Notenschlüssel und Notenlesen (mit C-Turm zum Ausdrucken)

Heute möchte ich einen Artikel schreiben, wie meine Schüler Noten lesen lernen. Die Notenschlüssel spielen dabei eine zentrale Rolle und ich nenne sie in meinem Unterricht ganz konsequent G- und F-Schlüssel, denn aus diesen Buchstaben sind sie entstanden.

Bei Musiklehre Online (www.musiklehre.at.) bekommt man einen guten Eindruck davon. Hier die Entwicklung vom G zum G-Schlüssels und hier die Entwicklung vom F zum F-Schlüssels. Natürlich kennen meine Schüler die Notenschlüssel auch unter den Begriffen Violin- und Bassschlüssel, so werden sie schließlich in der Schule meist genannt.

Mit dem C-Turm aus der Klavierschule 2000 von Uli Molsen, Mirja Leihenseder und Gabriele Stenger-Stein habe ich die Notenschlüssel erstmals mit anderen Augen gesehen und meine Art des Notenlesens überdacht. Der C-Turm zeigt die 5 wichtigsten Cs (von unten: großes C, kleines C, eingestrichenes C, zweigestrichenes C und dreigestrichenes C) und weil zwischen den beiden Notensystemen – wie sonst klaviertypisch – kein Extraabstand ist, sieht man, dass ja von unten nach oben einfach durchgezählt werden kann (um es mal ganz simpel auszudrücken). Oben rechts ist das Bild dazu.

Und das wunderbare ist, dass man die Hilfslinie des eingestrichenen Cs als Spiegellinie sehen kann und so das nächsthöhere (das zweigestrichene) C und das nächsttiefere (das kleine) C an der gleichen Stelle liegen, nämlich im dritten Zwischenraum. Vorausgesetzt man zählt die Linien beider Notenschlüssel vom Spiegel-C aus. So nenne ich praktischerweise das C1. Mit dem großen und dem dreigestrichenen C verhält es sich ebenso. Die Position ist gespiegelt.


Wenn ich die Frage stelle: „Wann benutzt man eigentlich den F- und wann den G-Schlüssel? bekomme ich meist die Antwort: „Der F-Schlüssel ist für die linke und der G-Schlüssel ist für die rechte Hand.“ Auch dafür ist der C-Turm sehr praktisch, da man deutlich sieht, dass in der Mitte zwischen beiden Notenschlüsseln das Spiegel-C liegt. Der G-Schlüssel ist also für die Töne oberhalb des Spiegel-Cs und der F-Schlüssel für die Töne unterhalb des Spiegel-Cs „zuständig“. Mit der linken und der rechten Hand hat das nichts zu tun. Auch wenn natürlich die rechte Hand meist rechts und die linke in der Regel links vom Spiegel-C liegt und spielt.

Wenn ein Schüler sich nicht merken kann, welcher Notenschlüssel wie heißt, lasse ich ihn oder sie beide Hände auf die Klaviatur legen, so dass sich beide Daumen auf dem Spiegel-C befinden. Der kleine Finger landet unten auf dem F und oben auf dem G. Das sind die beiden Töne, die die Notenschlüssel anzeigen.

Immer wieder „ermahne“ ich meine Schüler, beim Notenlesen zuerst auf den Notenschlüssel zu schauen und immer wieder kommen sie in die Klavierstunde und meinen, das neue Stück (beide Hände im G-Schlüssel) klingt total komisch. Und ich weiß immer schon vorher, warum.

Neben den fünf Cs sollten meine Schüler sich noch vier andere Töne merken. Ich nenne sie ganz pragmatisch „Merktöne“.  Natürlich jeweils auf der zweiten Linie das G und das F, nach dem die beiden Notenschlüssel benannt sind und jeweils auf der letzten (der fünften) Linie das F im G- und das G im F-Schlüssel.

Mit dieser (sich leicht merkbaren Auswahl von Noten) gelingt es leicht, alle anderen Töne durch relatives Lesen herauszufinden. Gerade beim Melodie-Lesen lege ich keinen Wert darauf, dass der Schüler jede einzelne Note erkennt. Viel wichtiger ist es, zu erkennen, ob es sich um einen Tonschritt, eine Tonwiederholung oder einen Tonsprung handelt. Die Intervalle lernen meine Schüler direkt mit richtigem Namen kennen. Selbst die Kleinsten begleiten in der ersten Stunde schon ihre kurze improvisierte Melodie mit einer „Quinte“.

