Mona Liese „Carnevale di Venezia“

„Carneval di Venezia“ von Mona Liese ist erst in diesem Jahr erschienen und wird vom Friedrich Hofmeister Musikverlag in Leipzig verlegt. Ich habe dieses und zwei andere Hefte zugeschickt bekommen und freue mich, das Programm dieses Verlages so langsam zu entdecken. Mona Liese heißt eigentlich Lieselotte Reznicek und ist in den 80er Jahren als Sängerin, Keyboarderin und Songschreiberin der Frauenband MONA LISE in der damaligen DDR bekannt geworden. Hier gibt es ein interessantes Interview (www.deutsche-mugge.de).

Die Komponistin hat ein klassisches Klavierstudium absolviert und arbeitet als Pädagogin in Berlin. Mona Liese hat zudem schon einige Zeit in Italien verbracht und immer wieder zieht es sie dorthin. Ihr Heft Carnevale di Venezia wird sicher viel Inspiration in diesen Aufenthalten gefunden haben.

Zehn Stücke sind in diesem Heft zu finden und ebenso viele Kohlezeichnungen. Ich gehe später genauer darauf ein. Auf der Seite des Friedrich Hofmeister Musikverlages finden wir folgende Beschreibung: „Carnevale di Venezia ist ein Sammlung romantische Klavierstücke, die einfach zu spielen sind (Mittelstufe) und zum Träumen einladen. Die Melodien gehen leicht ins Ohr und verführen uns an den geheimnisvollen Ort des Karnevals nach Venedig.“ (hier geht es zur Seite). 14,80 Euro kosten die Noten und 23 bedruckte Seiten beinhaltet das Heft.

Die Stücke sind allesamt rechts angeordnet und genau eine Seite lang. Jeweils die linke Seite ist mit einer passende Kohlezeichnungen gestaltet. Leider ist nirgends zu finden, von dem die Zeichnungen stammen, deshalb gehe ich davon aus, dass sie ebenfalls von Mona Liese angefertigt sind. Wenn man so schön zeichnen kann, darf man das doch gern zugeben. 😉

Das Konzept gefällt mir auf jeden Fall sehr gut! Die Stücke haben alle einen eigenen Charakter und sind sehr charmant. Ich empfinde sie zudem immer wieder als überraschend und voller unvorhergesehener Wendungen. Sie auf einer Seite unterzubringen und sich durch die Kohlezeichnung inspirieren zu lassen ist gelungen und ein kluges Konzept, denn während des Spielens zu Blättern macht keinen Spaß. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es nicht leicht war, die Stücke so kurz zu halten. Bei drei Stücken habe ich persönlich das Gefühl, dass das jeweilige Thema zu kurz kommt und eine Wiederholung dessen sehr schön wäre. Bei „Per Massimiliano“  könnte man die ersten vier Takte wiederholen, bei „La Casa sul Canale“ die ersten zwei Zeilen und bei „La Signora Carnevale“ habe ich das Bedürfnis, die Takte 2 und 3 zweimal nacheinander hören zu wollen. Das Interessante ist, dass man dies nicht mehr unbedingt so empfindet, sobald man das Stück einige Male gehört hat. Als Komponist/in bekomme ich das am häufigsten zu hören: „Die Stelle muss noch einmal wiederholt werden!“ 😆

Die Titel sind ausschließlich italienisch, was dem Heft und den Stücken eine träumerische Stimmung gibt und an Urlaub und ein anderes Lebensgefühl denken lässt. Das Cover des Heftes hätte man sicher noch ein wenig liebevoller gestalten können. Die Mischung aus rot, blau und gelb verbinde ich nicht mit Italien.

Ein wenig schade ist, dass die Stücke weder mit einer Tempo-Empfehlung noch mit die Stimmung beschreibenden Worten bedacht sind. So bleibt es komplett dem Spieler überlassen, wie er ein Stück interpretiert.

