Interessante Neuerscheinungen – Universal Edition #1

Als ich vor einigen Wochen die Verlage angeschrieben habe und um Informationen zu Neuerscheinungen bat, erhielt ich eine sehr herzliche Antwort von Frau Schwager vom Musikverlag Universal Edition, der in Wien ansässig ist. Nach weiteren Mails kann ich wirklich sagen, wie überrascht ich bin, wie viel Wert dieser Verlag auf Kundenkontakt, Rückmeldung, Vorschläge und Kritik legt.

Ich glaube, dass mein Blog vielen Verlagen unbequem ist und man gern auf eine ehrliche Meinung (besonders eine negative) verzichten würde. Um so mehr gefällt es mir, dass es Leute gibt, die konstruktive Kritik ernst nehmen und sie positiv nutzen.  🙂

Auch heute gibt es einen Artikel, in dem ich mir erst einmal einen Überblick über die Klavier-Veröffentlichungen des Verlags verschaffe. Das Programm ist sehr, sehr umfangreich, deshalb wird es mindestens zwei Artikel geben. Als Klavierlehrerin interessieren mich natürlich zuallererst die Klavierschulen, deshalb möchte ich damit beginnen. Neben Neuerscheinungen sind auch ältere Ausgaben dabei, ich finde aber leider keine Erscheinungsjahre der Hefte auf der Homepage. Besonders bei Klavierschulen finde ich die zeitliche Einordnung aber ausgesprochen wichtig. Das ist meine erste große Bitte!

2011 ist die zweibändige Klavierschule Piano Coach von Mike Cornick (je 22,95 inkl. CD) erschienen. Das Erscheinungsjahr habe ich meinen beiden Heften entnommen. Diese Schule könnte endlich eine brauchbare Methode für erwachsene Anfänger sein. Ich werde sie mir bald genauer anschauen, denn ich habe die Hefte (ebenso wie die beiden Repertoire-Bände) freundlicherweise zugeschickt bekommen. Play the Piano! ist das englischsprachige Pendant der Klavierschule, da muss man ein bisschen aufpassen, dass man sich nicht das falsche Heft in den Warenkorb legt. Niegelnagelneu (dieses Jahr herausgekommen) sind die beiden Piano Repertoire-Bände dazu (je 15,95 Euro). Natürlich ebenfalls von Mike Cornick. Die Hefte sind eine Sammlung von erleichterten  & arrtANGOangierten Klavierkompositionen und Klavierbearbeitungen sehr bekannter Stücke. Zu jedem Stück gibt es Informationen auf Englisch, Deutsch & Französisch. Wenn man international verkaufen will, geht das vermutlich nicht anders.

Noch eine Neuerscheinung ist 2013 auf den Markt gekommen. VIVA EL TANGO! von Diego Collatti (2 Bände á 22,95 Euro). Der Untertitel verspricht: Die Tango-Klavierschule. Mmmh, damit verspricht man viel – meiner Vorstellung von einer „Schule“ entspricht es nicht ganz. Dieses Heft habe ich ebenfalls zugesendet bekommen, aber ich hätte es mir sehr wahrscheinlich selbst gekauft. Ich bin ein großer Fan des argentinischen Tangos und würde liebend gern mehr Tangos unterrichten. Leider bin ich immer wieder über den recht hohen Schwierigkeitsgrad der Stücke enttäuscht. Dieses Heft verspricht 23 Kompositionen von sehr leicht bis fortgeschritten, aber ich kann kein sehr leichtes Stück in diesem Heft finden. Für Menschen, die nicht mit dieser Musik aufwachsen ist schon die Rhythmik und die Artikulation der Klavier-Tangos schwer. Akzente kommen auf ungewohnten Stellen und die Tatsache, dass hier auf Fingersätze verzichtet wurde macht es nicht einfacher. Da hilft es auch nicht, dass die ersten Stücke einen eingeschränkten Tonumfang haben. Die Zielgruppe dieser Schule sind definitiv keine Klavier-Anfänger. Auf fünf Seiten gibt es Hinweise zu den Stücken, den Lernzielen und der Interpretation. Danach folgen die Stücke wie in einer normalen Sammlung. Für mich und andere (zumindest fortgeschrittene) Klavierspieler, die sich in das Thema Tango vertiefen wollen, ist die Tango-Klavierschule bestimmt interessant. Ich werde mich in Kürze damit beschäftigen. Diesen Monat erscheint der zweite Band!

