Bühnenpräsenz für Schüler

© Jarenwicklund - Dreamstime.comEin Konzert kann ein wunderbares Lernziel und Erfolgserlebnis sein. Es steckt viel Fleiß und Engagement darin und es sollte ein schönes Ereignis für alle werden. Das wir inhaltlich alles gut vorbereiten ist klar – doch wie viel Aufmerksamkeit widmen wir der Präsentation? Ich möchte meine Schüler da vorne glücklich und überzeugend in ihrem Vortrag sehen und habe beim Schreiben festgestellt, dass eine gute Bühnenpräsenz von langer Hand vorbereitet werden möchte.

Zuerst die Punkte, auf die ich generell im Unterricht achte:

1. Spielbewegungen: Natürliche Spielbewegungen (in Maßen) zeigen, dass der Musiker die Musik verstanden hat und durch sich zum Klingen bringt. Richtige Töne sind schön, aber eben „nur“ die Grundlage für die musikalische Arbeit. Ein sanftes Schwingen/ Mitgehen des Oberkörpers sieht überzeugend aus – ein stocksteifes Sitzen wirkt sehr ängstlich und fremdbestimmt. Selbst als Zuhörer/ Zuschauer empfinde ich dies als unangenehm.

2. Ungewollte/ Unbewusste Bewegungen: Habt ihr schon einmal Schüler gehabt, die beim Spielen den Mund offen hatten? Oder wo die eifrige Zunge heraus guckte? Ihr kennt bestimmt dieses zählende Wippen mit dem Kopf oder dem ganzem Oberkörper. Der offene Mund wirkt leider ein wenig dümmlich – so möchte ich keinen meiner Lieben auf die Bühne schicken! Also mache ich sie taktvoll darauf aufmerksam, was da in ihrem Gesicht passiert. Meist braucht es mehrere Erinnerungen, doch dann hat sich diese Eigenheit bald gelegt. Das wippende Zählen hat einfach zwei große Nachteile, zum einen ist so kein Spannungsaufbau möglich und zum anderen hindert es den Schüler daran, ein ganzes Stück oder eine Stelle in Zukunft im Endtempo zu spielen. Für das Wippen ist bei schnelleren Tempi keine Zeit.

3. Gute Sitzhaltung: Dies ist eine Grundvoraussetzung für musikalisches und technisch freies Spielen. Und Schmerzprävention! Ich werde nicht müde das aufrechte Sitzen in geeigneter Höhe zu erklären. Im Dreipunktsitz, beide Beine stehen fest auf dem Boden und wir sitzen auf der vorderen Hälfte der Klavierbank. Besonders den Teenies fällt es wahnsinnig schwer. Wohin mit diesem immer länger werdenden Körper? Gerade sitzen ist völlig uncool… Aber sehr wichtig und eine Trainingssache. Die ganze Ausstrahlung gewinnt dadurch an Selbstvertrauen. Die kleinen Kinder spielen mit stapelbaren Fusshockern, denn baumelnde Füßchen sorgen für eine instabile Haltung und lenken ab.

4. Pedalgebrauch: Ein geräuschvoller Einsatz des Pedals stört den Vortrag. Es gibt Instrumente, die das unkontrollierte Hochschnellen des Pedals abfedern, bei anderen knallt es. Generell achte ich darauf, dass der Fuß immer in Kontakt mit dem Pedal bleibt. In der letzten Stunde frage ich nach dem geplanten Schuhwerk – diese teuren und heiß geliebten Fellstiefel oder dicke Turnschuhe haben eine so starke Sohle, dass kein Gefühl für das Pedal möglich ist. Am Besten zu Hause beim Üben testen lassen. Sollte das Pedal des Konzertinstrumentes besonders hoch oder tief sein, mache ich beim Einspielen darauf aufmerksam. Und zu guter Letzt – beim Schlussakkord verlassen die Finger das Instrument zusammen mit dem Pedalfuß! Ausnahme mag ein pompöser, sehr energischer Schlussakkord sein, doch die Regel ist es nicht. Es wirkt nicht stimmig – die Finger haben die Tasten verlassen doch der Klang ist noch da.

5. Schlussakkord: Gerade hab ich ihn schon angesprochen, der Schlussakkord ist sehr wichtig. Meinem Empfinden nach kann dieser zum absolute Stimmungskiller werden. Da schwebt man in einer wunderbaren Musikwolke und wird äußerst unsanft durch einen abgehackten Schluss zurückgeholt. Bäh! Mag ich gar nicht. Oft können diese Töne auch länger als notiert gehalten werden. Das wirkt einfach professionell und lässt den Zuhörer wieder ankommen. Die Schlusstöne sind das letzte was das Publikum hört und man kann vorher noch so schön gespielt haben – ein eilig abgebrochener Schlussklang wirkt unsicher, halbherzig und kann den positiven Eindruck des Vortrags schmälern.

Direkt vor dem Konzert geht es um folgende Punkte:

6. Die Sicht des Publikums: Damit ich die Gesamtwirkung besser einschätzen kann, setze ich mich die letzten Stunden vor dem Konzert etwas weiter weg, quasi „ins Publikum“. Dabei achte ich auf die hier erwähnten Details.

7. Die Räumlichkeit: Falls ich den betreffenden Flügel und den Saal/Raum noch nicht kenne, teste ich ihn an. Vor dem Konzert spreche ich die Eigenheiten mit meinen Schüler an.

8. Einspielen: Teilweise überlegen wir schon in der letzten Stunde, welche Stellen sich gut zum Einspielen und Testen eignen, so geht uns keine Zeit vor Ort verloren. Unsichere Spieler bekommen mehr Zeit und spielen ihr Stück oft ein zweites Mal durch. Das Anfang und Ende eines Stückes beim Einspielen gut laufen, finde ich aus psychologischer Sicht wichtig.

9. Kleidung: Die Schüler sollen sich darin gut und sicher fühlen, doch ein wenig schicker als an einem normalen Tag darf es schon sein. Dies zeigt, dass man das Konzert als etwas Besonderes wahrnimmt und sich gut darauf vorbereitet hat. Es darf auch flippig und  bunt sein und den Charakter des Schülers unterstreichen. Hauptsache nicht 08/15 Straßenkleidung.

10. Verbeugen: Das übe ich mit meinen Schülern noch einmal in der letzten Stunde, außer es sind alte Hasen. Ich erkläre immer wieder, dass wir es aus Dankbarkeit und Wertschätzung tun. Wie genau das passiert überlasse ich jedem selber. Selbst wenn die Teenies nur einen Moment ins Publikum schauen und leicht mit den Kopf nicken – alles prima. Doch einfach so im Applaus verschwinden ist einfach unhöflich. Wenn dass passiert, hole ich den flüchtenden Schüler noch einmal nach vorn und verbeuge mich mit ihm zusammen.

Ein letzter Tipp: In der letzten Woche rate ich meinen Schülern, das Vorspielen zu üben. Erst normales Übeprogramm, aufstehen, kurz herum laufen oder einen Schluck trinken, dann ans Klavier und das Stück einem gedachten Publikum vorspielen. Gern auch noch einmal zu einem späteren Zeitpunkt. Denn genau das ist die Situation im Konzert. Es fühlt sich anders an wenn man 20 Minuten auf der Bank gesessen hat oder nicht…

Ich wünsche euch und euren Schülern gelungene Konzerte, die Freude machen und motivieren. Viel Spaß dabei!

Carina

Mehr über Carinas Arbeit erfahrt ihr auf www.pianostudioratingen.de


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