Aus meinem Notenregal #1 – Hefte von Claudia Burris, Valenthin Engel & Matthias Pogoda

Dank meiner Noten-Sammelleidenschaft besitze ich in der Regel mehrere Notenhefte von einem Komponisten, aber diesmal habe ich drei Hefte in meinem Regal entdeckt, bei denen dies nicht der Fall ist. Diese drei Hefte und die dazugehörigen Komponisten möchte ich heute kurz vorstellen.

Anfangen möchte ich mit „Rose und Stern“, sieben leichte Klavierstücke von Claudia Burris. Claudia Burris hat eine Homepage. Hier gelangt man zu ihr. In diesem Fall hatte ich kein Problem, mir ein Bild von der Komponistin zu machen. Bilder sind reichlich vorhanden.

Beim Durchspielen des Heftes (welches sich zum Beispiel hier zum Preis von 9,95 Euro beziehen lässt) habe ich mich seit langem mal wieder richtig gefreut, denn die Stücke sind wirklich schön und gut dazu. Überrascht war ich, als ich in meinem Notenshop feststellen durfte, dass es mittlerweile noch einige weitere Hefte von Claudia Burris gibt. Da wird sicher noch das ein oder andere in mein Notenregal wandern.

Die Stücke sind – wie oben erwähnt – als leicht eingestuft, aber im Deutschen gibt es auch wenig genaue Klassifizierungen. Sehr leicht – leicht – mittelschwer – schwer – sehr schwer. Mehr fällt mir nicht ein. Die Amerikaner sind da genauer. Drei Stücke empfinde ich fast als zu lang für leichte Stücke. Aber Sie sind eigentlich leicht zu verstehen. Eigentlich, weil es einige Stolpersteine gibt, wie die taktelangen Triller bei „Casa Blanca“, die Pedalwechsel und die Takteinteilung bei der „Engelsharfe“ (worauf man sich extrem konzentrieren muss) oder der schwierige Rhythmus bei „In der Wüste“ (links punktierte Viertel mit Achtel gefolgt von einer punktierten Achtel mit Sechzehntel in einem Dreiertakt). Die Titel sind gut und treffend gewählt und die Stücke haben Charakter. Fingersätze, auf die man besonders achten muss, sind mit einem Kreis markiert, was ich für eine super Idee halte. Ebenso gefällt mir, dass die Phrasen mit Kommata angezeigt werden. So kann auf die Phrasenbögen verzichtet werden und das Stück ist optisch nicht zu überladen.

Wenn ich könnte, würde ich ein paar Dinge ändern, wie zum Beispiel die Begleitdreiklänge in „Schwäne auf dem See“, die am Taktanfang angeschlagen werden und direkt vom 2. in den 3. und vom 4. in den 5. Takt gehalten werden. Ich bekomme leider kein Gefühl für den 6/8 Takt dabei, da durch das Halten die Betonungen am Taktanfang fehlen. Bei „Casa Blanca“ verstehe ich die Pedalunterbrechungen auf der ersten Seite nicht. Ich habe nicht den Eindruck, dass sie klanglich irgendetwas bringen (zumal der Dreiklang links bei der Unterbrechung gehalten werden soll). Mehr aufzuzählen macht keinen Sinn, denn die Stücke sind auch ohne meine „Einwände“ sehr gut.

Allerdings denke ich, dass dieses Notenheft eher für Jugendliche und Erwachsene geeignet ist, auch wenn dies nicht im Sinne von Frau Burris liegt, da sie ebenso jüngere Kinder ansprechen möchte. Aber Stücke, die komplett mit Oktaven in der linken Hand begleitet werden, sind nicht wirklich für jüngere Kinder geeignet. „Rose und Stern“ ist in meinen Augen ein wunderbares Geschenk für Klavierlernende, die schon zwei, drei Jahre Klavier spielen. Durch die leicht lesbaren Stücke und die schönen Melodien ist ein schneller Spielerfolg und Freude am Lernen garantiert.

