weiterzuentwickeln. Wir finden viel unserer Fragen beantwortet und haben unzählige Möglichkeiten, neue Ideen kennenzulernen.

Mehr über Juans Arbeit erfahrt ihr auf

megustaelpiano.com


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Ein Gedanke zu „Klavierlehrer-Interview #10 – Juan Cabeza Hernández

  1. Christine

    Liebe Sandra und lieber Juan,

    danke für das tolle Interview, sehr informativ und inspirierend!
    Liebe Grüsse von Christine.

    Antworten

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