Harmonisch denken – Akkorde kennenlernen #1 (mit kostenlosen Klaviernoten zum Downloaden)

Hallo Ihr Lieben,

vielleicht habt ihr schon einmal die Begriffe harmonisch denken oder akkordisch denken gehört? Heute möchte ich euch die Möglichkeit geben, direkt praktisch mit einer der Grundlagen zu beginnen: dem Kennenlernen einiger Akkorde und der Möglichkeit, diese auf sehr klangvolle Weise zu üben. Dafür habe ich ein Stück komponiert, welches ihr am Ende des Artikels kostenlos Downloaden könnt. Was ich genau ich unter harmonisch bzw. akkordisch denken verstehe, warum dies so wichtig ist und was man mit diesem Wissen anstellen kann, werde ich in einem anderen Artikel zusammenfassen.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Klavierschüler, besonders die erwachsenen Anfänger, ganz viel wissen und verstehen wollen. Was sind Akkorde? Welche gibt es? Wie erkennt man diese? usw.

Musikalische Elemente werden in der Regel verstanden aber durch zu wenig praktische Anwendungsmöglichkeiten nicht „begriffen“ und so weder abrufbar noch anwendbar gemacht. Sicher harmonisch denken kann man erst, wenn man Akkorde kennt und weiß, welche Töne zu einem bestimmten Akkorde gehören. Und genau so wichtig: wenn man diese Akkorde so oft in all ihren Formen geübt hat, dass sie abrufbar sind – also dem optische Erkennen eines Akkordes eine mühelose manuelle Umsetzung folgen kann.

Klavierstücke werden durch das Erkennen von Akkorden und harmonische Stukturen (bestimme Akkordfolgen) viel leichter lern- und spielbar. Je mehr musikalische Elemente man kennt (Skalen bzw Tonleitern, Akkorde, Akkordverbindungen) um so leichter fällt das Notenlesen, das Erkennen von sich wiederholenden Strukturen und das Spielen eines Stückes.

Ganz besonders leicht sind Stücke durchschaubar, die nur aus Akkorden bestehen, wie mein heutiges Beispiel mit dem Titel „Lovely Harmonies“:

Lovely Harmonies - Sandra Labsch     

„Lovely Harmonies“ steht in A-Moll und nutzt bis auf den Dreiklang auf der zweiten Stufe (H-D-F) alle Dreiklänge, die sich aus den Tönen der A-Moll-Tonleiter bilden lassen.

Besonders interessant ist dabei der Dreiklang auf der fünften Stufe, der in Mollkompositionen in seiner Moll- und Dur-Variante (hier E-Moll und E-Dur) vorkommen kann.

Den Dreiklang der fünften Stufe nennt man auch die Dominante und dieser Akkord hat eine besondere Bedeutung in Musikstücken. Er erscheint oft als vorletzte Harmonie im Stück und sorgt dafür, dass der anschließende Akkord (in der Regel der Dreiklang auf der ersten Stufe – auch Tonika genannt) als Abschluss wahrgenommen wird und genau richtig klingt.

Kommt nach der Dominante die Tonika, klingt die Dur-Version der Dominante gefälliger. Erklingt nach der Dominante eine andere Stufe, bleibt es in der Regel bei der Moll-Version. Als „harmonisches Moll“ wird dieser Moll-Modus bezeichnet, wobei bei der Definitionen dieses Modus beschrieben wird, dass der siebte Ton der Tonleiter immer erhöht wird (und so ein Dur-Dreiklang auf der fünften Stufe entsteht). Dem kann ich nicht zustimmen. Meiner Erfahrung nach hängt dies davon ab, welche Harmonie folgt.

Das von mir gewählte Harmonie-Schema für „Lovely Harmonies“ ist eine im Barock sehr beliebte Akkordfolge. Quartfallsequenz mit Sekundanstieg wird diese genannt und ein sehr bekanntes Werk mit dieser Harmoniefolge (in Dur) ist der „Kanon“ von Pachelbel.

Wie bringt euch mein Stück nun weiter beim harmonisch denken? Wenn ihr die Dreiklänge nicht nur spielt, sondern euch auch die Namen der sieben verschiedenen Dreiklänge und die dazugehörigen Töne merkt, habt ihr bereits ein kleines Repertoire an Akkorden.

verwendete Dreiklänge in der Grundstellung:
A-Moll, C-Dur, D-Moll, E-Dur, E-Moll, F-Dur, F-Moll, G-Dur

„Lovely Harmonies“ ist zudem ein schönes Beispiel um zu zeigen, dass jedem Musikstück ein harmonisches Schema zugrunde liegt. Auch wenn ein Klavierstück eine Melodie hat. Es gibt immer ein Harmoniefolge, die die Basis der Komposition bildet.

Folgende Varianten könnt ihr ausprobieren, um euer motorisches Repertoire zu erweitern:

  • Dreiklänge in der rechten Hand mit 1-2-4 spielen
  • mit dem mittleren Ton (der Terz) des Dreiklangs beginnen
  • die Wiederholung des Dreiklangs eine Oktave höher spielen
  • Oktaven in der linken Hand spielen (beide Töne gleichzeitig oder nacheinander: tief-hoch oder hoch-tief)
  • Stück nach D-Moll oder E-Moll transponieren

PDF-Dateien zum Downloaden und Ausdrucken

Lovely Harmonies_Akkordsymbole oben
Lovely Harmonies_ Akkordsymbole Mitte

Viel Freude beim Ausprobieren,

Eure Sandra

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4 Gedanken zu „Harmonisch denken – Akkorde kennenlernen #1 (mit kostenlosen Klaviernoten zum Downloaden)

  1. Martin Richter

    Vielen Dank Frau Labsch!
    Ich bin sehr gespannt wie die Serie weitergeht.

    Geht die Reihe „Richtig üben“ noch weiter? Ich fand die Informationen sehr interessant und konnte einiges davon in meine „Übestrategien“ einfließen lassen.

    Mit besten Grüßen

    Martin Richter

    Antworten
    1. Sandra Beitragsautor

      Lieber Herr Richter,

      vielen Dank für Ihr Dankeschön! Und ja, „Richtig üben“ geht auch demnächst weiter.

      Herzliche Grüße,
      Sandra Labsch

      Antworten
  2. Carina

    Herzlichen Dank für Deinen Artikel, liebe Sandra!
    Harmonien verstehen und spielen lernen finde ich in einem zeitgemäßen Unterricht super wichtig. Ich selbst habe das nie so richtig gelernt und die Grundlagen erst sehr spät verstanden. Deine Anregungen geben mir einen Ansatzpunkt und ich freue mich auf die Fortsetzung dieser Serie!

    Liebe Grüße
    Carina

    Antworten

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