Musiktheorie: Mixolydisch – das Geheimnis seiner Klangfarbe

mixolydisch, Kirchentonarten, mixolydischer Modus, kostenloses KlavierstückHallo ihr Lieben,

im Netz gibt es unzählige Seiten, die sich mit den Kirchentonarten beschäftigen, aber auf keiner dieser Seiten habe ich gefunden, warum der mixolydische Modus so klingt, wie er klingt. So anders, außergewöhnlich, irgendwie majestätisch und aus einer anderen Zeit. Ich werde euch heute verraten, was das Geheimnis der mixolydischen Klangfarbe ist.

Es würde mich nicht wundern, wenn euch der mixolydische Modus schon der Filmusik begegnet ist. Wahrscheinlich in Filmen, die in einer früheren Zeit spielen, denn mixolydisch klingt irgendwie mittelalterlich.

Mixolydisch – eine Kirchentonart

Genau wie Dur oder Moll ist Mixolydisch eine „Tonart“. Um genau zu sein zählt Mixolydisch zu den „Kirchentonarten“, die auch als „Modi“ (Einzahl Modus) bezeichnet werden. Diese Modi (tonale Ordnungssysteme in der Musik) wurden ab der Zeit des frühen Mittelalters bis ins 16./17. Jahrhundert verwendet. Auch Dur und Moll sind unter den Kirchentonarten zu finden. „Ionisch“ (heute als „Dur“ bekannt) und „Äolisch“ (heute „Moll“) wurden diese Modi genannt.

Wie für alle tonalen Ordnungssysteme gilt: es gibt einen bestimmten Tonvorrat, der auf einem Grundton basiert und sich in Form einer Tonleiter darstellen lässt. Aus diesem Tonvorrat entstehen Melodien und tonleitereigene Harmonien. Wenn noch nicht ganz klar ist, was die Harmonien mit ihrer Tonart zu tun haben, empfehle ich euch meinem Artikel „Was ist eine Tonart“ (mein-klavierunterricht-blog.de).

Der melodische Aspekt des mixolydischen Modus

Der mixolydische Modus ist dur-ähnlich. Nur in einem einzigen Ton nämlich dem siebten, unterscheidet sich der Tonvorrat der mixolydischen Tonleiter von dem der Dur-Tonleiter. In Dur finden wir zwischen dem siebten und achten Ton einen Halbtonschritt. Wenn wir G-Dur als Beispiel wählen, wird Fis der Leitton zum Grundton G. Im mixolydischen Modus fehlt dieser Leitton. Der zweite Halbtonschritt der Tonleiter befindet sich hier zwischen dem 6. und 7. Ton.

Der harmonische Aspekt des mixolydischen Modus

Dieser eine differierende Ton hat eine Auswirkung auf drei leitereigene Harmonien, wovon zwei für uns sehr interessant sind. Denn im mixolydischen Modus finden wir zwei Akkordverbindungen, die es in keinem anderen Modus gibt. Darin liegt das Geheimnis der mixolydischen Klangfarbe.

Akkordverbindung Stufe 1 und Stufe 7

Das F ist nun der Grundton des F-Dur-Dreiklangs auf der siebten Stufe der Tonleiter. In G-Dur finden wir auf dieser Stufe einen verminderten Dreiklang auf dem Fis. Dieser wird in der Regel nicht zur Harmonisierung einer Melodie verwendet, da ein verminderter Dreiklang disharmonisch klingt.

Wir finden im Mixolydischen also einen Dur-Dreiklang auf der ersten und ein Dur-Dreiklang auf der siebten Stufe. Wechseln wir diese beiden Harmonien ab, klingt das so.

Akkordverbindung Stufe 1 und Stufe 5

Das F ist die Terz des Dreiklangs in D-Moll. Diese Harmonie finden wir nun auf der fünften Stufe der Tonleiter. In Dur ist an dieser Stelle ein D-Dur-Dreiklang zu finden.

Wir finden im Mixolydischen also einen Dur-Dreiklang auf der ersten und ein Moll-Dreiklang auf der fünften Stufe. Wechseln wir diese beiden Harmonien ab, klingt das so.

Die Schlusswendung

In sehr vielen Musikstücken finden wir die Akkordverbindung Stufe 5 (Dominante) und Stufe 1 (Tonika) harmonische Schlusswendung. Dafür brauchen wir aber einen Dur-Dreiklang auf der fünften Stufe, bei dem der mittlere Dreiklangston als Leitton fungiert. Unter dem Stichwort „Kadenz“ könnt ihr mehr darüber erfahren.

Durch den fehlenden Leitton im mixolydischen Modus funktioniert diese Schlusswendung allerdings hier nicht. Ich habe Stufe 7 und Stufe 1 als Schlusswendung gewählt. Also die Harmonien F-Dur und G-Dur. Wenn es sich kompositorisch ergeben würde, hätte ich allerdings im Ausnahmefall auch kein Problem damit, am Ende des Stückes oder Teiles aus dem Moll-Dreiklang der fünften Stufe ein Dur-Dreiklang zu machen. Das entspricht unseren modernen Hörgewohnheiten und ist manchmal harmonisch zwingend.

Ich habe schon einige Male gehört: „Dann ist das aber nicht mehr mixolydisch.“ Klar ist es das. Einem waschechten Berliner spreche ich ja auch nicht seinen Status ab, nur weil er am Ende seines Lebens drei Jahre in Hamburg wohnt.

Habt ihr die Kirchentonarten bereits im Klavierunterricht kennengelernt? Und meine Frage an die Klavierlehrer: wie unterrichtet ihr diese?

Hier noch ein mixolydisches Hörbeispiel aus meinem Heft „Märchenhaftes„. (zauberklavier.de)

Eure Sandra

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Ein Gedanke zu „Musiktheorie: Mixolydisch – das Geheimnis seiner Klangfarbe

  1. Ilse Lintzen

    Interessant vor allem für Improvisationen ist es auch, Modi als aus 2 Tetrachorde bestehende Skalen zu betrachten. Mixolydisch besteht aus einem Dur-Tetrachord und einem Moll-Tatrachord. Als Merkhilfe: mixolydisch ist ein „Mix“ aus den bekannten Tongeschlechtern Dur und Moll.
    Ionisch: 2 x Dur-Tetrachord,
    dorisch: 2 x Moll-Tetrachord,
    phrygisch: 2 x Phrygisch-Tetrachord,
    lydisch: Ganzton-Tetrachord +Dur-Tetrachord,
    äolisch: Moll-Tetrachord +“Phrygisch-Tetrachord.
    Alle Kirchentonarten lassen sich auf dese Weise schnell finden und auch transponieren. Außerdem bekommt man den Charakter der verschiedenen Modi leichter ins Ohr. Für die Improvisation sind die wichtigste Töne (Finalis und Repercussionston) jeder Kirchentonart die beiden Anfangstöne der zwei Tetrachorde.

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