Klavierlehrer-Interview #9 – Linda Dillmann

Foto Linda DillmannWo und seit wann unterrichtest Du?

Dieses Jahr sind es genau zwanzig Jahre. Ich habe bereits vor Beginn meines Studiums unterrichtet, und schlidderte da eher zufällig rein, weil der Bruder einer Klarinettenschülerin eine Klavierlehrerin suchte. Aber schon nach kurzer Zeit wusste ich, dass es genau das ist und liebte das Unterrichten.
Zur Zeit unterrichte ich in Heusenstamm bei Offenbach meine Privatschüler. An einem Nachmittag pro Woche unterrichte ich zudem in der Freien Musikschule Rodgau.

Wen und was unterrichtest Du?

Ich unterrichte alle Schwierigkeitsstufen, fast immer im Einzelunterricht. Zwei Sechsjährige bilden zur Zeit die Ausnahme. Sie haben gemeinsam Unterricht, das kann ganz schön schweißtreibend sein, damit beide beschäftigt sind und sich nicht langweilen, ist aber auch sehr ergiebig.
Mein Schwerpunkt ist die Klassik, aber auch Popmusik und Ähnliches findet ihren Raum. Im Verlauf des Erlernens von Musiktheorie kommt auch Improvisation vor, und ich ermutige und unterstütze meine Schüler auch, sich auszuprobieren und selbst zu schreiben.

Was sind Deine wichtigsten Ziele im Unterricht?

Eines meiner Ziele ist, „mich überflüssig zu machen“, sodass der Schüler sich irgendwann Stücke selbst erarbeiten kann.
Das zweite wichtige Standbein ist es, „Musik zu machen“, und nicht nur Töne zu spielen. Denn Perfektion beeindruckt nur für kurze Zeit, aber Musikalität bewegt Menschen, und man überhört gerne, wenn auch mal ein Finger danebengreift.

Was gefällt Dir an Deinem Beruf am meisten?

Kinder und Erwachsene zu begleiten und sie zu prägen. Ihnen gute Grundlagen mitzugeben, begeistert ihre Entwicklung mitzuverfolgen.

Unterrichtest Du ausschließlich oder hast Du noch weitere Beschäftigungsfelder?

Ich singe selbst (Mezzosopran) und leite außerdem zwei Chöre und einen Kinderchor.

Welche Hefte sind aus Deinem Unterricht nicht wegzudenken?

Die Europäische Klavierschule, wenn sie zum Alter und zum Schüler passt.
Allgemein passe ich das aber auf den Schüler an. Ich beginne häufig mit den gleichen Grundlagen, und schwenke dann zu dem Heft, das meiner Meinung nach am besten zum Schüler, seinem Alter und ggf. zu seinen Vorkenntnissen passt.

Welche Kriterien hast Du an Noten?

In diesen Punkten ist für mich die Europäische Klavierschule (Fritz Emonts) ein wunderbares Beispiel. Liebevolle, farbenprächtige Illustrationen, aber nicht überladen. Ein guter Aufbau, durchdacht. Es ist abwechslungsreich und baut, von zwei Stellen abgesehen, gut aufeinander auf. Man kann aber auch springen, wenn ein Schüler ein flottes Tempo vorlegt.
Für jüngere Schüler bin ich auch von der „Tastenzauberei“ (Aniko Drabon) sehr begeistert.

Wer oder was inspiriert Dich oder hat Dich geprägt?

Das Buch „Eine Klavierstunde“ von Alla Schatz.
Meine Gesangsprofessorin Anna Maria Dur: „Einfach tun!“
Isaac Stern: „Das größte Verbrechen eines Musikers ist es, Töne zu spielen statt Musik zu machen.“

Gibt es einen Themenbereich, mit dem Du Dich noch näher beschäftigen möchtest?

Die Gratwanderung zwischen kreativ-spielerischem und konventionellerem Unterricht ist lohnenswert, das möchte ich noch weiter ausbauen.
Weiterentwickeln möchte ich mich einfach allgemein. Ich unterrichte heute nicht mehr wie damals mit 18, und möchte mit Ende Fünfzig auch nicht erkennen müssen, dass ich mich nicht weiterentwickelt habe… 😉

Fällt Dir eine besonders schöne, lustige oder traurige Anekdote ein?

Julia, damals 9 Jahre alt, die jahrelang nie Jeans trug, kam herein und ich war ganz erstaunt: „Julia – du trägst ja Jeans!“ – „Ich hab‘ zur Mama gesagt, die Linda merkt das sofort!“
Welch eine Ehre – welch ein Vertrauen – und welch eine Verantwortung!!

Was würdest Du Berufsanfängern gern mit auf den Weg geben?

Wir füttern keine Computer mit einem Programm; wir unterrichten den ganzen Menschen. Musik ist etwas Ganzheitliches, und so muss auch der Unterricht sein.
Lernt von euren Schülern! Nehmt jeden Unterricht auch als wunderschöne Lektion für euch selbst.

Mehr über Lindas Arbeit erfahrt ihr auf

LindaDillmann.vpweb.de

Kompositionen von Linda Dillmann:

Querschnitt des Singspiels „Justus“
Querschnitt des Musicals „Die Stärke der Schwachen“


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