EPTA-Seminar 2014 in Fulda #1 – Sandra

© Sandra LabschHeute am frühen Nachmittag sind Carina und ich in Fulda angekommen. Bis einschließlich Sonntag findet hier in der Barockstadt das EPTA-Seminar „Aller Anfang ist…“ statt.

Der erste Tag der Tagung ist vorüber und ich habe nach nur vier Vorträgen das Gefühl, meine Gedanken kaum noch sortieren zu können. Also gibt es eine Spätschicht und ein witziges Vorhaben, denn Carina und ich schreiben parallel über unsere Eindrücke des heutigen Tages. Nur in Kurzform – es ist bereits jetzt kurz vor 11 in der Nacht. Carina hat mich gebeten, die Einleitung zu schreiben, deshalb gibt es zuerst meine Impressionen vom heutigen Tag. Carinas Eindrücke findet ihr im vorherigen Blogbeitrag.

Erst seit wenigen Monaten bin ich Mitglied der EPTA, auch wenn mir der Verband schon im Studium ans Herz gelegt worden ist. Die Abkürzung EPTA bedeutet „European Piano Teachers Association“. „Verband europäischer Klavierlehrer“ würde man das wohl übersetzen. Über die EPTA wird es noch einen gesonderten Artikel geben, deshalb gehe ich heute nicht näher auf den Verband und seine Geschichte ein. Das diesjährige Seminar ist meine erste EPTA-Veranstaltung überhaupt.

Wir befinden uns in Fulda und die Kapelle des Vonderau Museums am Jesuitenplatz wurde der EPTA für das Seminar zur Verfügung gestellt. Etwa 100 Anmeldungen gab es für dieses Wochenende und ich freue mich sehr über die familiäre Atmosphäre. Meine Sorge, dass Carina und ich den Altersdurchschnitt deutlich senken würden bestätigte sich nicht. Im Gegenteil, ich habe einige junge Gesichter gesehen.

© Breitkopf - CoverDie Veranstaltung wurde am heutigen Freitag um 16:00 Uhr eröffnet. Der erste Vortrag beschäftigte sich dem Thema, ob es sinnvoll ist, schon im Vorschulalter mit dem Instrumentalunterricht zu beginnen. „Je früher desto besser“ oder „einfach noch zu früh?“ – Didaktische und psychologische Überlegungen zum Frühinstrumentalunterricht. Der Referent Dr. Michael Dartsch ist Professor für Musikpädagogik an der Hochschule für Musik Saarbrücken. Von ihm gibt es mehrere Publikationen bei Breitkopf & Härtel und sein Buch „Musik lernen – Musik unterrichten“ interessiert mich sehr.

Der Vortrag von Dr. Michael Dartsch war inspirierend und hat in mir einige Überlegungen geweckt. Ich bin neugierig, wie sich die einzelnen Punkte auf meinen Unterricht auswirken. Auf jeden Fall werde ich mich mit dem Thema „Lernen durch Nachahmung“ auseinandersetzen. Bisher habe ich diesem Ansatz sehr wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Mehr verrate ich nicht, denn Carina wird sich dem Thema noch einmal ausführlicher annehmen.

© Breitkopf - CoverAls nächstes hat uns Bettina Schwedhelm einen Einblick in Ihr Lehrwerk „Wache Finger – wache Ohren“ gegeben. In diesen Heften dreht sich alles um das Thema Elementare Klaviertechnik. Zwei Schülerhefte bieten zahlreiche Spiel- und Übungsmaterialien zu diesem Thema. Ein Lehrerkommentar gibt dem Lehrer methodisch-didaktische Anregungen für den systematischen Aufbau der elementaren Klaviertechnik in seinem Unterricht. Und vor allen Dingen – man kann sich die Bewegungen auf der beigefügten DVD  sehr genau anschauen. Bettina Schwedhelm hat einige Tracks der CD angespielt und uns eine Reihe von Spieltechniken vorgestellt. Die Fülle der Informationen war enorm. Ich hatte oft den Gedanken, dass meine Schüler wohl eher wenig Interesse an solch „trockener Spieltechnik“ haben. Aber vielleicht finden sie das Thema aber auch ganz spannend?

Auf jeden Fall habe ich großes Interesse an dem Thema Spieltechnik! Denn auf diesem Gebiet ist bei mir noch einiges an Entwicklungspotential vorhanden.  🙂 Ich habe mich mit Carina unterhalten, welche Techniken bzw. Anschlagsarten ihre Schüler lernen. Wir unterrichten ganz verschieden, aber jeder für sich stimmig. Und mittlerweile glaube ich, dass es nicht DIE richtige Technik gibt. Jeder Lehrer muss seinen eigenen Stil finden und sich den Bedürfnissen seiner Schüler anpassen. Ich unterrichte ganz bewusst nur Anfänger. Wir brauchen keine zehn verschiedenen Spieltechniken. Kennen würde ich trotzdem gern alle. 😉 Die Hefte bleiben auf meinem Wunschzettel! Neben Peter Feuchtwangers „Klavierübungen“ dürfte dies das einzige Heft mit einer DVD auf dem deutschen Markt sein.


© Karramba Production - Fotolia.comDer nächste Vortrag klang auf dem Papier für mich nicht wirklich spannend. „Aller Anfang ist Ankommen. Haltung und Bewegung in Kampfkunst und Klavierspiel.“ Der Vortragende heißt Shinta Kato und er studiert an der HdK in Berlin Musik. Außerdem ist Shinta sehr erfolgreich in der japanischen Schwertkampfkunst namens Kendo.

Wie man sich doch irren kann… Das Thema hat mich fasziniert und ich werde noch einen ausführlichen Artikel darüber schreiben. Worum ging es? Shinta Kato ist nicht nur ein sehr guter Kendo-Sportler, er ist auch Pianist & Musiker. In dem Vortrag hat Shinda Kato versucht, Parallelen zwischen der Philosophie der Kendo-Kampfkunst und dem Instrumentalen Üben aufzuzeigen. Um Aufmerksamkeit und Achtsamkeit geht es. Darum, sich auf das Üben einzulassen um wirklich bei der Sache zu sein. Sogar um das Genießen ging es. Das werde ich nicht nur selbst ausprobieren, ich habe sogar schon konkrete Ideen, wie ich diese Ideen in meinen Unterricht einbringen kann.

© Artem Zamula - Fotolia.comDer letzte Vortrag des Abends war sehr musikalisch. Wirklich beeindruckend musikalisch. „Aleatorische Etüden für Klavier“ hat uns der in Köln lebende brasilianische Pianist Paulo Alvares nähergebracht. Bei den Aleatorischen Etüden handelt es sich um Improvisationen. Diese Improvisationen zeichnen sich durch das ständige Variieren von Materialien aus und versinken nicht in Beliebigkeit. Über dieses Material haben wir etwas erfahren.

Für meinen Geschmack viel zu wenig. 😉 Ich hätte alle Ideen am liebsten schriftlich gehabt und hoffe, dass es in absehbarer Zeit eine Publikation von Prof. Paulo Alvares geben wird. Er unterrichtet Improvisation und Klavier an der Hochschule für Musik und Tanz Köln. Auch drei vierhändige Improvisationen wurden gespielt. Dafür hat Paulo Alvares einen seiner Studenten mitgebracht. Ein Dankeschön an Jure Gorucan! Die Darbietung war sehr stimmig und der Vortrag harmonisch. Wenn Paulo Alvares irgendwann einen Workshop anbietet, bin ich bestimmt dabei.

Carinas Eindrücke findet Ihr in diesem Artikel.
Über den zweiten Tag berichte ich hier.

Eure Sandra

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