„Amélies Klavierbüchlein“ von Valenthin Engel ist bei artist ahead (einem Musikverlag aus Walldorf) verlegt und kostet (inklusive CD) 16,95 Euro. Das Heft versteht sich als eine Sammlung von leicht zu erlernenden, schön klingenden Stücken, welche als Ergänzung zu einer klassischen Klavierschule verwendet werden soll. Siebzehn Stücke mit einer Länge von zwei bis vier Seiten enthält das Heft, weswegen ich das Preis-Leistungsverhältnis angemessen finde. Das Titelbild ist wirklich schön und sehr ansprechend, wobei ich natürlich bei „Amélie“ immer an den Film (und die extrem erfolgreiche Filmmusik) „Die fabelhafte Welt der Amélie“ denken muss und fast automatisch unterstelle, dass da jemand auf den fahrenden Zug aufspringen möchte. Ich möchte Herrn Engel aber nicht Unrecht tun, vielleicht gibt es tatsächlich eine Amélie in seinem Leben.

Der erste Eindruck war bei mir bereits nach dem zweiten Stücke klar und hat sich beim weiteren Durchsehen und -spielen nur noch bestätigt. Ich dachte an eine Methodikstunde im Studium, in der wir uns in einem Heft ein Fugato oder eine Fugette angeschaut und festgestellt haben, dass der Komponist genau ab hier keine Lust mehr hatte. Und dieses Gefühl habe ich bei den Stücken in Amélies Klavierbüchlein schon nach wenigen Zeilen (oft auch direkt nach den ersten beiden). 🙁 Ich finde die Themen in den Stücken wirklich schön, was sich aber anschließt ist eine Folge von ermüdenden Wiederholungen dieser Melodien und/oder Sequenzen banaler ein- oder zweitaktiger Motive.

Vor mir liegt die „Sternennacht“ und wenn ich richtig gezählt habe, besteht dieses dreiseitige Stück aus insgesamt nur 6! verschiedenen Takten. In Worten: sechs. Diese werden durch Sequenzierung, Oktavierung und sehr einfachen Abwandlung zu insgesamt 57 Takten erweitert. Dies ist nur ein Beispiel von vielen. Die Bewertungen bei Amazon lagen noch vor zwei Wochen zwischen 4 und 5 Sternen und mir fällt fast ein Stein vom Herzen, dass es mittlerweile eine Rezensentin gibt (wohl auch Klavierlehrerin), die diesem Heft nur einen Stern gegeben hat. Ich habe meinen Schülern Stücke aus dem Heft vorgespielt. Sie mussten lachen ob dieser Banalität. Und das tut mir irgendwie leid. Aber es nützt nichts. Ich wollte einen Blog, auf dem ich meine Meinung mitteilen kann. Und wenn mir etwas nicht gefällt, möchte ich das auch schreiben dürfen. In der Hoffnung, dass Komponisten oder Verlage dies als konstruktive Kritik annehmen.

Ich würde mir sehr wünschen, dass Herr Engel sich beim nächsten Heft mehr Mühe gibt. „Amélies Klavierbüchlein“ ist allenfalls ein gutes Heft, um Vom-Blatt-Spielen zu üben. Klavierspieler mit Geschmack und Anspruch werden daran  keine Freude haben. Der Umgang mit den Oktavazeichen hat mich fast entsetzt. Ich habe in meinem Leben noch kein Stück gesehen, in dem Noten in der kleinen Oktave (im F-Schlüssel notiert) per Oktavazeichen in die eingestrichene Oktave (üblicherweise im G-Schlüssel notiert) versetzt werden. Das ist nicht der Sinn des Oktavierungszeichens! Die Stücke haben zudem mit ihren Titeln wenig zu tun und es gibt keine Pedaleintragungen (die aber dringend nötig wären, da der Pedalwechsel am Taktanfang oft nicht ausreicht). Herr Engel hat es sich sehr sehr leicht gemacht. Schade, denn die Themen der Stücke machen wirklich Lust auf mehr…

Zugabe! – Encore! von Matthias Pogoda wird leider das einzige Heft des Komponisten bleiben, denn für Klavier Solo ist weiter nichts erschienen. Seinen Namen finde ich auch nicht auf der Autorenliste des peermusic-Verlages. Nach einigen Jahren wieder in das Heft hineinzuschauen hat mir viel Freude gemacht und ich halte die Stücke für teils ausgesprochen interessant, teils wunderschön und stimmungsvoll, teils rhythmisch spannend und das ganze Heft für sehr gelungen. Zumindest was die Stücke betrifft. Warum komponiert Matthias Pogoda nicht mehr Klavierstücke? Sein Einfallsreichtum ist nachahmenswert!