Das Notenbild ist eine ein wenig verwirrende Mischung aus klassischen und unkonventionellen Elementen und hat einige Fragen bei mir aufgeworfen. Zuallererst verwirrte mich die Verwendung der eckigen Klammer und ich habe erst einmal nachschauen müssen, was diese bedeutet, denn bei Klavierstücken habe ich sie noch nicht gesehen. Laut Wikipedia werden die Notensysteme einer Instrumentengruppe (etwa Streicher, Blechbläser, Holzbläser und Schlagwerk) mit eckigen Klammern verbunden.

Die geschweifte Klammer fasst mehrere Notensysteme zusammen, die von einem einzelnen Instrument zu spielen sind, wie zum Beispiel Klavier, Harfe oder Akkordeon. Warum Mona Liese die eckige Klammer verwendet ist mir ein Rätsel. Soll es den Kompositionen einen modernen Touch geben?

Im Gegensatz dazu ist die Pedaleintragung klassisch „altmodisch“. Nämlich so:
Was ich daran schon nicht mag, ist die Unterteilung des Pedalwechselvorgangs in zwei Abschnitte: die Blume (sagt man das so?) steht für Pedal loslassen, Ped. steht für Pedal treten. Viele meiner Schüler wechseln das Pedal nicht schnell genug bzw. passen den Pedalwechsel dem Tempo des Stückes an. Hilfreicher (und genauer & gleichmäßiger) finde ich diese Eintragung:
Die Pedalwechselhaken haben zudem den Vorteil, das Notenbild nicht so zu stören.

Die Pedaleintragung sind mir bei Carnevale di Venezia immer wieder zu unklar. Beim ersten Stück Per Massimiliano finden sich in der ersten Zeile nur die Blumen einzeln. Ped. fehlt. Das verstehe ich nicht. Soll das ein normaler Pedalwechsel sein? In der Regel stehen Blumen und Ped. unmittelbar hintereinander, oft ist aber auch ein kleiner Abstand dazwischen. Ist das einfach nur eine Ungenauigkeit im Notensatz oder hat das etwas zu bedeuten? Wenn sich in den Stücken etwas wiederholt oder der Pedalwechsel beibehalten soll fehlt ein similar oder sim. . Die Eintragungen hören einfach auf. Das ist mir auch zu ungenau und nicht schülerfreundlich. Da ist es wohl wieder besser, dem eigenen Bauchgefühl zu folgen.

Auch irritiert mich, dass manchmal rit. und manchmal ritardando notiert ist. Warum nicht immer gleich? Am Platz liegt es nicht. Ungewöhnlich ist ebenfalls, dass in einem 6-8tel Takt die Achtelnoten nicht in Dreiergruppen zusammengefasst werden. Bei Amante in Carnevale ist das zu finden. Das erschwert das Lesen und auch darin sehe ich keinen Vorteil. Vielleicht soll dadurch die Wichtigkeit einer jeden Note hervorgehoben werden, aber das ist nur Spekulation.

Ungewöhnlich ist auch, dass zusätzliche Vorzeichen wirklich nur in dem Takt stehen, in dem sie benutzt werden. Natürlich, sie gelten auch nur bis zum Taktende, aber normalerweise löst man beispielsweise ein Kreuz vorsichtshalber wieder auf, wenn etwa statt dem Fis wieder ein F gespielt werden soll. Oft findet man das auch noch Takte später, wenn der vorher veränderte Ton zum ersten Mal wieder vorkommt und das Vorzeichen eigentlich gar nicht mehr präsent ist. Davon halte ich auch nichts, aber wenn das besagte F direkt im nächsten Takt wieder ohne Kreuz gespielt werden soll, finde ich es doch schön, wenn zumindest ein Auflösungszeichen in Klammern notiert ist. Damit fühlt man sich irgendwie sicherer und weiß, dass es kein Versehen ist, dass das Vorzeichen jetzt fehlt. Das habe ich jedenfalls so konsequent noch nicht gesehen. 😉

Carnevale di Venezia ist nicht nur für Italien-Liebhaber ein schönes Heft bzw. Geschenk. Die Zeichnungen sind stimmungsvoll und die Stücke sind ein wenig romantisch, ein bisschen besonders und wenn man sich erst einmal hineingehört hat richtige kleine Ohrwürmer. Durch Fingersätze sind die Kompositionen leicht zu lernen und nach ein, zwei Jahren Klavierunterricht dürften Jugendliche und Erwachsene viel Freude beim Spielen haben.