Auch Akkorde übe ich mit meinen Schülern immer relativ zu lesen (auch wenn das beim Üben zu Hause oft nicht klappt – die Meisten neigen dazu, absolut lesen zu wollen). Ich lasse den tiefsten Ton benennen und nach oben die Intervalle. Wenn meine Schüler absolut lesen, machen Sie viel mehr Fehler. Regelmäßig definieren wir wichtige Dreiklänge oder andere Akkorde. Ich hoffe, irgendwann wird es helfen, eine Harmonie schneller zu erkennen. Melodieverläufe lassen sich viel leichter merken, wenn sie relativ gelesen werden.

PDF-Dateien zum Downloaden und Ausdrucken

C-Turm

Ich hoffe, meine Erfahrungen sind für den ein oder anderen eine Hilfe oder Anregung.

Eure Sandra

Anzeige
Zum Shop von ZauberKlavier

4 Gedanken zu „Notenschlüssel und Notenlesen (mit C-Turm zum Ausdrucken)

  1. Katja Letters

    Liebe Sandra,
    auch ich habe Dich mal im Vogelfrei spielen hören und wurde verzaubert 🙂 Da habe ich einen Flyer von Dir mitgenommen und komme jetzt endlich mal dazu, ein wenig auf deinem Blog zu lesen.
    Ich bin Kirchenmusikerin und studiere gerade noch Schulmusik, unterrichte aber unglaublich gern Klavier! Meine Schüler sind vor allem kleine Mädels im Alter von 5-8 Jahre, eine Schülerin (meine Große) ist 14. Das ist wohl durch meinen Kinder- und Jugendchorchor ausgelöst, bei dem alle meine Schüler auch mitsingen…
    Das Notenlesen finde ich immer eine große Herausforderung. Eine Schülerin hört sehr gut und liest daher kaum Noten, sondern hört das Stück absolut. Mir hat die herangehensweise aus der Schule „123Klavier“ von Ehrenpreis/Wohlwender sehr geholfen, dort habe ich einige Anregungen für Rätsel mit Noten gefunden. Die Schule arbeitet auch mit der Spiegellinie, zusätzlich noch mit Zwillings- und Drillingstasten. Find ich auch sehr gut! Danke für Deinen Blog, ich geh mal weiter auf die Suche 🙂

    Bis bald mal wieder im Vogelfrei! Ich freu mich schon auf Deine Stücke!
    Liebe Grüße,
    Katja

    Antworten
  2. Sandra Beitragsautor

    Vielen Dank für Deinen Kommentar, Katja! Bei Ulrike Wohlwender habe ich Methodik/Didaktik studiert und „123 Klavier“ benutze ich auch für meine Anfänger! Ich mag ihre Herangehensweise sehr gern und von ihr habe ich auch den Tipp mit dem C-Turm bekommen. 😉

    Ja, ich würde mich auch freuen, Dich wiederzusehen!
    Bis bald hoffentlich,
    Sandra

    Antworten
  3. Viola Kramer

    Seit 35 Jahren unterrichte ich genau so, finde daran nichts besonderes „Neues“. Spiegel-C ist gut, hinzu kommt das Bewusstsein für absolute und relative Notenlesweise, was bei Klavier besonders gut geht, bei Geige habe ich mir sagen lassen ginge Noten lesen nur mit Namens-Nennung, so dass man genau weiss, welchen Ton man gerade spielt.

    Absolute Lesweise: Die „C“ Noten und -später – die Schlüsselnoten G und F.
    Relative Lesweise: Ein „D“ ist ein C + 1 Ton hoch; ein H ein C – 1 Ton runter.

    Hinzu kommt bei mir ein strammes Akkordprogramm mit dem nach einem Jahr (je nach Alter) alle Grundstellungen und Umkehrungen auf einen Blick zu erkennen sind. Dadurch werden bei einem 4-Klang nicht vier einzeltöne gelesen sondern ein Griffbild. Egal, ob das nun gebrochen wird oder als Akkord gleichzeitig gespielt wird.

    😉

    Hinzu kommt, dass es keine rechte und linke Hand gibt, sondern eine „obere“ und eine „untere“ Hand. Da kann man sich von der umstrittenen Schneemann-Methode etwas abschauen. Die Methode an sich ist ganz ok, sie ist nur leider durch die menschlichen Unzulänglichkeiten ihres Urhebers in die Schublade des Ignorierens gefallen. Nun ja. Die Welt wird es überleben.

    Antworten
  4. Sandra Beitragsautor

    Danke Viola! Nein, die Methode ist nicht neu. Darum geht es mir auch nicht. Ich möchte nur aufschreiben, wie ich es mache um dem ein oder anderen Tipps und Inspiration zu geben. Du hast vollkommen recht, relatives Notenlesen funktioniert bei anderen Instrumenten nicht. Und von der Schneemann-Methode habe ich noch nichts gehört. Ich mach mich mal auf die Suche…

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.