Richtig Üben #3 – Effektiver üben mit diesem Trick

Kind übt am KlavierHallo ihr Lieben,

im dritten Teil meiner Richtig Üben – Reihe möchte ich heute eine Idee mit euch teilen, die das Üben deutlich effektiver macht und somit in kürzerer Zeit dazu führt, ein Stück sicher spielen zu können.

Diese Übetechnik lässt sich sowohl beim Lernen eines Stückes als auch bei bereits gelernten Stücken anwenden. Falls ihr euch gerade auf ein Vorspiel vorbereitet, probiert diese Technik also unbedingt aus.

Mit dem heutige Tipp könnt ihr erfolgreich:

  • Abschnitte üben
  • Akkorde üben
  • Handpositionen üben
  • Stücke für Vorspiel & Repertoire „warmhalten“.

Der Trick, der euch beim Lernen hilft:

Wiederholt einen Abschnitt oder Akkord nicht immer in der notierten Lage, sondern übt euch durch die Oktaven auf dem Klavier.

Das sorgt nicht nur für viele motorische Wiederholungen, sondern hilft auch dabei, wach und aufmerksam zu bleiben. Denn durch die vielen unterschiedlichen Hörerlebnisse (tief, mittel, hoch…) schaltet das Gehirn nicht so schnell ab und ihr bleibt konzentrierter.

Macht euch bewusst, dass Klavier üben und Klavier spielen zwei verschiedene Tätigkeiten sind. Üben meint das bewusste, langsame Wiederholen hirngerechter Lerneinheiten (Abschnitte). So lernen wir. So geht eine Tätigkeit nach einer gewissen Zeit (und mit Ruhephasen) vom Bewussten ins Unbewusste über und wird abrufbar.

Geht ihr nach wenigen richtigen Wiederholungen ins Tempo und schaut, ob das Geübte schon abgerufen werden kann, boykottiert ihr damit das Lernen. Abrufen geht nicht nach ein paar Minuten. Das geht erst nach ein paar Tagen und vielen richtigen Wiederholungen. Synapsen müssen sich erst bilden und/oder neu verknüpfen. Das braucht Zeit und Geduld.

Wichtig ist also: Lasst euch Zeit und wiederholt langsam & übt bewusst. Wechselt nicht zu früh in den unbewussten Abrufemodus! Lernen geht nur konzentriert, langsam und mit viel Denken.

Wie diese Übetechnik nun praktisch aussieht  zeige ich euch an Beispielen aus „Charming Moments Vol.1“.

Abschnitte üben

Das Üben von Abschnitten wird besonders effektiv, wenn ihr die Abschnitte nicht nur in der notierten Oktave wiederholt, sondern euch durch die Oktaven auf dem Klavier übt. Einerseits seid ihr so gezwungen, die Hände immer wieder neu zu positionieren und andererseits klingt es immer wieder anders. So trickst ihr das Gehirn aus und bleibt im bewussten Übe-Modus.

Wiederholt den Abschnitt in verschiedenen Oktaven und macht eine Pause, wenn ihr merkt, dass die Aufmerksamkeit nachlässt.

Summer-Evening-Audio     

Akkorde üben

Wenn ihr euch mit bestimmten Akkorden (Dreiklängen etc.) besonders schwer tut, liegt das in der Regel daran, dass dieser Akkord noch nicht in eurem motorischen Gedächtnis abgespeichert ist. Es braucht also nur ein paar Wiederholungen (und ein ein paar längere Pausen dazwischen) und schon dürfte das Spielen des Akkordes kein Problem mehr sein.

Als Beispiel habe ich zwei Akkorde aus „Falling Leaves“ gewählt. Diese Stelle braucht besonders viel Übung.

Übt Akkorde immer als geschlossenen Akkord (alle Töne gleichzeitig). Nur so nimmt das Gehirn den Akkord als einen Baustein war. Benennt die Dreiklänge und speichert so den Akkord noch besser ab. Hier: C-Dur (Grundstellung) & E-Dur (2. Umkehrung). Wechselt nicht in den Abrufemodus! Bleibt konzentriert und kontrolliert die Töne vor dem Anschlag. Achtet auf den richtigen Fingersatz.