Eure Sandra

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6 Gedanken zu „Mona Liese „Carnevale di Venezia“

  1. Lieselotte Reznicek

    Liebe Sandra,
    ach wie habe ich mich gefreut, heute Deine Meinung über mein Buch „Carnevale di Venezia“ zu lesen :-)…Danke für Dein Lob und auch die kleinen kritischen Hinweise!!
    Sandra…tatsächlich habe ich wohl nicht die typische Klammer für Kalviernoten verwendet ( das nächste Buch bekommt die andere Klammer-versprochen), außerdem gibt es im 1. Stück „Per Massimiliano“ Schusselfehler, da es damals für die Herstellung plötzlich sehr schnell gehen sollte: Es fehlen die
    Pedalsymbole (1.Zeile und „ritardando“ wurde einmal falsch geschrieben…sorry :-)!
    Sandra, dies war mein erster gutgemeinter „Versuch“ und Du hast Recht: Tatsächlich wünscht man sich einige Takte in der Wiederholung, damit sie besser ins Ohr gehen :-)!

    Du hast aber meine Grundidee voll abgenommen und gelobt…ach wie schön…: Es ging mir um kommerzielle eingängige
    Melodien (denn wir können ja nicht immer nur Amelie und Elise spielen). Außerdem wollte ich den Beigeschmack „Arbeit“ schülerfreundlich vermeiden, denn wenn ein Stück nur eine Seite lang ist…bleibt das im Rahmen für ein schnelleres Erfolgerlebnis bei unseren Klavierkindern:-)
    Ja und dann wissen wir Klavierlehrer ja alle, dass wir alle leider kopieren und ich dachte, wenn Bilder uns optisch einstimmen, dann kauft vielleicht doch Jemand mal ein Notenbuch?
    Nun, ich habe schon 4 weitere Klavierhefte im Schubfach…ich hoffe ihr da draußen könnt sie gut gebrauchen…wir müssen unsere Klavierschüler „halten“ und das schaffen wir besser mit Stücken, die gut in der Hand liegen und ins Ohr kriechen…meine ich, denn schließlich wollen ja die Wenigsten Berufsmusiker werden und es geht um „Spaß“!
    Sandra…bis bald und liebe Grüße!
    MONA LIESE Liese Reznicek

    Antworten
  2. Sandra Beitragsautor

    Vielen Dank für den schönen Kommentar, Lieselotte!
    Dann sind ja alle Fragen geklärt und ich freue mich auf das nächste Heft! 🙂

    Alles Gute und viele Grüße,
    Sandra

    Antworten
    1. Lieselotte Reznicek

      Sandra, habe etwas verspätet gelesen, dass Du auch Klavierstücke schreibst…
      prima…vielleicht können ja dann meine „Schülerchin“ bald auch was von Dir spielen :-)?
      Wer hat Dir eigentlich mein Heft „Carnevale di Venezia“ zugespielt?
      LG Liese

      Antworten
      1. Sandra Beitragsautor

        Ich habe ein paar Hefte direkt vom Verlag zugeschickt bekommen. Und habe so schon tolle Schätze so entdeckt! 🙂
        Spätestens nächstes Jahr wird es von mir auch Hefte geben. Um einen Verlag habe ich mich noch nicht gekümmert und ich weiß auch nicht, ob jemand Interesse an meinen Stücken hätte. Aber bei einem Verlag, der Noten „on demand“ anbietet komm ich auf jeden Fall unter.

        Ein schönes Wochenende und viele schöne Ideen wünscht
        Sandra

        Antworten
        1. Lieselotte Reznicek

          Sandra…ich drücke Dir voll die Daumen…Du wirst einen Verlag finden !!
          Du bist aber auch eine gute „Lektorin“ !!
          Viele Grüße aus Berlin
          Liese (MONA LESE)

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  3. Tina

    Liebe Lise , Tina vom JLG würde gern mit dir einen Kaffee trinken – wenn du Lust hast so lass es mich bitte wissen – ich komme auch nach Köpenick . Schön zu lesen , dass es dir wieder gut geht . Herzlichst Tina

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