Von Gottfried Jaufenthaler &  Maria Zeisler ist eine dreibändige UE -Kinder-Klavierschule bei Universal Edition erschienen, die für Kinder ab dem 5. Lebensjahr konzipiert ist. 12,50 Euro kostet jeder der drei Hefte. Schade, dass man keine weiteren Informationen über das Konzept findet, man keinen Blick in die Hefte werfen kann und auch keine Hörbeispiele zu finden sind. Selbst wenn keine CD zum Heft gehört finde ich Hörbeispiele machbar und wichtig. Zum Glück gibt es Google und so findet man einen Artikel von Anke Kies auf der Homepage der Neuen Musikzeitung (nmz). Laut Artikel handelt es sich bei der Kinder-Klavierschule um ein unbuntes und karg gehaltenes Heft, welches auf das absolut Notwendige beschränkt ist und viel Platz für eigene Eintragungen lässt. Auf den Titel der Hefte finden wir die beiden Autoren der Schule. Auch so ein Konzept wird sicherlich Liebhaber finden, ich persönlich ziehe kindgerechte & optisch ansprechendere Hefte für den Anfangsunterricht mit Kindern vor.

Von den beiden Autoren gibt es auch ein Heft für ältere Anfänger Klavier spielen – super einfach, einfach super. 66 Kinderlieder und Spielstücke sind darin zu finden. Eine CD ist dabei und der Preis beträgt 16,95 Euro. Ich bin verwirrt. Das Cover des Heftes finde ich passend für jugendliche oder erwachsene Klavierspieler, aber im Heft sind Kinderlieder? 😐 Bei Amazon finden wir eine sehr überschwängliche (und – ich bitte um Verzeihung – für mich nicht glaubwürdige) 5-Sterne-Kritik. Ich fürchte, die Methode, mit Kinder- oder Volksliedern Klavierspielen zu lernen ist mittlerweile nicht mehr besonders populär. Das Heft muss älter sein. Zumal ich nichts mit der Bezeichnung „Playback-CD“ anfangen kann. Was ist das?

OFF TOPIC: Ich weiß nicht, wie es anderen Lehrern geht, aber ich halte Pädagogik für eine Kunst. Ich versuche, meine Arbeit ständig zu überdenken und zu verbessern. Der Musikgeschmack ändert sich stetig und neue pädagogische und neurologische Erkenntnisse werden bekannt. Kann man als Verlag wirklich guten Gewissens eine Schule präsentieren, die älter als vielleicht 15-20 Jahre ist und nicht überarbeitet wird/wurde? Tolle neue Konzepte von talentierten Pädagogen & Komponisten werden nicht beachtet, weil man ja „schon so etwas im Programm hat“. Dieser Gedanke kam mir in den letzten Tagen und den wollte ich unbedingt loswerden, weil mich das wirklich ärgert. So… ENDE OFF TOPIC

Von Barbara Dobretsberger & Matthias Kontarsky ist die UE-Klavierschule Leichtes Spiel auf alles Tasten zum Preis von 24,95 Euro erhältlich. Das Heft sei eine erfolgreiche Lehrmethode für Anfänger & Wiedereinsteiger. Auch hier findet man auf der Homepage der Universal-Edition kein Erscheinungsjahr, keinen Blick ins Heft (und wenn, dann bitte mindestens 10-20 Seiten – da ist artist-ahead ein gutes Vorbild) und keine Hörbeispiele. Den Titel der Klavierschule ziert (neben einigen Personen) ein pinkes Klavier – na, Neonfarben sind ja gerade wieder in. 🙂 Ich würde auf die frühen 90er Jahre tippen. Und ich habe keine Ahnung, was typisch für die Klavierpädagogik dieser Zeit war. Aber ich fürchte, dass sie überholt ist. Wenn mir dieses Heft über den Weg läuft, werde ich einen Blick hineinwerfen und ich hoffe, ich irre mich.

Rhythm Coach von Richard Filz scheint so interessant und auch irgendwie schräg zu sein

(Hörbeispiel Band 1)     
, dass ich es mir auf jeden Fall zulegen werde. Der zweite Band ist wohl auch schon erschienen, auf der Seite des UE-Verlages finde ich nur den ersten Band unter den „Klavierschulen“. Schade, dass es wieder nur ein Audio-Sample gibt.

Diese Rhythmusschule ist für alle Instrumentalisten, Sänger und Tänzer gedacht und kostet 12,95 Euro pro Band. Bei Amazon gibt es recht gute Bewertungen. Schade nur, dass ausschließlich Vierertakte geübt werden, wie ich einer Kritik entnehmen konnte. Gerade mit Dreiertakten haben so viele meiner Schüler ein Problem. Vielleicht sind im zweiten Band andere Taktarten zu finden. Die Hefte landen auf meinem Wunschzettel.

 

Eure Sandra

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