A-b-e-r… Ja, das aber hat gefehlt. Ich kann leider dieses Heft meinen Schülern nicht zum Kauf empfehlen. Herr Pogoda hat, „um den „Schilderwald“ im Notentext zu reduzieren“ nicht nur auf Pedalzeichen verzichtet (was noch zu verschmerzen ist) sondern auch auf die Fingersätze (mit Ausnahme ganz weniger). Vielleicht traue ich meinen Schülern zu wenig zu, aber ich kann ihnen nicht guten Gewissens ein Stück ohne Fingersätze geben. Gute Fingersätze zu machen finde selbst ich schwer, zeitraubend und anstrengend. Ich möchte nicht, dass meine Schüler nach dem Zufallsprinzip Finger auswählen, sondern logisch spielen lernen. Zudem beruht Routine beim Spielen eines Stückes auch auf Wiederholungen mit immer den gleichen Fingersätzen. Welche Erfahrungen haben andere Lehrer damit gemacht? Lasst Ihr Eure Schüler Stücke ohne Fingersätze spielen?

Neben Haltebögen finden wir aber immer wieder Bögen, die wohl Legato-Bögen darstellen sollen. Warum hat er nicht diese weggelassen? Denn darin sehe ich keinen Sinn, zumal viele dieser Bögen nur zwischen je zwei Tönen zu finden sind und man sich sehr darauf konzentrieren muss, sie nicht mit einem Haltebogen zu verwechseln.

Zehn Klavierstücke für 8,50 Euro sind aber ein guter Kauf für interessierte Lehrer und Klavierspieler, die sich sowieso nicht an Fingersätze halten.  😉 Die Stücke sind (besonders rhythmisch) schwieriger als die von Claudia Burris. Nach 3 oder 4 Jahren Klavierlernens werden sie gut zu bewältigen sein. Da die meisten Stücke zwei Seiten haben, kann ich das Heft für Kinder eher weniger empfehlen. Jugendlich und Erwachsenen dürften die Kompositionen jedoch sehr gut gefallen.

 

Eure Sandra

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5 Gedanken zu „Aus meinem Notenregal #1 – Hefte von Claudia Burris, Valenthin Engel & Matthias Pogoda

  1. matthias pogoda

    Liebe Frau Labsch,

    durch Zufall bin ich jetzt auf ihre freundliche Besprechung meines Heftes „Zugabe“ gestoßen. Ich trage bei einfachen Musiken stets die Fingersätze mit meinen Schülern ein und habe damit gute Erfahrungen gemacht. Ein „Spielen nach Zahlen“ wird so vermieden und ein individuelles Fingersatz-Profil erlernt.

    Grüße, Matthias Pogoda

    Antworten
  2. Sandra Beitragsautor

    Vielen Dank für Ihre Rückmeldung, Herr Pogoda! Haben Sie die Erfahrung gemacht, dass Schüler Routine darin bekommen, Fingersätze selbst zu machen? Also gibt es einen Lerneffekt? Vielleicht sollte ich das bei leichten Stücken auch öfters mit meinen Schülern gemeinsam ausprobieren!

    Danke für die Inspiration und herzliche Grüße,
    Sandra Labsch

    Antworten
  3. Ellen

    Hallo Sandra, ich hab von Valenthin Engel fast alle Hefte gekauft.
    In einem Heft sind evtl. zwei Lieder gut…..
    Und dann ist es sehr „verkopft“, wie das bei Männern so ist,,,,.,..
    Sehr viele Wiederholungen……..
    Langeweile kommt auf…….
    Das Heft, speziell für “ starke Jungs“ , ist echt schlecht….(Dinosaurier………)
    Langweilige, ständige Dreiklänge…….
    Zuviel Töne auf einmal…….
    Für mich fehlen da: Fetzige, freche coole Einlagen! Etwas vom Indianer, von Rock und Pop, Quinten, Sexten und anderen Abenteuern…….
    Und trotzdem verspielt, romantisch, modern, synkopisch, animal……..
    Deswegen meine Bitte:
    Bitte komponiere Stücke für Jungs……..
    Wenn’s geht ein ganzes Heft……..
    Du kannst das……..
    Die Buben danken’s dIr…….
    Alles Gute, Ellen

    Antworten
  4. Ellen

    Übrigens bespreche ich grundsätzlich jedes Lied mit dem Schüler !!
    Individuelll wird gestaltet und gerade der Fingersatz ist da das a und o…….
    Er wird quasi auf ihn zugeschnitten…..
    Der Schüler entscheidet mit……
    Wir probieren verschiedene Fingersätze aus, und dann entscheidet der Schüler…
    Ich mach damit nur gute Erfahrungen….
    Ellen

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