Jane Smisor Bastien „Intermediate Multi-Key Solos“

Jane Smisor Bastien. Den Namen der Komponistin sollte man als Klavierlehrer/in auf jeden Fall kennen oder zumindest schon einmal gehört haben. Jane Smisor Bastien ist 1936 geboren und hat zusammen mit ihrem Mann, James Bastien (1934-2005) und ihren beiden Töchtern Lisa (*1964) und Lori (*1966) mehr als 300 Unterrichtshefte geschrieben und zusammengestellt.
Seit Anfang der 60er Jahre werden die Hefte bei Neil A. Kjos Music Company verlegt. Zusammen mit ihren Töchtern hat Jane S. Bastien eine Klavierschule für Erwachsene herausgebracht („Piano for Adults“).  Am bekanntesten dürfte aber die „Bastiens Basis Klavierschule“ sein. „Bastien Piano Basics“ heißt diese im Original und besteht aus bis je fünf verschiedenen Heften in den einzelnen Levels (Schwierigkeitsstufen). Jane S. Bastien hat die Performance und die A Line A Day Sight Reading Bände zusammengestellt. Ihr Mann James war für die Piano, Theory und Technic Hefte zuständig.

The Intermediate Piano Course ist ebenfalls in Zusammenarbeit von Jane S. Bastien und ihrem Mann James entstanden. Jedes Level, also jeder Schwierigkeitsgrad (drei sind es an der Zahl), besteht aus je vier Heften: Intermediate Repertoire, Intermediate Theory, Intermediate Technic und Intermediate Multi-Key Solos und richtet sich an Schüler, die bereits einen elementaren Klavier-Kurs (wie Bastien Piano Basics) erfolgreich absolviert haben. Ich habe mir die Intermediate Multi-Key Solos genauer angeschaut, die allesamt Jane Smisor Bastien komponiert hat. Ich bin mir nicht ganz sicher, was Multi-Key bedeuten soll. Entweder bezieht sich das auf die Tonarten oder den Tonumfang, der in den Stücken genutzt wird. Oder eine Mischung aus beidem. Innerhalb der Stücke gibt es relativ viele zusätzliche Vorzeichen und die meisten Stücken haben einen recht großen Tonumfang, wobei der Orientierungssinn gut geschult werden dürfte. Diese Kompositionen sollen eine Abwechslung zu den mittelschweren Stücken klassischer Komponisten bieten, die weniger Abechslung zu bieten haben. Ich sehe die Hefte als Repertoire-Ergänzung zum pädagogischen Konzept  des Piano Course (mit welchem ich mich noch nicht näher beschäftigt habe) und hoffte, ein paar schöne Stücke zu entdecken, die ich für meinen Unterricht nutzen kann.

Die Kinderstücke der Bastiens habe ich in sehr guter Erinnerung, aber ich glaube, diese sind von James Bastien komponiert. Die Stücke aus den Multi-key Solos haben meiner Meinung nach bei weitem nicht diesen Charme. Ich überlege gerade, ab welchem Alter die Hefte des Intermediate-Course gedacht sein könnten. Die Basis-Klavierschule besteht aus fünf Leveln, wird also im Durchschnitt mindestens fünf Jahre brauchen. Also wäre ein Kind dann frühestens im Alter von 12 oder 13 Jahren bei dem Intermediate-Course angekommen. Die Klavierschule hat keine Altersempfehlung und die sehr schlichte Aufmachung ist nicht sehr ansprechend, macht aber die Hefte preiswert. Während in der Basis-Klavierschule bunte Illustrationen gute Laune verbreiten, finden wir hier auf dem Titel ein Foto von Meereslebewesen. Wer den direkten Zusammenhang zum Klavier entdeckt, möge mir Bescheid geben. 😉 Weitere Bilder oder Illustrationen sind nicht zu finden, aber die Titel der Stücke sind pink – eine fast erfreuliche Abwechslung.  😆 1982 ist der Intermediate-Piano-Course in der ersten Auflage erschienen. 4,95 $ kostet das erste Heft und je 4,45 $ der Band 2 & 3. Bei musikalienhandel.de zahlt man 8,90 und 8,00 Euro. Interessante (da verschiedene) Preise gibt es bei alle-noten.de. Bei amerikanischen Noten sollte man wohl gut die Preise vergleichen, da es keine Preisbindung gibt.

Ich habe den Verdacht, dass Frau Bastien nach der russischen Schule Klavier gelernt hat. Viel staccato, wenig Pedal und eine interessant und leicht dissonante Harmonik, die mich besonders im ersten Band an russische Komponisten des 20. Jahrhundert erinnert, machen ihre Stücke aus. Sie sind sehr logisch komponiert, es gibt keine Stellen, die nicht „funktionieren“. Sowieso – die Stücke sind handwerklich gut gemacht, Frau Bastien hat viel pädagogische Erfahrung. Das gefällt mir natürlich sehr – schade, dass mich die Stücke trotzdem nicht ansprechen. Im Gegensatz zu Podgornov’s Piano Album, welches auch für Erwachsene sein soll (es aber meiner Meinung nach nicht ist – hier der Artikel) sind die Stücke aus den Multi-key Solos wirklich für ältere Schüler gemacht. Die Länge der Stücke ist angemessen und die Stücke klingen erwachsener. Interessanterweise kommen mir Podgornovs Stücke aber „klassischer“ vor und ich habe überlegt, ob ich die Stücke von J. Bastien einfach nur unmodern finde, aber das ist es nicht nur. Gerade vor ein paar Tagen habe ich die Klavierschule von Michael Aaron hervorgeholt, die 1945 herausgekommen ist und deren Stücke ich – trotz des „Alters“ wunderschön finde. Ganz abgesehen von den klassische Stücken aus den vergangenen Jahrhunderten… Ich habe das Gefühl, dass eben genau dieses bei den Stücken aus den Multi-key Solos nicht angesprochen wird. Die Stücke gehen mir nicht ans Herz, ich empfinde nichts dabei. Und das macht sie für mich uninteressant. Gefühle ansprechen ist eigentlich das, was ich typisch oder wünschenswert für Erwachsenen-Literatur finde. Das unterscheidet uns doch von Kindern. Kinder denken an Seilspringen und Spielen, Erwachsene an Liebe und Leidenschaft. Oder?

 

 

Eure Sandra

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