Falling-Leaves-Audio     

Handpositionen üben

Besonders bei tonleiterähnlichen Läufen ist es sehr effektiv, die Handposition als geschlossenen Akkord zu üben und in verschiedenen Oktaven auf dem Klavier zu wiederholen. So könnt ihr die Zahl der Lerneinheiten von vielen Tönen auf wenige Handpositionen/Bausteine minimieren. Mutet eurem Gehirn nicht mehr als zwei oder drei Positionen zu. Das ist anstrengend genug.

Auch wenn es nicht besonders schön klingt, spielt die Töne einer Handposition gleichzeitig (geschlossener Akkord) und übt euch durch die Oktaven auf dem Klavier. Achtet dabei auf den richtigen Fingersatz und wiederholt nur so oft, wie es eure Konzentration zulässt.

Autumn-Wind-Audio     

bereits gelernte Stücke „warmhalten“

Kennt ihr das Phänomen, dass ein Stück bis zu einem bestimmten Zeitpunkt immer besser wird und plötzlich kippt das? Plötzlich habt ihr das Gefühl, eurer Stück ist nicht mehr sicher und ihr verspielt euch wieder öfter? Zu Hause merkt man das meist nicht, aber beim Vorspielen wird das ganz deutlich.

Das ist ganz normal und liegt daran, dass wir irgendwann nicht mehr bewusst üben sondern nur noch unbewusst abrufen. Warum sollten wir noch denken, wenn es doch auch ohne denken klappt. Das geschieht ganz automatisch und spart Gehirnleistung.

Mir ist aufgefallen, dass es besonders effektiv ist, Stücke tiefer (ein oder zwei Oktaven) zu üben, um wieder in das bewusste Wiederholen zu kommen.

Ich freue mich über Euer Feedback in den Kommentaren und bin gespannt, ob diese Übetechnik bei euch auch so gut funktioniert.

Eure Sandra

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4 Gedanken zu „Richtig Üben #3 – Effektiver üben mit diesem Trick

  1. Jansen Christine

    Liebe Sandra,

    danke für deinen Beitrag. Er ist sehr wertvoll. Töne als Gruppe zusammenzufassen, ist, wie du sagst, einfacher, weil dann mehrere Töne als nur ein Baustein gespeichert werden. Darf ich mir noch einen kleinen Zusatz erlauben? Wenn der eine Baustein mit dem anderen als eine einzige neue Gruppe gespeichert werden kann, sind noch schnellere Fortschritte zu erzielen:
    Ich nehme aus „Falling Leaves“ die Verbindung des C-Dur Dreiklangs mit dem E-Dur Akkord.
    Eine noch einfachere Lösung wäre: nimm einen Dreiklang mit C zuunterst, dann lässt du beim nächsten Akkord den mittleren Ton stehen und die beiden Randtöne gehen je einen Halbton auseinander (kleiner Streit). so geht der obere automatisch auf die schwarze Taste und ich habe die Möglichkeit, das in allen Tonarten zu spielen, noch bevor ich viel über Musiktheorie wissen muss.

    Ich wünsche dir einen schönen Sonntag, herzliche Grüsse von

    Christine.

    Antworten
    1. Sandra Beitragsautor

      Vielen Dank für Deinen lieben Kommentar, Christine!

      Deine Idee zu den Dreiklängen von Falling Leaves ist sehr schön und sorgt für ein sehr nützliches Bild im Kopf. So dürfte tatsächlich keiner mehr über diese Stelle stolpern.

      Gerade für erwachsene Lernende finde ich es zudem wichtig, bestimmte Bausteine zu benennen, um sie sich einfach besser und dauerhafter merken zu können. Um einen bestimmten Begriff zu einem Bild abzuspeichern.

      Viele Grüße,
      Sandra

      Antworten
  2. Ute Jarolin

    Liebe Sandra,

    vielen Dank für diese Anregung für ein besseres Üben. Meine Schüler werden davon profitieren. Eine kleine Ergänzung: ich fordere den Schüler manchmal auf, einen Takt mitten im Stück sich nur innerlich vorzustellen und dann weiter zu spielen, Stichwort: mentales Üben…
    In letzter Zeit kann ich meine Kommentare zu diesem Blog nicht versenden, aber ich gebe nicht auf, vielleicht klappt es ja diesmal,

    Liebe Grüße
    Ute

    Antworten
    1. Sandra Beitragsautor

      Vielen Dank für Deine Idee, Ute!
      Das habe ich noch nicht ausprobiert.

      Das Problem mit den Kommentaren ist jetzt auch gelöst. 🙂 Nun dürfte wieder alles funktionieren.

      Liebe Grüße,
      Sandra

      Antworten

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