Gedanken #9 – Neue Klavierschule „Verliebte Giraffe“ & Sight Reading-Hefte Teil 1

Hallo Ihr Lieben,

die Zeit verfliegt und die Wochen vor Weihnachten scheinen besonders kurz zu sein. Ich habe gerade den ersten Plätzchenteig vorbereitet & kaltgestellt und habe das Bedürfnis, in diesem Jahr unbedingt noch ein paar Freunde treffen zu wollen. Ganz so als gäbe es sie nächstes Jahr nicht mehr. Das muss wohl das Besinnliche an der Advents- und Weihnachtszeit sein. 🙂

Mein Blog kommt wieder viel zu kurz. Ich wollte Euch unbedingt von einer neuen Klavierschule für Kinder ab 5 Jahren berichten. „Verliebte Giraffe“ heißt diese und im Sommer ist der zweite Teil erschienen. Anfang November habe ich die Autorin Irina Woronow bei ihrem Seminar „Anfänglicher Klavierunterricht mit Kindern in Gruppen“ erlebt und bin begeistert von der charmanten, herzlichen und mitreißenden Art & Weise, wie sie Musik vermittelt.

Ich habe mich mit Irina unterhalten und mir erzählen lassen, was ihr bei der Entwicklung der Klavierschule wichtig war und welche wissenschaftlichen Erkenntnisse dem Konzept zu Grunde liegen. Irina hat mich ziemlich beeindruckt und inspiriert. Ich mache mehr Musik mit meinen Schülern, seitdem ich ihr Seminar besucht habe. Mein Stagepiano steht mittlerweile neben dem Flügel (und nicht mehr im Keller) und ich begleite meine Schüler (besonders die Anfänger), wo immer es möglich ist. Leider habe ich zur Zeit nicht so viele kleine Anfänger und damit wenige Gelegenheiten, die neue Klavierschule auszuprobieren, aber ich werde Euch demnächst mehr darüber berichten.

Am Wochenende war ich mit meinem Schatz in Tennenbronn im Schwarzwald. Er hat mir zum Geburtstag einen Aufenthalt im (Bio-) Gasthof Adler geschenkt. Die Wahl ist auf dieses Hotel gefallen, weil auf der Homepage ein Klavier zu sehen war und beim Frühstück dufte ich zwei Sprößlingen beim Üben & Spielen zuhören. Die Folge war die Erweiterung meines Wunschzettels um die Hefte „Von Elfen und Feen op. 38“ & „Erholung op. 37“ von Alec Rowley (Edition Peters) und „Ricos Jukebox“ Band 1 & 2 von Margret Feils & Günter Kaluza (Ricordi Berlin). Auch ein Heft von Andrew Lloyd Webber werde ich mir besorgen. „The Music of the Night“ hat mir sehr gut gefallen und ich bin gespannt, wie sich seine Kompositionen auf dem Klavier spielen lassen.

Wir haben schon den nächsten Aufenthalt gebucht und von mir eine ganz große Empfehlung für diesen schönen Gasthof mit seiner fantastischen Küche. Ich habe schon eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr so gut gegessen und wir freuen uns schon jetzt auf das nächste Schlemmerwochenende! 🙂

Vor etwa vier Wochen hat mich ein Schüler auf einen Gedanken gebracht, den ich gern schon ein paar Jahre zuvor gehabt hätte. Ich habe Sight Reading-Hefte für mich und meine Schüler entdeckt und die Arbeit damit ist ebenso lehrreich wie lustig. Die meisten Schüler beschäftigen sich doch viel zu wenig mit Noten- & Rhythmuslesen. Sie lernen ihre Stück und je nach Begabung spielen sie es mehr oder weniger schnell auswendig. Besonders erwachsene Schüler merken nach ca 1,5 bis 2 Jahren, dass ihre Fähigkeit, Noten zu lesen und umzusetzen nicht so entwickelt ist, wie sie es sich wünschen würden.

Natürlich – es fehlt die Praxis im Notenlesen. Eine Sprache lernt man auch nur fließend sprechen, wenn man immer und immer wieder übt. Ich habe mich definitiv zu wenig um diese Fertigkeit gekümmert – ich wußte auch nicht, wie. Nun bin ich dabei zu sichten, was der Sight Reading-Markt hergibt. Einige Hefte werde ich mir im nächsten Jahr noch zulegen, aber heute möchte ich euch bereits die ersten vier Hefte bzw. Serien kurz vorstellen. Britische Verlagen bieten eine große Auswahl an Sight Reading-Schulen an, denn wenn ich es richtig verstanden habe, finden in der britischen Instrumentalausbildung regelmäßig Prüfungen statt, in denen auch diese Fähigkeit unter Beweis gestellt werden muss. Alle nachfolgenden Hefte sind in Großbritanien erschienen.

Paul Harris „Improve your sight reading“
Verlag: Faber Music ©2008
insgesamt 9 Hefte / Pre-Grade 1, Grade 1 – 8
englisch – ca. 6-10 Euro pro Heft (Band 1 hat 40 Seiten)

Mein derzeitiger Favorit! Jedes Heft enthält über 100 Rhythmus- & Melodie-BlattSpiel-Übungen. Ab Heft 2 spielen beide Hände gleichzeitig. Der Aufbau ist klar und logisch, im Heft 1 gibt es 9 Kapitel (Stages), die sich jeweils bestimmten Themen und Bausteinen widmen. Stage 1: 4/4 Takt; Viertelnoten; Viertel Pausen; C-Dur. Stage 2: Halbe Noten; Kleine Sprünge. Stage 3: 3/4 Takt; Punktierte Halbe; G-Dur. Es gibt keine Illustrationen & Symbole, die ablenken. BlattSpiel-Tipps sind grau unterlegt. Die Seiten sind recht voll. Ein wenig mehr Platz zwischen den Übungen wäre schön gewesen, aber das ist auch das Einzige, was ich derzeit zu bemängeln habe. Sehr gut zum Selbststudium geeignet! Die schlichte Optik ist wahrscheinlich eher für Erwachsene gedacht.


Alan Bullard „Joining the Dots“
Verlag: ABRSM Publishing ©2010
insgesamt 5 Hefte / Grade 1 – 5
englisch – ca. 6-8 Euro pro Heft (Band 1 hat 32 Seiten)

Band 1 bietet Übungen & kleine Stücke in C-Dur, A-Moll, G-Dur, F-Dur, D-Moll und nur auf schwarzen Tasten. Jedes Kapitel beginnt mit einer Tonleiter („Key Features“), zwei „Workouts“, mehreren Ideen zum Improvisieren („Make Music“) und zwei Seiten BlattSpiel-Übungen („Read and Play“). Sieben Seiten mit Stücken schließen sich am Ende des Heftes an. Zu einigen Übungen ist ein Lehrer-Part notiert und die Improvisationsideen werden auch nur im Unterricht umzusetzen sein. Diese Hefte sind also nicht auf das Selbststudium ausgelegt.


Malcolm Riley & Paul Terry „Sight Reading Success“ (mit CD)
Verlag: Rhinegold Education ©2012
insgesamt 5 Hefte / Grade 1 – 5
englisch – ca. 6-10 Euro pro Heft (Band 1 hat 25 Seiten)

Ich empfinde das Heft als ziemlich textlastig und unübersichtlich. Alles wird erklärt. Was ist Rhythmus, was ist Puls, was bedeutet piano, forte u.s.w. Als Lehrer kommt man sich da ziemlich überflüssig vor und meiner Meinung nach gehören diese Erläuterungen in eine Klavierschule und nicht in eine BlattSpiel-Schule. Die CD-Stimme ist angenehm, aber es werden alle Texte mitgesprochen, die im Heft notiert sind. Bevor man sich also das Stück zur Kontrolle anhören kann, muss man sich immer wieder anhören, worauf man achten soll oder bekommt erklärt, wie etwas funktioniert. So kann man natürlich auch Leute zur Aufmerksamkeit bewegen. Wer den Text nicht lesen mag, muss ihn sich eben anhören! 😉

Die Tempi empfinde ich als eher stressig, immer mal wieder wird mitgezählt. Interessant, dass nie so richtig klar wird, wie lange der letzte Ton dauert. 1 – 2 – 3 – 4 wird gezählt und eben aufgehört. Warum nicht 1 – 2 – 3 – 4 – weg? Dann wäre klar, wann ein Takt zu Ende ist. Man hätte auch darauf achten können, dass der Taktanfang ein wenig lauter ist als die anderen Töne im Takt. Ein wichtiger Schritt auf dem Weg, Musik zu machen. Der Klavierton hallt nach und auch da frage ich mich immer wieder, was daran besser sein soll, als an einem Ton, der natürlicherweise aufhört, wenn man ihn loslässt. Ich lebe nicht in einem Konzertsaal.  🙄 Die (relativ wenigen) Stücke sind aber hübsch. Meine Schüler werden bestimmt einige zum Blattspielen vorgesetzt bekommen.


Pauline Hall & Fiona Macardle „Piano Time Sight Reading“
Verlag: Oxford University Press ©1996
insgesamt 3 Hefte
englisch – ca. 8-11 EUR pro Heft (Band 1 hat 28 Seiten)

Die Aufmachung der Hefte finde ich charmant. Immer wieder gehen Fußspuren durch’s Bild und ein paar Symbole bei jedem Stück sollen die Aufmerksamkeit auf bestimmte Aspekte richten. Ein Schlips (Tie) bedeutet beispielsweise, dass Haltebögen in der Übung sind. Sowohl Kinder als auch (junggebliebene) Erwachsene dürften sich vom Design angesprochen fühlen. Schon auf der zweiten Seite findet sich eine Übung in F-Dur und eine in G-Dur. Man muss also genau aufpassen, welcher Tonvorrat benötigt wird.

Bei der Übung 5 muss ich schmunzeln. Es ist eine Melodie im G-Schlüssel notiert, die sich im Fünftonraum bewegt und auf dem H mit dem dritten Finger beginnt. Als Frage steht darüber: Which hand plays? – Keine Ahnung… Oder bedeutet der Violin-Schlüssel automatisch, dass die rechte Hand zu benutzen ist? 😉 Auch die Zählerei ist immer mal wieder notiert. Ich glaube einfach nicht, dass das funktioniert. Eine Rhythmusübung geht: ONE – and TWO – and THREE – and FOUR. Halten Anfänger wirklich die Vier entsprechend lang aus? Paul Harris (Autor des ersten vorgestellten Heftes) unterlegt Rhythmusübungen immer mit dem Pulsschlag. Das finde ich sinnvoll. In Piano Time Sight Reading soll der Rhythmus geklatscht werden. Den Puls finde ich nicht erwähnt.

Vielen Übungen ist ein bestimmter Charakter bzw. Tempo wie „Sadly“ , „Marcato“, „Largo“ oder „Grazioso“ vorgegeben. Musik zu machen ist also wichtig. Nur an wenigen Stellen spielen beide Hände im ersten Band zusammen. Die Übungen sprechen mich klanglich aber nicht an. Wenn die Hand wechselt gibt es oft eine None oder eine Septime als Intervall. Auch wenn das einem Tonschritt nachempfunden ist – mir gefällt das nicht.

Mehr demnächst! 🙂

Eine gute Zeit,

Eure Sandra

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